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Panorama-Kameras in der Kurzbewertung

Panoramakamera mit rotierendem Objektiv und einem Aufnahmeformat von 24 x 65 mm von Noblex. Panoramakameras ermöglichen neue Sichtweisen und schaffen faszinierende Bilder.

Wer an Panoramafotos Gefallen gefunden hat, der denkt bald darüber nach, wie man so etwas schnell, einfach und kostengünstig selbst umsetzen kann – natürlich in bester Qualität. Alle vier Kriterien zu erfüllen ist schwer, hier eine kurze Übersicht der in Frage kommenden Kameras.

Analoge Panoramafotografie – gebrauchte Kameras

Die Entscheidung für ‚richtigen‘ Film hat meistens einen wichtigen Grund. Man erhofft sich davon die beste Bildqualität, denn man hat ja quasi eine ‚Vollformatkamera‘, die in digitaler Ausführung zu den teureren Anschaffungen gehört. Auch wenn ich diese Auffassung heute nicht mehr teile, halte ich bei der analogen Reihenfolge daran fest und arbeite mich von den großen zu den kleinen Bildformaten vor.

Analoge Fotografie: Die Rückkehr zum Film bringt nicht nur Nachteile. Analoge Fotografie: Die Rückkehr zum Film bringt nicht nur Nachteile.

Linhof 6×17 Technorama Kamera, Großformatkameras

Das neueste Modell dieser Kamera ist die Linhof Technorama 617s III, idealerweise mit einem Objektiv Schneider-Kreuznach Super-Angulon 5,6/90 XL, das einen Bildwinkel von  110 Grad umfasst. Dass die Gebrauchtpreise noch immer bei 3000 bis 8000 Euro liegen (die Kameras sind aus dem Jahr 2012), verstärkt den Eindruck von einem hochprofessionellen Werkzeug. Wer das Geld dafür aufbringt, kann sich damit trösten, dass der Sammlerwert der Kamera bei guter Pflege auch in den kommenden Jahren recht hoch sein wird.

Wie bei allen analogen Lösungen liegt es auch hier in der Natur der Sache, dass man die Kamera optimal ausrichten muss. Die Gefahr von Verzeichnungen ist aber noch immer geringer als bei den Kameras mit rotierendem Objektiv (Noblex und Horizon) zum Beispiel. Im Prinzip ist auch die Technorama eine reine Großformatkamera. Ähnlich gute Ergebnisse bringt wahrscheinlich ein traditionelles Großformat, das bis zu 18 x 24 cm reichen kann. Zur praktikablen Panoramakamera wird die Technorama unter anderem dadurch, dass sie den Aufwand und Preis der Arbeit mit Großformatfilmen reduziert und den relativ preiswerten und gut zu verarbeitenden Mittelformatfilm mit 60mm Höhe verwendet.

Eine ganz ähnliche Bauweise bietet die Fuji G617, die teilweise gebraucht auch schon deutlich unter 3000 Euro zu haben ist. Wer zumindest das Feeling dieser Arbeit mal erleben möchte, der findet mit der wesentlich schlichteren Holga 120 Pan eine Panoramakamera, die ebenfalls auf Rollfilm setzt und auf eine Fläche von 6 x 12 cm belichtet. Die Ergebnisse dürften nicht ganz so prickelnd sein wie beim Linhof-Modell: Die Ergebnisse der 90mm Linse werden in der Regel als ’soft‘ beschrieben. Es gibt zwei Blendeneinstellungen, die Entfernung wird über Symbole gewählt. Aber bei rund 100 Euro kann man trotzdem viel Spaß an der Panoramafotografie haben, wenn man das einmal ausprobieren möchte.

Zurück zum Film? Hier das klassische Format 24 x 65 mm auf Kleinbild. Zurück zum Film? Hier das klassische Format von Hasselblad Xpan, Fuji TX-1, Noblex, Horizon und Widelux 24 x 65 mm auf Kleinbild.

