Analoge Fotografie: Was bringt das Fotografieren mit Film?

Analoge Fotografie: Die Rückkehr zum Film bringt nicht nur Nachteile.

Analoge Fotografie: Die Rückkehr zum Film bringt nicht nur Nachteile.

Analoge Fotografie hat noch immer ihre Anhänger – und wie ich finde, vollkommen zurecht. Natürlich möchte ich die Digitalfotografie nicht mehr missen. Und ich möchte nicht zurück auf den Stand von vor 20 Jahren. Aber wer eine alte Kamera für Kleinbildfilm oder Rollfilm in die Hand nimmt, der nähert sich dem Thema Fotografie auf ganz neue Weise. Du kannst viele neue Entdeckungen machen – und das meiste erfolgreich aufs digitale Fotografieren übertragen.

Der einst so populäre Kleinbildfilm wurde schon oft totgesagt. Trotzdem bekommt man ihn heute noch in jedem Drogeriemarkt und die analoge Fotografie ist noch ziemlich lebendig. Ungezählte Videos widmen auch heute noch sich den Aufnahmen mit Film. Worin soll der Vorteile dieser Retro-Technik liegen? Nebenbei bemerkt: Analoge Objektive an modernen Digitalkameras sind ein guter Einstieg in das Thema.

Alte Technik ist heute auch in Profi-Qualität durchaus erschwinglich - und oft noch bestens in Schuss.

Alte Technik ist heute auch in Profi-Qualität durchaus erschwinglich – und oft noch bestens in Schuss.

Das System Fotografie begreifen

Verschlusszeit, Blende und Filmempfindlichkeit (ISO) regeln die Belichtung. Das Prinzip war lange fast jedem Fotografen geläufig. Und eine Missachtung rächte sich sofort. Heute machen Automatikfunktionen an modernen Kameras irgendwie fast alles richtig, zumindest so, dass immer ein akzeptables Bild dabei herauskommt. Und weil man digital fast unbegrenzt viele Aufnahmen machen kann, wird schon eine dabei sein, die mir gefällt.

Aber spätestens wenn die Frage kommt, warum der Hintergrund nicht so schön unscharf ist, wie bei den Profis, lohnt eine Auseinandersteung mit dem Thema analoge Fotografie. Was bedeutet eine offene Blende, was ist Bokeh und warum brauche ich geringe ISO-Werte, wenn doch Körnigkeit beim Film in der Digitalfotografie kein Thema mehr ist?

Gestalten statt Ausprobieren

Auch die Motivwahl ist ungewohnt, sobald Dir bewusst wird, dass Du nur 36 Aufnahmen mit diesem einem Film hast. Und ob die etwas geworden sind, wirst Du erst in einigen Tagen feststellen können. Statt Draufhalten empfiehlt sich in der Analogen Fotografie das Gestalten der Aufnahmen schon am Sucher. Diese Vorauswahl macht das Fotografieren zu einer überlegteren Sache.

Du musst nicht den Goldenen Schnitt kennen oder Grundregeln der Bildkomposition. Aber nur, wenn es im Sucher schon gut aussieht, kann es später als Abzug gut wirken. Also statt immer wieder auslösen mehr ausprobieren. Und sich dann bewusst für eine Perspektive und Bildaufteilung entscheiden.

Hingucker im Wohnzimmer statt digitales Datengrab: Analoge Fotografie ist eine gute Alternative.

Hingucker im Wohnzimmer statt digitales Datengrab: Analoge Fotografie ist eine gute Alternative.

Mit Größe kalkulieren

Dass Bilder oft als Massenware verkannt werden, liegt nicht nur an der Zahl der Bilder, sondern auch an den Maßen. Am Smartphone-Bildschirm durch hunderte Bilder zu scrollen wenig Effekt für uns. Viele alle Bilder sehen gleich aus. Und was vorher eine Erleichterung war, einfach ein paar Bilder mehr zu schießen, erweist sich jetzt als Boomerang. Die Entscheidung für die richtige Bildgestaltung ist nur aufgeschoben worden.

Außerdem fotografiere ich mit einer Filmkamera nicht für ein beliebig großes digitales Album. Ich will ‚das‘ Bild von diesem Motiv. Und das Ziel ist erreicht, wenn ich  einen Abzug in der Größe 40 x 60 cm an der Wand sehe – möglichst gerahmt und mit Passepartout.

Natürlich ist analoge Fotografie aufwändig und es ist vergleichsweise teuer, von guten Fotos gute Abzüge machen zu lassen. Und sie ggf. auch zu rahmen und passend zu präsentieren.. Aber wieviele fotografische Erinnerungen schlummern für immer in digitalen Speichern, ohne dass sie jemals wieder belebt werden?

Mühselig ist das Beurteilen von Negativen, wenn man keine Übung hat. Scans und das Übertragen auf den Computer sind eine wichtige Brücke zur digitalen Bildbearbeitung.

