Fotografieren bei schlechtem Wetter

12. Mai 2021 | Photos

Fotografieren bei schlechtem Wetter hilft beim Entdecken neuer Sehweisen.

Fotografieren bei schlechtem Wetter hilft beim Entdecken neuer Sehweisen.

Fotografieren bei schlechtem Wetter – das bedeutet für jeden etwas anderes. Denn was ist schon schlechtes Wetter? Ganz einfach betrachtet ist es Regen, vielleicht gehören auch schon dunkle Wolken dazu, schlechte Sicht, Nebel oder Dunst. Oder einfach nicht die Lichtsituation, die ich erwartet habe? Tatsache ist aber auch, dass jede zunächst unerwartete Situation, jede Wetterlage, die nicht in mein Konzept passt, einige Überraschungen birgt – und neue Möglichkeiten.

Bei trübem Wetter, Regen, Dunkelheit ist jedes Licht willkommen.

Bei trübem Wetter, Regen, Dunkelheit ist jedes Licht willkommen.

Klar sind diese Tipps für Fotografieren bei schlechtem Wetter mit Vorsicht zu genießen. Wer den Auftrag hat, ein bestimmtes Bild nach Hause zu bringen (bzw. bei seinem Auftraggeber abzuliefern), dem wird hier kaum mit einem guten Bild bei schlechtem Wetter geholfen. Aber tagtäglich sind unzählige Menschen unterwegs auf der Suche nach dem passenden Foto für ihren Social Media Account, zur Illustrierung eines Artikels oder Blogposts, oder für ihr Album mit Urlaubsfotos. Angesichts der ersten Wolke die Flinte ins Korn zu werfen ist nicht nur frustrierend, sondern unnötig.

Ungewöhnliche Ansichten und Aufnahmen auch bei schlechtem Wetter sind in fast allen Fällen besser, als mit leeren Händen heim zu kommen. Ganz abgesehen davon sind gerade digitale Fotos heute auf dem Weg, unser Gedächtnis zu erweitern: Was wir nicht festgehalten haben, verblasst schnell in unserer Erinnerung. Vielleicht wird aber später gerade ein gutes Schlechtwetter-Bild das Highlight unter den sonnigen Standard-Ansichten.

Mit einem schönen Vordergrund gelingen auch weitwinklige Landschaftsbilder, für die das Wetter eigentlich zu trübe ist.

Mit einem schönen Vordergrund gelingen auch weitwinklige Landschaftsbilder, für die das Wetter eigentlich zu trübe ist.

Vom Großen zum Kleinen

Aufnahmen bei strahlendem Sonnenschein sind relativ einfach. Viel blauer Himmel, viel Landschaft und Umgebung, dass kann nie schaden. Wenn fast alles grau oder auch nass ist, sollten wir den Blick auf das Schöne richten. Natürlich gibt es auch Landschaften, die erst bei trübem Wetter gut zur Geltung kommen. Regennasse Straßen in England, dramatische norwegische Landschaft, die in Wolken versinkt, das kann auch auf andere grandios wirken. Und nicht nur in den eigenen Erinnerungen.

Auf der sicheren Seite ist man beim Fotografieren bei schlechtem Wetter dagegen, wenn man den Blickwinkel verengt, sich einzelne Elemente herausgreift. Dann ist das Fotomotiv eben nicht Landschaft mit einem alten schönen Haus, sondern Haus mit Landschaft. In der Regel hilft bei der Suche nach dem richtigen Ausschnitt viel Fuß-Arbeit und Bewegung. Oder ein lichtstarkes Tele-Objektiv, mit dem man sich leichter auf Details konzentrieren kann.

Und wenn wir nicht auf das lichtstarke Tele-Zoom (auch die Anfangsöffnung Blende 4 würde ich noch als lichtstark bezeichnen) zurückgreifen können, dann hilft jedes andere Teleobjektiv weiter, solange wir ein Stativ benutzen.

Je trister die Gesamtansicht, desto verlockender wirken Details - auch und gerade bei Regen.

Je trister die Gesamtansicht, desto verlockender wirken Details – auch und gerade bei Regen.

Details hervorheben

Wer schon Produkt- oder Porträtfotos bei strahlender Sonne machten wollte, der kennt das Problem von zu viel Licht: viel Schatten. Harsche Schatten lassen ganz Bildbereiche „absaufen” in Dunkelheit. Oft hilft da auch die spätere Bildbearbeitung nicht mehr viel weiter.

Auf der anderen Seite ist diffuses Licht immer dann ideal, wenn wir feine Details herausstellen wollen. Also sollten wir uns beim Fotografieren bei schlechtem Wetter auf Ansichten fotografieren, die von diesen Lichtverhältnissen profitieren. Umso besser ist es, wenn wir diesen Licht-Effekt kombinieren können mit den Eigenschaften und Abbildungsleistungen einer lichtstarken Festbrennweite. Das muss jetzt kein spezielles und teueres Objektiv sein. Das klassische Normalobjektiv, im Kleinbild- oder Vollformatbereich zum Beispiel ein 50mm F1.8 sorgt bei weit geöffneter Blende für einen Freistellungseffekt, der Details noch besser zur Geltung bringt.