Hasselblad Xpan und Fuji TX-1

Als die Hasselblad Xpan 1998 vorgestellt wurde, waren die Reaktionen zwiespältig. Einerseits war die Panoramakamera des schwedischen Nobelherstellers für eine Panoramakamera verhältnismäßig preiswert, kompakt und alltagstauglich. Sie macht Aufnahmen auf dem recht preiswerten und universellen Kleinbildfilm. Andererseits war  es eben eine Hasselblad und mit rund 3.000 Euro war sie eben immer noch teuer. Das Aufnahmeformat auf Kleinbildfilm beträgt 65×24 mm und diese Größe und das Seitenverhältnis entsprechen recht genau dem der Panoramakameras mit einem rotierenden Objektiv Noblex und Horizon. Wer damals den Kauf wagte, hat bis heute keinen Verlust gemacht, die Preise der Kamera sind immer noch hoch.

Und wer Hoffnungen auf den Hersteller Fuji setzte, der mit der Fuji TX-1 einen Nachbau auf den Markt brachte, war enttäuscht: Der Preis war fast genauso hoch, nur eben ohne den klangvollen Namen Hasselblad. Heute liegen die Gebrauchtpreise für die Hasselblad Xpan bei rund 4.000 Euro, ebenso kostet eine gut erhaltene Fujifilm TX-1 rund 3.000 Euro. Wegen der leichten Bedienbarkeit und der Kompaktheit sind die beiden Modelle aber für Panooramafotografie noch immer sehr beliebt. Und das Preisniveau der modernen Kameras ist inzwischen so hoch, dass diesen beiden Modelle keine so großen Ausreißer mehr sind.

Noblex, Widelux, Horizon

Diese Kameras besitzen ein rotierendes Objektiv, die Einstellmöglichkeiten sind naturgemäß eingeschränkt. Die Noblex wurde lange Zeit in Dresden gefertigt. Es gab sie für Mittelformat und Kleinbildformat. Die Bauweise war recht solide. Die Wurzeln der Kamera bei Carl Zeiss in Jena/Eisfeld sah man als Garant für hochwertige, traditionelle Feinmechanik. Verarbeitung und optische Qualität waren besser als bei den Mitbewerbern. Aber der Preis lag schon damals zwischen 1000 und 2000 Euro.

Die billigste Anlage Panorama-Lösung - ledre nicht unbedingt empfehlenswert.

Die billigste analoge Panorama-Lösung – für eher schlichte Ergebnisse aber mit Spielwert.

Die Konkurrenz kam in Form der preiswerten Horizon Panoramakamera aus Russland, heute zahlt man noch rund 300 Euro für gut erhaltene Modelle wie die 202 oder neueren S3. Die dritte Kamera dieser Art, die man heute noch oft finden kann, ist die Widelux aus japanischer Produktion. Gewohnungsbedürftig sind bei allen diesen Modellen die Eigenheiten des rotierenden Objektivs. Man braucht ziemlich viel Erfahrung, um abschätzen zu können, wie ein Motiv als fertiges Bild wirken wird. Die Verzeichnungen können gerade im Vordergrund sehr stark bemerkbar sein, und wer auf Tiefe verzichtet, der hält oft etwas eintönige Aufnahmen. Landschaften haben so fotografiert noch einen eigenen Reiz. Objekte wie Häuser stellen große Herausforderungen dar, wenn man auf klare gerade Linien steht.

Digitale Panoramafotografie – neue und gebrauchte Kameras

Bei den digitalen Lösungen für Panoramafotografie ist die Spanne der Möglichkeiten viel größer. Deswegen beginne ich mit denjenigen, die leicht verfügbar und preiswert sind.

Mit dem Smartphone sind mit einem Schwenk ausgeglichene 360-Grad-Bilder möglich - aber oft nicht sinnvoll. Mit dem Smartphone sind mit einem Schwenk ausgeglichene 360-Grad-Bilder möglich – aber oft nicht sinnvoll. Der Reiz der Panoramaaufnahme liegt im Wesentlichen auch im passenden Seitenverhältnis.