Mühselig ist das Beurteilen von Negativen, wenn man keine Übung hat. Scans und das Übertragen auf den Computer sind eine wichtige Brücke zur digitalen Bildbearbeitung.

Der Auswahlprozess

Genauso wie beim Fotografieren bestimmt auch bei der Nachbearbeitung die Auswahl das Ergebnis. Dass wir heute alle digitalen Bilder aufheben können, hat uns nur vermeintlich von dieser Auswahl befreit. Warum soll ich die drei besten Aufnahmen meiner Reise in einem mühsamen Prozess auswählen? Ich zeige jedem einfach alle 300 Bilder.

Aber nur die Auswahl bestimmt, wie wir beim nächsten Mal etwas fotografieren. Ob wir etwas dazu lernen, uns weiter entwickeln. Ob wir besser sehen und gestalten.

Nachteile in Kauf nehmen

Damit ich hier nicht durch Schwärmerei ein falsches Bild vermittle: Es gibt noch immer viele Nachteile der analogen Fotografie (mehr als früher).

  • Filme sind teuer, gute Filme sind noch teurer.
  • Jeder Film ist anders, hat andere Chrakteristika. Um sich auf drei Filme festzulegen, muss man ungleich mehr Filme und Hersteller ausprobiert (oder recherchiert) haben.
  • Du hast den Prozess nicht alleine in der Hand. Anders als bei digitaler Fotografie und Nachbearbeitung in Photoshop und Lightroom steuern andere viele Feinheiten. Deswegen ist der Weg vom Negativ zu einem guten Scan so wichtig. Hier können wir wieder ins Geschehen eingreifen.
  • Auflösung ist auch beim Film nicht endlos. Unsere Sensoren in digitalen Kameras haben nur begrenzte Auflösung. Aber das Kleinbildformat eines Negativfilms müsste doch mindestens so gut sein, wie eine Vollformatkamera. Aber in der Praxis sind die Unterschiede nicht so riesig. Ja, Filmkörnigkeit ist noch immer eine Thema. Und viele Filmfotografen kommen irgendwann zu dem Schluss: Schärfe alleine ist nicht alles.
  • Ich bekomme in der Filmfotografie nicht die neueste Technik. Die meisten Kameras dafür sind schon vor Jahren produziert worden. Aber angesichts der Tatsache, dass wir manuell und gestalterisch arbeiten ist die neueste Technik auch nicht unbedingt notwendig.
Filmentwicklung gibt es noch - preiswert von Großlabors und anspruchsvoll von kleineren Unternehmen.

Filmentwicklung gibt es noch – preiswert von Großlabors und anspruchsvoll von kleineren Unternehmen.

Alt – aber noch immer ausbaufähig

Wer beim analogen Fotografieren auf den Geschmack gekommen ist, der entdeckt ziemlich viele Möglichkeiten, die er zuerst nicht mit der alten Technik in Verbindung gebracht hätte.

Filmlabors bieten neben der Entwicklung meist auch hochwertige Scans an. Außerdem gibt es für relativ wenig Geld Scanner mit einer Durchlichteinheit und der Möglichkeit, Filme selbst zu scannen. Damit kann man auf die Dauer viel Geld sparen. Und sobald die Daten in meinem Computer sind, kann ich mit Lightroom und Photoshop leichter Bilder auswählen, sortieren und bearbeiten. Natürlich kann man seine Daten auch online bei jedem Bilderdienst vergrößern lassen.

Wenn ich nach einer anderen Kamera oder einem weiteren Objektiv suche, dann sind die finanziellen Hürden viel geringer. Der Gebrauchtmarkt bietet zwar nicht mehr die supergünstigen Preise, wie man sie zu Beginn der Digitalisierung vorgefunden hat. Aber im Vergleich sind viele Teile hier viel erschwinglicher.

Neue Sichtweisen wie mit einer Panroamakamera schärfen das Gefühl für Bildkompositionen.

Neue Sichtweisen wie mit einer Panroamakamera schärfen das Gefühl für Bildkompositionen.

Mein Fazit

Bei aller Begeisterung würde ich heute niemandem ernsthaft raten, gleich auf Anhieb viel Geld für analoge Kameras und Objektiv auszugeben. Oder gar, seine digitale Ausrüstung abzuschaffen.

Aber das muss ja auch niemand. Gute Technik ist gebraucht noch immer günstig zu haben, in seltenen Fällen auch neu. Und der Preisverfall ist für mich auch nicht riesig, wenn ich nach einem Jahr meine analoge Ausrüstung wieder verkaufe.

Das Erlebnis Fotografieren und das Gestalten sind ganz anders als beim digitalen Fotografieren. Wer kein Geld dafür ausgeben will, der findet vielleicht in der Familie noch ‚alte Technik‘, die sich für solche Erfahrungen nutzen lässt. