Winterfotos ohne Schnee und Sonne: drei Tipps für gute Aufnahmen

Langzeitbelichtungen lassen bewegtes Wasser weicher, das Bild harmonischer.

Langzeitbelichtungen lassen bewegtes Wasser weicher, das Bild harmonischer.

Winterfotos können ein besonderes Erlebnis sein: Schnee und Sonne machen aus fast allem ein tolles Motiv. Was wir derzeit haben, das nennt man wohl die trübe Jahreszeit: Wochenlang kein richtiger Sonnenschein, generell wenig Licht, viele Wolken. Hier sind drei Tipps, wie man sich nicht nur motiviert, wieder zur Kamera oder zum Smartphone zu greifen. Sondern wir man als Winterfotos auch interessante Bilder erhält.

Langzeitbelichtung

Wie soll eine trübe Landschaft durch Langzeitbelichtung besser werden? Da gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Mit zu den beliebtesten Motiven gerade für Winterfotos gehören Bäche, Seen und Wasserfälle. Durch eine Langzeitbelichtung erreicht man diesen fast magischen Effekt, dass Bewegungen verschwimmen. Ein anderer schöner Effekt sind die Leuchtspuren von Autoscheinwerfern, die auch sonst weniger ansprechenden Stadt-Szenen einen gewissen Zauber verleihen.

Du brauchst dafür neben dem Stativ eine Möglichkeit für längere Belichtungszeiten. Bei DSLR Kameras ist das die Einstellung Bulb. Der Verschluss bleibt solange offen, wie Du den Auslöser gedrückt hältst. Etwas komfortabler sind Fernauslöser oder Timer. Hast Du beides nicht, empfiehlt sich die Auslösung per Selbstauslöser, damit nichts verwackelt. Bei Tageslicht sind Graufilter, vor allem als stufenlos verstellbarer ND-Fader hilfreich.

Leuchtspuren lassen sich mit längeren Belichtungszeiten realisieren.

Leuchtspuren lassen sich mit längeren Belichtungszeiten realisieren.

Nachtaufnahmen

Auch das sind Langzeitaufnahmen, auch die kommen als Winterfotos sehr wohl in Frage. Allerdings sprechen wir hier von richtig langen Belichtungszeiten. 30 Sekunden kannst Du den Verschluss da schon mal offen halten. Erst recht, wenn Du für mehr Tiefenschärfe abgeblendet hast.

Zusätzlich zur oben genannten Ausrüstung solltest Du noch ein Licht einpacken, wenn Du mit diesen Winterfotos Akzente setzen willst: Du kannst entweder den Lichtstrahl als grafisches Element nutzen (eher bei Landschaftsaufnahmen, die generell dunkler sind). Oder Du kannst während der langen Belichtungszeit Motivteile dezent „nachbelichten” mit einer Taschenlampe.

Makro: einfach mal ausprobieren. Zwischenringe gibts ab 20 Euro.

Makro: einfach mal ausprobieren. Zwischenringe gibts ab 20 Euro.

Makroaufnahmen

Eine völlig neue Sicht auf die Dnge erlauben Lupen. oder in unserem Fall Makro-Objektive. Die haben in der Regel eine lange Brennweite, sind lichtstark, schwer und teuer. Zwei preiswerte Alternativen sind Vorsatzlinsen, die Du auf Dein normales Objektiv schraubst. Das ist zusätzliches Glas und es hat meistens nicht die Qualität, wie das Deines Objektives.

Anders funktionieren Zwischenringe oder Extension Tubes. Sie verlängern schlicht den Abstand des Objektivs und übertragen nur die elektrischen Kontakte, zum Beispiel für Belichtungssteuerung und Fokus. Die Qualität Deines Objektivs ändert sich dadurch nicht, allerdings musst Du mit den Eigenheiten von Makro-Aufnahmen rechnen: sehr geringe Abstände, lange Belichtungszeiten, sehr geringe Tiefenschärfe.