Smartphones wie das iPhone

Hier ist eine Panoramamöglichkeit eingebaut, viele Nutzer haben sie auch schon ausprobiert. Man wählt in der Kamera-App die Option Panorama und folgt der unausgesprochenen Anleitung: Im Bild erscheint der Pfeil mit Richtung, in der man sich drehen soll – fertig. Wer den ersten Impuls folgt und eine Panoramaufnahme im Querformat macht, der merkt gleich, dass das Ergebnis wenig befriedigend ist. Den Bildern fehlt es an Höhe, so erhält man denn brauchbare Aufnahmen. Im Gegensatz zu konventionellen Aufnahmen sind diese Bilder fast endlos. Und wer tatsächlich eine 360-Grad-Drehung aufnimmt, der muss wahrscheinlich nachbearbeiten, um einen attraktiven Ausschnitt zu erhalten. Ein Manko bleibt: Da feste Marken fehlen, sind bestimmte Seitenformate wie 3:1 oder 2:1, die ein Panoramabild bestimmen, nicht reproduzierbar. Es bleiben Versuch und Irrtum und/oder die sorgfältige Nachbearbeitung der Bilder für eine einheitliche Präsentation.

Ein zusammengesetztes Panorama, das noch in der Drohne entsteht. Dies ist ein zusammengesetztes Panorama, das noch in der Drohne entsteht. Verzeichnung und Gegenlicht sind zwei wichtige Themen, das Stichting dagegen klappt hervorragend.

Drohnenkameras

Eigentlich gehören die meist winzigen Kameras der Drohnen für den Verbrauchermarkt nicht unbedingt zur Sparte Panoramakameras. Aber wie moderne Smartphones sind es hier auch die inneren Werte, die zählen. Mit den DJI-Drohnen sind Panoramafotos in verschiedenen Ausführungen möglich, die aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt werden. Zusammen mit der außergewöhnlichen Perspektive aus verschieden großen Höhen (in der Regel bis 120 Metern) sind das allerdings die besten Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Bilder mit besonderem Blickwinkel. Obwohl ich mit den rechtlichen Einschränkungen als Drohnenpilot immer Kniffe musste, um das gewünschte Motiv aufzunehmen, hat es erstaunlich gut und ohne Regelverletzungen geklappt. Umso ärgerlicher, dass Social Media-Kanäle voll sind mit Bildern, bei denen sich andere Fotografen um diese Regeln – die ich für sinnvoll halte – in keiner Weise geschert haben. Ganz pragmatisch gesehen ist die Drohne einfach ein größeres Stativ für Panoramafotos und damit überaus wertvoll.

MFT-Kameras und APS-C Kameras

Kompakte MFT: Lumix LX 100 mit lichtstarkes Zoom, guter Bedienbarkeit und Panoramatechnik. Kompakte MFT: Lumix LX 100 mit lichtstarkes Zoom, guter Bedienbarkeit und Panoramatechnik.[/caption]

Bei den Micro-Four-Third-Kameras sind die Sensoren zwar schon etwas größer als bei den Smartphones. Hinsichtlich der Panoramafotografie gibt es nur wenig mehr Möglichkeiten. Auch hier haben viele Kameras eine ähnliche Panoramafunktion wie die Smartphones: Man dreht sich um die eigene Achse. Es bleibt hier auch noch die Möglichkeit, aus einer formatfüllenden Aufnahme im Seitenverhältnis 3:2 oder 4:3 später einen Panoramausschnitt zu fertigen. Zwar erzeugen die MFT-Kameras ganz ansehnlich Mengen an Bilddaten, und auch die oft gegebene Möglichkeit, Wechselobjektive zu nutzen, verbessert die Chancen auf ansprechende Bilder. Aber wie bei vielen anderen Aspekten von Foto- und Videoaufnahmen schneiden APS-C Kameras bei annähernd gleichen Preisen und technischen Ausstattung dank ihres größeren Sensors etwas besser ab. Gerade bei Panoramabildern spielt zum Beispiel die Brennweitenverlängerung eine wichtige Rolle. APS-C Kameras machen durch den Faktor 1,5 oder 1,6 bei der Brennweitenverlängerung (Crop-Faktor) aus einem 24mm-Objektiv ein Brennweitenäquivalent von etwa 36 mm. Das fällt noch in die Kategorie Weitwinkel.

Spezielle L-Brackets sind maßgeschneidert für das Kameramodell. Spezielle L-Brackets sind maßgeschneidert für das Kameramodell.