Wer nicht auf ein solches Objektiv zurückgreifen kann, der kann sich auch bei der Verwendung eines Standard-Zoom-Objektivs behelfen. Auch hier gibt es ja den “Normalbereich”, entsprechend etwa der 50mm-Brennweite. Und wenn unser Objekt nah genug ist, werden umgebung und Hintergrund automatisch auch eher unscharf.

Die andere Alternative beim Fotografieren bei schlechtem Wetter ist es, den Zoombereich zu nutzen. Zwar weisen die einfacheren Zoom keine besonders langen Brennweiten auf und außerdem ist die Lichtstärke hier gerade im Telebereich ziemlich schwach (Blende 5.6 bis 7.1). Aber wenn wir nahe genug ans Objektv herangehen, haben wir ebenfalls diesen attraktiven Unschärfebereich. Die mangelnde Lichtstärke des Objektivs können wir ausgleichen mit höheren ISO-Werten oder acuh mit der Verwendung eines Stativs, das lange Belichtungszeiten erlaubt.

Wenn der Himmel kein Licht schickt, dann vielleicht Autofahrer?

Wenn der Himmel kein Licht schickt, dann vielleicht Autofahrer?

Licht hinzufügen, wo sonst keines ist

Eine weitere Möglichkeit, ein Bild beim Fotografieren bei schlechtem Wetter zu einem Highlight zu machen ist eben das: Ein Glanzlicht, das man vielleicht auch selbst setzen kann. In düsterer Umgebung wirken auch kleine Lichtquellen manchmal wahren Wunder. Das kann ein Bremslicht an einem Auto sein oder ein beleuchtetes Fenster.

Schwieriger wird es, wenn wir von eigener Hand zusätzliches Licht ins Bild bringen wollen. Blitzgeräte helfen hier meist nur dann wirklich weiter, wenn wir sie losgelöst von der Kamera benutzen. Dann fällt Licht von einem anderen Winkel ein, wir können es indirekt nutzen oder als Spot. Vonnöten ist hier aber ein Funkauslöser für ein oder mehrere Blitzgeräte. Und natürlich die Blitzgeräte selbst.

Auch hier ist es wieder praktisch – wie immer bei schlechten Lichtverhältnissen – wenn wir auf ein Stativ zurückgreifen können. Ich bin kein großer Fan von Motiven, die mit “Lichtmalerei” verziert sind. Aber mit etwas Übung und Fingerspitzengefühl kann man bei sehr langen Belichtungszeiten mit einer kleinen LED-Taschenlampe einzelne Bereiche behutsam aufhellen oder Lichtreflexe setzen.

Wer hier ganz ohne teure Gerätschaften Erfahrungen sammeln will, der setzt sein Smartphone auf ein Stativ und besorgt sich eine App wie Slow Shutter oder die Pro Camera by Moment App. Damit sind auch 30 bis 60 Sekunden mit iPhone kein Problem (siehe auch den Artikel über Langzeitbelichtungen mit dem iPhone).

Dunst und Regen fallen eigentlich für Fotografen nicht wirklich unter schlechtes Wetter, denn sie bringen oft reizvolle Ausblicke.

Dunst und Regen fallen eigentlich für Fotografen nicht wirklich unter schlechtes Wetter, denn sie bringen oft reizvolle Ausblicke.

Kleine Helfer

Abgesehen von der Ausstattung mit Kamera, Smartphone und dem richtigen Fotozubehör, das oben teilweise erwähnt ist, gibt es einige kleine aber sehr nützliche Helfer.

  • Regenhülle für die Kamera. Ja, man kommt sich damit etwas vor wie der Urlauber im Friesennerz an der Nordsee. Die Plastikhülle hat so gar keinen Fotoprofi-Charme. Aber wer Kamera und Objektive dem Regen aussetzt ist froh um diese Art von “Versicherung”.
  • Fernauslöser. Nicht nur wenn Kamera oder Smartphone in einer Regenhülle stecken, kann Auslösen schwierig werden. Manchmal sind schon die längeren Belichtungszeiten auch auf dem Stativ ein Verwacklungsrisiko. Bluetooth-Auslöser für Smartphone oder Kamera sind preiswert und hilfreich.
  • Graufilter (ND-Fader). Klingt paradox, weil die Filter ja noch weniger Licht durchlassen, als eh schon da ist. Sie sind aber praktisch für Langzeitbelichtungen und / oder wenn man mit offener Blende arbeiten möchte.
Beliebter Schlechtwetter-Trick: Bei Dunst werden Sonnenuntergänge viel farbgewaltiger.

Beliebter Schlechtwetter-Trick: Bei Dunst werden Sonnenuntergänge viel farbgewaltiger.

Mein Fazit

Klar hat man keine Schlechtwetter-Bilder vor Augen, wenn man mit der Kamera losziehen möchte. Und die äußeren Bedingungen wirken einefach nicht verlockend um raus zu gehen. Aber die Erfahrung zeigt: In den meisten Fällen lohnt es, sich zu überwinden. Schon alleine, weil auch Erinnerungen an die trüberen Tage im Nachhinein wertvoll sind.

Aber auch und vor allem, weil es ein gutes Foto-Training ist, wenn einen die Postkarten-Mtoive nicht förmlich anspringen. Sondern wenn man Blickwinkel und Abstände und Motive erst einmal entdecken, sich erarbeiten muss.

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