Die Makro-Aufnahmen sind eigentlich nicht typische Winterfotos. Aber eben auch eine gute Möglichkeit, in eher tristen Winterlandschaften noch ein interessantes Motiv zu entdecken. Wer auf seiner Tour für Landschaftsfotos keine tollen Ergebnisse erzielt hat, der kann in der Makro-Welt meist immer noch interessante Motive entdecken.

 

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Bildschirmfotos ohne Plugins

Luxusvariante für Bildschirmfotos: gleich mit dem passenden Gerät abgebildet.

Luxusvariante für Bildschirmfotos: gleich mit dem passenden Gerät abgebildet.

Bildschirmfotos braucht fast jeder, der mit Computern zu tun hat. Für mein Blog habe ich früher relativ oft auch von fremdem Webseiten ein Bildschirmfoto gemacht, wenn ich über diese Seite berichtet habe. Inzwischen bin ich zwar etwas zurückhaltender mit Aufnahmen fremder Webseiten geworden. Ich nutze sie dennoch, auch privat, um Meldungen oder Bestätigungen anderer Websites festzuhalten. Oder ich habe eine Idee für ein Thema und nutze ein Bildschirmfoto als Gedächtnisstütze für die Redaktionsplanung. Außerdem sind Bildschirmfotos ein beliebtes Werkzeug, auch um Momentaufnahmen der eigenen Webseite zu erstellen. Dazu bietet sich vor allem die Abbildung einer ganzen Seite an, die man als Design-Archiv nutzen kann, wenn man sein Layout ändert.

Mein Favorit, nachdem ich zunächst viele Aufnahmen  mit Safari und Firefox gemacht hatte, ist die Möglichkeit, die der Chrome Browser anbietet.

Bildschirmfotos mit verschiedenen Browsern

Safari

Auf meinem Mac ist der Befehl Apfeltaste+Shift+3. Dann wird der ganze Bildschirm abgelichtet. Will man nur einen Ausschnitt, kann man diesen festlegen, indem man Apfeltaste+Shift+4 drückt. Danach kann man selbst einen Ausschnitt wählen. Und wenn mann nach Apfeltaste+Shift+4 die Leertaste drückt, wird das aktive Fenster abgelichtet.

Mac Safari (und auch bei jedem anderen Browser):
Apfeltaste+Shift+3: ganzer Bildschirm
Apfeltaste+Shift+4: Ausschnitt wählen
Apfeltaste+Shift+4 und danach Leertaste: aktives Fenster

Es empfiehlt sich übrigens diese Bildschirmfotos von einem iMac mit Retina-Display zu bearbeiten: Diese PNG-Dateien haben eine Auflösung von 5120 x 2880 Pixel und schlagen mit 12,8 MB zu Buche. Neben diesen Möglichkeiten des Betriebssystems OS-X hat Safari nach meiner Kenntnis keine weiteren Möglichkeiten für Bildschirmfotos. Wohl aber andere Browser.

Bildschirmfotos_ komfortable Lösungen gibt es für alle Browser, hier der Firefox.

Bildschirmfotos_ komfortable Lösungen gibt es für alle Browser, hier der Firefox.

Möglichkeiten in anderen Browsern

Firefox

Für den Firefox-Browser habe ich jahrelang eine Erweiterung genutzt, die jetzt aber überflüssig ist. Das Befehl für Bildschirmfotos ist hinter den drei Punkten versteckt, die oben in der Adressleiste des Browsers stehen. Dort kommt am Fuß des Aufklappmenüs die Funktion Bildschirmfoto aufnehmen. Auch hier kann man wählen zwischen ganzer Bildschirm, einem selbst ausgewählten Ausschnitt und einzelnen Elementen. Die Markierung kann man ggf. noch selbst anpassen.

Abschließend kann man das Bildschirmfoto auf den Computer herunterladen oder im Online-Speicher ablegen.

Aber es geht noch etwas differenzierter: Über das Menü Extras –> Web-Entwickler –> Bildschirmgrößen testen gelangt man zu den Ansicht mobiler Geräte und kann das passende auswählen. Dort kann man nicht nur eine Berührungssimulation aktivieren, sondern vom jeweiligen Ausschnitt gleich ein Bildschirmfoto machen.

Chrome

Der Chrome-Browser bietet die wohl umfangreichsten Möglichkeiten für Bildschirmfotos. Natürlich gibt es am Mac auch hier das oben erwähnte komplette Bildschirmfoto oder den selbst gewählten Ausschnitt.

Mehr Möglichkeiten findet man im Menü etwas versteckt unter Anzeigen –> Entwickler –> Entwickler-Tools.

Im Kopf des neuen Browser-Abschnitts findet sich an zweiter Stelle von rechts das Symbol für „Device”. Dahinter verbergen sich diverse mobile Geräte, Smartphones und Tablets. Hat man sein gerät ausgewählt, kann man ein Bildschirmfoto in der entsprechenden Größe, zum Beispiel des iPhone 7, machen.

Noch besser: In der gleichen Leiste, in der die verschiedenen Geräte ausgesucht werden können, stehen ganz rechts wieder die verräterischen drei Punkte. Mit einem Klick öffnet sich ein weiteres Aufklappmenü und dort kann man „Add device type” auswählen. Dann bekommt man ein Bildschirmfoto das in den Bildschirm des entsprecheden Geräte eingeblendet ist.

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Kurze Texte fürs Internet: Bildtexte, Untertitel, Videobeschreibungen

Bildtexte sind wichtig, auch wenn sie etwas Mehrarbeit erfordern.

Bildtexte sind wichtig, auch wenn sie etwas Mehrarbeit erfordern.

Bei Texten schauen wir immer auf das Große und Ganze. Blogposts sollten eine bestimmte Mindest-Länge haben, das ist suchmaschinenfreundlicher. Und was ist mit allen anderen Texten? Größtenteils unnötig könnte man denken. Bildtexte und Bildunterschriften spielen allenfalls noch im Print eine wichtige Rolle. Dabei können die kurzen Prosa-Werke zum Bild der Funke sein, der die Begeisterung für Deine Bilder und Beiträge erst entzündet.

Bildtexte in vielen Variationen

WordPress gibt es ja in idealer Form vor. Hier kann man nicht nur eine alt-Beschreibung für jedes Bild als möglichen Bildtext hinterlegen. Sondern auch eine Beschreibung und eine Beschriftung. Was ist was?

Am wichtigsten ist der Alternativtext. Er ist für den Besucher nicht sichtbar, steht aber im Quelltext und kann von Suchmaschinen gelesen werden. Die erkennen nicht, was auf dem Bild ist, können aber den alt-Text lesen. Sinnvoll wäre in diesem Zusammenhang noch, der Bilddatei selbst auch einen „sprechenden” Namen zu geben: Meine Bilder haben zum Beispiel erst einen Datumscode, dann einen Unterstrich, dann einen bezeichnenden Namen: DDMMYY_Name.jpg heißt beim entsprechenden Bild dann konkret: 180118_bildtexte.jpg.

Besser wäre dagegen bildtexte.jpg. (Das passt aber nicht in mein Ordnungssystem. Sorry, da bin ich etwas spießig.) Ob meine Version bei den Suchmaschinen auch gut ankommt, weiß ich nicht.

Alternative zu den Bildtexten: Ins Bild schreiben. Diese Information kann aber nicht von Suchmaschinen erkannt werden.

Alternative zu den Bildtexten: Ins Bild schreiben. Diese Information kann aber nicht von Suchmaschinen erkannt werden.

Der Titel bei den WordPress-Bildern wird oft angezeigt, wenn man mit der Maus übers Bild fährt. Eine elegante Art, Infos zu vermitteln, finde ich. Manchmal wird er auch in Galerien angezeigt.

