Beschränkung auf nur ein Objektiv – das Standardobjektiv

Nur ein Objektiv: am ehesten funktioniert das mit einem lichtstarken Standardobjektiv.

Nur ein Objektiv: am ehesten funktioniert das mit einem lichtstarken Standardobjektiv.

Nur ein Objektiv für alles? Wer vor diese Herausforderung gestellt wird – und sei es nur spaßeshalber – der kommt ziemlich ins Grübeln. Denn das ist eine ziemlich ungeliebte Aufgabe, erst recht, wenn man schon einige Zeit mit mehreren Objektiven und Zoom-Linsen fotografiert. Dieses eine Objektiv müsste eine Art Standardobjektiv sein, nicht zu viel Tele- und nicht zu viel Weitwinkelwirkung aufweisen. Am ehesten fallen einem zu dieser Aufgabe ’nur ein Objektiv‘ Zoom-Objektive ein, die einen wirklich großen Brennweitenbereich abdecken. Aber die sind wiederum nicht besonders lichtstark, leiden bei manchen Brennweiten unter Verzeichnung und sind oft auch nicht besonders scharf.

Die Aufgabenstellung, nur ein Objektiv zu verwenden, sollte man nicht allzu ernst nehmen und das zum Beispiel nicht bei Aufträgen oder Reisen ausprobieren. Warum die Aufgabe sinnvoll ist und erst noch Spass machen kann, erfährst Du hier – einschließlich meiner Empfehlung für dieses eine Objektiv. Ich habe dafür an meiner Canon EOS M6 das 22-mm-Objektiv mit Lichtstärke 2.0 gewählt.

Vorteil der Herausfordern 'nur ein Objektiv': die Kamera bleibt sehr kompakt.

Vorteil der Herausfordern ’nur ein Objektiv‘: die Kamera bleibt sehr kompakt.

Es gibt etliche Gründe, die dafür sprechen, sich bei der Objektivwahl auf nur ein Objektiv zu beschränken. Den ersten Grund kennen die meisten Fotografen: Viele Objektive kosten viel Geld. Und wer etliche Linsen kauft, der stellt nach einiger Zeit fest, dass er manche nicht oder nur selten benutzt. Natürlich führt kein Weg dran vorbei, für verschiedene Aufgaben auch verschiedene Objektive einzusetzen – wenn man nicht zu viele Kompromisse eingehen möchte.

Nur ein Objektiv, das Standardobjektiv

Das Standardobjektiv heißt nicht nur deswegen so, weil es früher die erste und einzige Linse war, die man zu seiner Kamera dazu bekam. Entweder war das Objektiv sowieso fest verbaut. Oder man folgte beim Kauf des ersten Objektivs für eine Spiegelreflex dem Rat des Verkäufers und schaffte sich ein lichtstarkes 50-mm-Objektiv an: „Weil es dem natürlichen Blickfeld des Menschen am ehesten entspricht”, so die gängige Begründung.

Spassfaktor Freistellen: Der geringe Schärfebereich rlaubt mehr Gestaltung.

Spassfaktor Freistellen: Der geringe Schärfebereich rlaubt mehr Gestaltung.

Sogenannte Standardobjektive haben es heute schwerer. Zum einen suchen schon Anfänger den besonderen Blickwinkel, nur ein Objektiv ist zu normal. Ein möglichst starkes Tele oder Weitwinkel schafft am ehesten die Voraussetzung dafür, dass man außergewöhnliche Bilder erhält. Andererseits gibt es „das” Standardobjektiv mit einer bestimmten Brennweite für das Format 24 x 36 mm ja nicht mehr. 50 Millimeter, das galt früher für das Kleinbildformat und heute nur noch für das recht teuere Vollformat.

Heute kommt das beliebte APS-C-Sensorformat am ehesten bei rund 30 mm Brennweite dem Standardbild nahe, das wir sehen. Bei dem kleineren Micro-Four-Thirds-Sensor sind es nur noch 25 Millimeter Brennweite. Und die für die meisten Smartphone mit ihren Mini-Sensoren gelten wiederum ganz andere Regeln. Mein iPhone 6s hat einen Sensor von 6,2 x 4,6 mm. Und die Brennweite ist wie bei vielen Handykameras eher weitwinkelig mit 29 mm Kleinbild-Äquivalent.

Lichtstarke Standardobjektive in drei Varianten für Vollformat, APS-C und MFT-Sensoren.

Lichtstarke Standardobjektive in drei Varianten für Vollformat, APS-C und MFT-Sensoren.