Bei MFT-Kameras erreicht man mit dem Faktor 2,0 nur in seltenen Fällen noch einen echten Weitwinkel-Effekt: Aus 24 mm werden 48 mm, der Bereich um 20 mm ist schwer erreichbar (oder nur durch teurere Objektive). (Anmerkung: Das bedeutet nun aber nicht, dass man einen Panoramaeffekt bei Bildern nur durch Weitwinkel erreichen kann. Auch Bilder mit normalem Blick- und Aufnahmewinkel können schöne Ergebnisse hervorbringen, wenn Motiv und Ausschnitt stimmen.)

Vollformatkameras

Die Vorzüge von Vollformatkameras werden noch immer sehr stark hervorgehoben – spielen aber für Panoramaaufnahmen nach meiner Meinung keine so wichtige Rolle. Natürlich ist ein tolles Bokeh bei Fotos und Videos manchmal eine tolle Sache. Für Panorama spielt wohl eher die Qualität der Sensoren und Objektive eine wichtige Rolle, so wie die stattliche Zahl der Bilddaten. Zwischen 24 und 61 Megapixel erreicht man hier, das gibt viel Raum für Ausschnitte. Wer zudem noch qualitativ gute Objektive im gemäßigten Weitwinkelbereich besitzt, der hat beste Voraussetzungen, um aus seinen normalen Aufnahmen Ausschnitte mit Panoramaeffekt zu erzeugen. Allerdings liegen Kameras und Objektive hier in einer ganz anderen Preisklasse. Deswegen sind APS-C Kameras aus meiner Sicht als Allrounder für Fotografie, Video und Panoramafotografie ein fast idealer Kompromiss.

Vollformat und ein lichtstarkes Normalobjektiv: Das bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Vollformat und ein lichtstarkes Normalobjektiv: Das bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Beispiele: Eine neue Canon R6 ii kostet knapp 2.000 €, eine gebrauchte ältere Canon 5D unter 300 Euro. Ähnlich bei Nikon (Z6 III), die ältere gebrauchte D800 unter 500 Euro und bei Sony A7 iV, die ältere gebrauchte Sony Alpha A7 ebenfalls unter 500 Euro.

Sucherlösungen digital

Für mich hat nach zahlreichen Versuchen und Erfahrungen mit der Panoramafotografie vor allem ein Weg als praktikabel erwiesen. Die meisten meiner Panoramaufnahmen entstehen heute als ganz normale Aufnahmen, vorzugsweise mit einer APS-C- oder einer Vollformatkamera. Erst in der Nachbearbeitung wähle ich den Ausschnitt und mache aus den Aufnahmen ein Panoramabild. Die Beurteilung von Motiven, ob sie sich für ein Panoramabild eignen, erfolgt als präzise erste in der Nachbearbeitung in Lightroom und Photoshop. Im Laufe der Zeit bin ich im Bereich der digitalen Fotografie auf zwei Möglichkeiten gestoßen, die schon vor der Aufnahme eine genauere Beurteilung ermöglichen.

Lumix S9

Die Lumix S9 bietet die seltene Möglichkeit, ein Panoramaformat schon bei der Aufnahme im Display oder im Sucher zu beurteilen. Im JPG-Modus kann man das Seitenverhältnis 65 zu 24 auswählen. Damit wird einem ein Panoramaformat angeboten, das (siehe oben) auch die analogen Kameras Hasselblad Xpan, Fujifilm TX-1, Noblex, Widelux und Horizon nutzen. Das JPG ist dann auf das Panoramaformat beschnitten. Wer gleichzeitig RAW-Daten speichert, der kann auf das volle Format zugreifen und später noch eigene Ausschnitte festlegen. (Lumix S9 gebraucht für rund 800 Euro)

Panorama-Simulation auf dem iPhone für das Format 24x65. Panorama-Simulation auf dem iPhone für das Format 24×65.

Eine andere Möglichkeit ist noch einfach und preiswerter. Die iPhone App XP4N ist kostenlos und bietet genau diesen Ausschnitt ablenkungsfrei von anderen Elementen auf dem Handybildschirm. Man kann die Weitwinkeleinstellung des iPhones wählen und einige Bildfilter. Um Aufnahmen später optimal nutzen zu können, erstelle ich Panoramaufnahmen aber – trotzt dieser ‚Versuchsbilder‘ – mit einer APS-C- oder Vollformatkamera.

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