Die Bildunterschrift ist genau das, was der Name verheißt und damit auch der eigentliche Bildtext. In meinen Augen ziemlich wichtig. Ist aber auch eine Berufskrankheit: In Redaktionen gilt: Kein Bild ohne Bildtext. Und manchmal sitzt man den Bildtexten fast genauso lange, wie an der Geschichte selbst.

Die Bildbeschreibung bekommt meistens niemand zu sehen. Die wird vor allem innerhalb von WordPress verwendet. Außer man zeigt seinen Besuchern eine Dateianhang-Seite, was ich aber nicht so toll finde. In den meisten Fällen kann man sich das sparen. Aber weil ich keinen Nerv für verschieden Angaben habe, kopiere ich in alle vier Felder den gleichen Text, also das, was nachher auch in der Bildunterschrift zu sehen ist.

Soziale Netzwerke

Was im eigenen Blog schon oft als überflüssig erachtet wird, das fehlt dann oft auch in den Sozialen Medien. Ein tolles Bild bei Facebook und Google+ ist gut. Ein tolles Bild mit einem pfiffigen Bildtext kann den Unterschied machen.

Ich mache die besten Erfahrungen mit Bildtexten auf Instagram. Sprich: Hier gibts die beste Belohnung, die meisten Rückmeldungen für gute Bildtexte. Denn es kommen auf einen guten, beschreibenden oder auch launigen Text mehr Kommentare, als auf eine knappe Kurzbeschreibung. Und mit den Besuchern meines Profils ins Gespräch zu kommen, ist meines Erachtens einer der schönsten Erfolge guter Bilder.

Für die Verwendung auf Pinterest spielen wohl meisten die SEO-Kriterien eine Rolle. Pfiffige oder besonders aussagekräftige Texte sind hier eher selten.

Bildtexte können auch knapp sein, sollten aber die wichtigsten Infos und evt. auch wichtige Suchbegriffe enthalten.

Bildtexte können auch knapp sein, sollten aber die wichtigsten Infos und evt. auch wichtige Suchbegriffe enthalten.

Die Wiederholungen…

Was zu guten Bildtexten und Facebook-Posts auch nicht passt, sind die Wiederholungen. So posten viele einen Beitrag oder Link auf ihrem Profil. Und den gleichen Text mit gleichem Bild auf ihrer Facebook-Seite. Dasselbe dann auch noch bei Google+ und bei Twitter. Und das, um möglichst alle Follower zu erreichen, auch gleich drei bis fünf Mal an unterschiedlichen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten. Immer das gleiche Bild, immer der gleiche Text.

Daraus kann man niemandem einen Vorwurf machen. Wer will schon Stunde um Stunde in solche Kleinigkeiten investieren, wenn schon das Verfassen des Beitrags aufwändig war? Allerdings steigt der Anreiz, die wieder erkannten Posts anzuklicken dadurch nicht. Wenn ich dagegen mehrmals ein interessantes Thema in Variationen vorgesetzt bekomme, klicke ich schon eher.

Videos mit Text

Bei Youtube-Videos ist der Raum der Bildbeschreibung meistens mit Affiliate-Links gefüllt. Das ist aus meiner Sicht in Ordnung. Kaum jemand will den Inhalte eines Videos unten im Text mitlesen.

Dagegen haben die im deutschsprachigen Raum unterschätzten Untertitel, die man direkt im Video einschalten kann, mehr Beachtung verdient. Gar nicht so selten ist der Ton abgeschaltet, zum Beispiel in Bus und Bahn, oder am Arbeitsplatz. Dann helfen gute Untertitel enorm viel.

Allerdings gibt es nach meiner Kenntnis nur für englischsprachige Videos relativ elegante und kostengünstige Möglichkeiten, sich die Untertitel individuell erstellen zu lassen. Ansonsten bleibt noch die automatische Variante, die fast so lustig ist, wie die automatischen Übersetzungsmöglichkeiten. Oder eben die dröge Handarbeit.

Mein Fazit

Wie so oft im Leben entscheiden meist Kleinigkeiten über den Erfolg. So wie man an seinen Bildern und Blogposts feilt, so sollte idealerweise auch den kurzen Texten gearbeitet werden. Manchmal ist das verzichtbar. Aber wer zum Beispiel auf Instagram bei einem guten Food-Fotos nichts dazu schreibt, der erhält oft viele Anfragen, was das ist, wie das zubereitet wird. Man sieht also, das Interesse ist da. Genauso bei Landschaftsaufnahmen. Da ärgere ich mich oft selbst, wenn ich ein Bild interessant finde, aber keinerlei Infos bekomme, wo das aufgenommen wurde.

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Bokeh: mit Tiefenschärfe und Licht zaubern

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild - und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild – und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh ist für viele Fotografen die Krönung. Wenn durch geringe Tiefenschärfe und vielleicht noch ein paar Lichtreflexe stimmungsvolle Bilder entstehen, bekommt man echte Hingucker. Und wann könnte man diesen Effekt besser brauchen, als in der Vorweihnachtszeit? Dunkle Tage, viele Lichter, besondere Stimmung. Die Profis, die es wirklich auf diesen Bokeh-Effekt anlegen, haben meistens spezielles Werkzeug in ihrer Foto-Tasche. Dazu gehören teure, lichtstarke Objektive für Vollformat-Kameras und / oder lange Brennweiten.

Der Unschärfebereich, wie er vor allem bei Aufnahmen mit offener Blende entsteht, funktioniert aber auch mit weniger finanziellem und technischem Aufwand. Wer noch mehr rausholen möchte, als partielle Unschärfe und Lichtflecken, der achtet besonders auf die Gestaltung der Lichtreflexe. Hier gibt es große Unterschiede.

Auch ohne teure Objektive und Kameras

Um zu zeigen, dass auch mit relativ wenig Aufwand und sogar mit einer älteren Ausrüstung der Bokeh-Effekt ganz gut funktionieren kann, habe ich hier einmal verglichen. Zum Einsatz kamen die Canon 550D (ein Uralt-Modell), sowie die Canon EOS M mit weitestgehender gleicher Technik, aber anderen Objektiven. Beide haben einen vergleichsweise großen APS-C-Sensor, das ist sozusagen die nächst kleinere Sensorgröße nach einem Vollformat. Außerdem kamen zum Einsatz die etwas neuere Lumix LX100 (eine Micro-Four-Thirds-Kamera mit kleineren Sensor) und einem Smartphone (iPhone 6s, mit noch kleinerem Sensor).

Alle Bilder entstanden ohne zusätzliches Licht, außer bei der Weitwinkel-Aufnahme der Lumix LX100. Da wars zu dunkel für das Bäumchen im Vordergrund und ich habe hier mit einem LED-Licht für den Vordergrund nachgeholfen. Alle Aufnahmen entstanden mit offener Blende, das bedeutet immerhin eine Spannbreite von 1,5 bis 6,3.

Bokeh mit der DSLR: Canon 550D

Hier gibt es aufgrund der Sensorgröße gute Ergebnisse. Angenehm ist, dass man hier am besten (auch manuell) scharf stellen kann. Generell ist zu sagen, dass der Bokeh-Effekt am besten gelingt, wenn der Sensor relativ groß ist. Anders ausgedrückt sind kleine Kameras mit kleinem Sensor eher auf Schnappschüsse ausgelegt, bei denen möglichst alles scharf abgebildet werden soll. Bedeutet mehr Tiefenschärfe, weniger Effekt.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Zoom-Objektiv

Die Aufnahme mit dem Standardzoom 17 bis 85 mm von Canon ist zwar noch nicht berauschend, aber ganz brauchbar. „Offene Blende” bedeutet bei diesem Objektiv in Tele-Einstellung von vorne herein mindestens Blende 5,6, das ist nicht besonders lichtstark. Die Effekte sind so naja.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Wallimex-Video-Objektiv

Besser wird es mit einem lichtstarken Objektiv wie dem Wallimex 1,5 / 35 mm (nach meinem Wissen baugleich mit Rokinon, Samyang und einigen anderen). Diese Brennweite entspricht an einer APS-C-Kamera übrigens auch dem vielgeliebten, lichtstarken und preiswerten „Normal”-Objektiv. Das hat an einer Kleinbild- oder Vollformat-Kamera eine Brennweite 50 mm. Und die Ausführung mit größter Blende 1,8 gibts meistens schon für 100 € oder weniger. Bei APS-C-Sensor dagegen verlängert sich die Brennweite um den Faktor 1,6.

Das sind schon eher die Effekte, wie ich sie mir wünsche. Etwas schwierig zu handhaben, weil das Objektiv vollständig manuell funktioniert. Hilfreich, wenn mit Magic Lantern auch eine Fokussierhilfe zur Verfügung steht (Fokus-Peaking, Ausschnittvergrößerung). Das Bokeh ist sehr schön, die Naheinstellgrenze erlaubt auch Detailaufnahmen.

Canon 550D mit einem lichtstarken Zeiss-Objektiv

Lichtstarkes Vintage-Objektiv

Der nächster Kandidat ist ein sogenanntes Vintage Objektiv, also ein altes Objektiv aus analogen Zeiten. Dem Zeiss 1,7 / 50 mm, einem Festbrennweiten-Klassiker mit Contax-Anschluss, werden beste optische Qualitäten nachgesagt. Und die Brennweite von 50 mm bedeutet bei APS-C Sensor gleichzeitig einen leichten Tele-Effekt.

Kurzum, ich hatte mehr erwartet. Die relativ große Naheinstellgrenze sorgt für einigen Abstand zum Objekt, was den Effekt schmälert. Mit einer zu großen Entfernung vom Objekt kann man kleine Motive nicht formatfüllend fotografieren. Der Abstand zum unscharf abgebildeten Hintergrund müsste dann noch größer sein – was bei Innenaufnahmen eher unpraktisch ist.

Demzufolge habe ich auf einen Test mit dem 1,8 / 85 mm Nikkor verzichtet. Da müssten die Abstände noch größer werden. Das 50 mm und das 85 mm sind also sicher praktikabel für Fotos und Videos im Freien, vor allem Beispiel Porträts. Bei Nahaufnahmen wie dieser zeigen sie ihre Stärke nicht.

Die spiegellose: Canon EOS M

Canon EOS M mit dem Kit-Objektiv 18-55 mm

Die EOS M hat den gleichen Sensor wie die DSLR. Man könnte deswegen mit einem Adapter auch die gleichen Objektive verwenden. Das Standardobjektiv für die EOS M, das 18-55 mm aufweist bei Lichtstärke 3,5 bis 5,6 fällt gegenüber der DSLR ab.

Canon EOS M mit Festbrennweite 2.0/22mm

Aber da gibts ja noch ein lichtstarkes Objektiv für die EOS-M, das  Weitwinkel-Objektiv 2,0/22mm. Aber auch hier trüben Weitwinkelcharakter und die Naheinstellgrenze das Ergebnis. Im Freien und für Porträts aber nach meiner Erfahrung sehr brauchbar.

Die spiegellose Lumix LX 100 mit MFT-Sensor

Lumix LX100 mit Teleeinstellung

Nun dachte ich mir, dass der kleinerer Sensor der Lumix einen noch geringeren Unschärfebereich bringt, spricht eine geringere Unschärfe und damit weniger Bokeh. Ein Hilfsmittel kann dann die höhere Brennweite im Telebereich des Zooms sein. Aber da habe ich mich wohl vertan. Im Telebereich sind die Ergebnisse wegen des Abstands weniger überzeugend.