Viele Standardobjektive

Bei all diesen Unterschieden gilt aber noch immer, dass es für jeden Sensor und jede Kamera in der Regel ein lichtstarkes Objektiv gibt, das dem natürlichen Sehen am nächsten kommt. Und das sich für das Motto ’nur ein Objektiv‘ eignet. Als einfache Regel sollte man den Cropfaktor im Auge haben (etwa 1,6x bei APS-C-Sensoren, 2x bei MFT-Sensoren). Und eine möglichst hohe Lichtstärke (1,7 bis 2,8). Die Festlegung auf eine lichtstarke Festbrennweite hat etliche Herausforderungen, aber auch viele Vorteile, die man einmal erfahren haben sollte. Generell würde ich mich auch nicht auf die 50 mm fixieren, sondern (auf Kleinbild bezogen) Brennweiten von etwa 30 bis 60 mm für diese Art Standard ins Auge fassen.

Das oben beschriebene Canon EF-M 2.0/22mm entspricht einer Kleinbild-/ Vollformat-Brennweite von 35 mm.

Geringe Tiefenschärfe rückt Dinge in den Blickpunkt.

Geringe Tiefenschärfe rückt Dinge in den Blickpunkt.

Festbrennweite: Zoomen zu Fuß

Die erste Einschränkung ist, dass zoomen nicht möglich ist. Wer den gewünschten Bildausschnitt erreichen will, der muss näher dran an sein Objekt oder weiter weg. Klingt zunächst aufwändiger, sorgt aber dafür, dass man seinen Standort, seinen Bildausschnitt und Blickwinkel sorgsamer wählt. Statt ein bißchen am Zoomring zu drehen ist Positionswechsel angesagt.

Der positive Effekt aus meiner Sicht ist, dass man bessere Aufnahmepositionen wählt. Ein Foto, dass Du mit Zoom und fünf verschiedenen Einstellungen von der gleichen Position machst, bringt wahrscheinlich so gute Ergebnisse, wie wenn Du auf Dein Motiv zugehst und dort Deine Position suchst. Wer es noch etwas puristischer mag, der besorgt sich für wenig Geld ein älteres analoges Objektiv und einen preiswerten Adapter für seine Kamera.

Keine Makroaufnahme, trotzdem viel Schärfe an der richtigen Stelle.

Keine Makroaufnahme, trotzdem viel Schärfe an der richtigen Stelle.

Lichtstärke und Bokeh

Ein schönes Bokeh, als eine gezielte Unschärfe im Bild ermöglicht weitaus mehr, als ein paar kreisrunde Lichtreflexe. Was viele Anfänger am meisten frustriert, ist die mangelnde Freistellung ihres Motivs. Sie wollen ein Blume fotografieren und ein Porträt machen, aber herauskommen Allerwelts-Bilder, in denen alles von vorne bis hinten scharf ist. Die Blendenzahl ist relativ hoch, viele Objektive und Kameras sind bewusst auch so konstruiert, dass der frisch gebackene Fotograf ein scharfes Bild bekommt.

Erst mit geringer Tiefenschärfe wird ein bildwichtiger Teil hervorgehoben: Der Hintergrund ist unscharf, unser Blick wird auf das eigentliche, scharf abgebildete Motiv gelenkt. Und weil dieser Effekt bei großen Entfernung mit normaler Brennweite nicht funktioniert (nur noch mit Tele-Objektiven), bedeutet auch das wieder mehr Bewegung für den Fotografen. Diese Freistellung funktioniert am ehesten im Nahbereich, auch hierfür musst Du also wieder ran ans Motiv.

Vorteil hohe Lichtstärke: Im Zusammenhang mit der Bildstabilisierung sind auch bei wenig Licht Aufnahmen möglich.

Vorteil hohe Lichtstärke: Im Zusammenhang mit der Bildstabilisierung sind auch bei wenig Licht Aufnahmen möglich.

Erfahrungen

Wie schon oben erwähnt: Als Herausforderung für Fotografen ist diese Beschränkung auf eine lichtstarke Festbrennweite, das Standardobjektiv, eine nette Idee. Wichtige Termine und Motive und vor allem Reisen wollte ich nicht mit dieser Einschränkung bewältigen. Abgesehen davon sehe ich solche Aktionen aber durchaus als sehr gewinnbringend an. Für mich ist es am ehesten vergleichbar mit meinen Anfängen der Fotografie als Jugendlicher. Kamera in die Hand nehmen und schauen was möglich ist. Mit manuellen Einstellungen spielen. Die geringe Tiefenschärfe bei offener Blende  ausprobieren (manchmal ist sie einfach zu gering).

Es führt unter anderem dazu, dass man bei den nächsten Aufnahmen leichter seine Komfortzone verlässt. Dass man gerne mal vom universellen Zoom auf eine Festbrennweite wechselt. Dass man seinen Standort eher wechselt, neue Perspektiven sucht, den Unschärfebereich nutzt. Und ganz nebenbei feststellt, wie wunderbar scharf ein gutes Objektiv mit hoher Lichtstärke bei geringer Abblendung sein kann.

Auch für ein Selfie taugt die Kombination hohe Lichtstärke und leichtes Weitwinkel.

Auch für ein Selfie taugt die Kombination hohe Lichtstärke und leichtes Weitwinkel.

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