Lumix LX100 mit Weitwinkel-Eeinstellung

Überraschend gut, wenn nicht sogar der Vergleichs-Sieger, ist der Bokeh-Effekt im Weitwinkelbereich. Mit Lichtstärke 1,7 und der Makro-Einstellung (die kein echtes Makro ist, aber eine gute Naheinstellung) stimmt wirklich alles. Das Bokeh zaubert kreisrunde Lichteffekte im Hintergrund, die hohe Lichtstärke von 1,7 bei Weitwinkel erlaubt auch Frei-Hand-Aufnahmen im Halbdunkeln.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum die Lumix von mir nicht nur als 4K-Video-Kamera sehr geschätzt wird. Sie hat mittlerweile einen festen Platz als „Küchenkamera”. Da ich häufiger Food-Fotos für meine Webseite testschmecker.de mache, greife ich wegen der Lichtstärke und der geringen Tiefenschärfe meistens auf diese kompakte Kamera zurück.

Das Smartphone: iPhone 6s

iPhone 6s

Hier ist nix mit Blendensteuerung, auch wenn manche Foto-App etwas anderes versprechen will. Manuell lässt sich auch mit Fremdmitteln allerhöchstens die Verschlusszeit steuern. In diesem Fall ist das kaum weiter tragisch, denn die offene Blende von 2.2 reicht für ein bißchen Unschärfe. Und das ist für ein Smartphone ohne solche Dinge wie den Porträtmodus der neueren Kameras ganz ordentlich, aber nicht überzeugend. Bei anderen Abständen im Freien kann das besser werden.

Als Schnappschuss ist das Ergebnis ok, aber eine richtige Freistellung des Objekts oder gar ein schönes Bokeh der Lichter erreicht man hier nur schwer.

Fazit

Eine alte DSLR (Canon 550D) und ein gutes, lichtstarkes Objektiv (Wallimex 1,5/35mm) mit geringer Brennweite und Naheinstellgrenze sind für für einen guten Bokeh-Effekt schon sehr brauchbar. Damit ist man sozusagen schon in der Einsteigerklasse gut bedient. Und wers noch preiswerter will, der besorgt sich in einer Auktion billig ältere Teile. Die Lumix LX100 mit ihrem kleinen Four-Thirds-Sensor schlägt sich sehr gut gegen diesen Veteranen, vor allem in der Weitwinkel-Einstellung.

Und weil das Bokeh hier eine besonders schöne kreisrunde Form hat und die kompakte Kamera überall eingesetzt werden kann, ist sie mein heimlicher Vergleichs-Sieger.

Die Verwendung von älteren Prime-Linsen an einer DSLR für den Nahbereich brachten bei mir nicht das gewünschte Ergebnis, weil ich nicht nah genug ans Objekt kam. Die anderen Kandidaten (Canon EOS M und iPhone 6s) lassen sich für größere Objekte und Porträts oder auch im Freien gut einsetzen. Sie stoßen aber im Innenbereich und bei kleinen Motiven schnell an ihre Grenzen.

Wer jetzt stimmungsvolle Weihnachtsbilder zaubern will, braucht also nicht unbedingt die größte DSLR und die teuere, lichtstarke Linse. Sehr hilfreich dagegen sind ein Stativ und viele Lichter. Ideal sind vor allem Lichterketten für den Hintergrund.

Übrigens lassen sich die Ergebnisse dieses Vergleichs ganz gut auf Video-Aufnahmen übertragen. Ich halte aber das Bildrauschen bei schwachem Licht im Videobereich weitaus eher für ein Problem. Auf der anderen Seite bieten Aufnahmen im 4K-Modus mehr Reserven bei der Bildschärfe und für Ausschnitte.

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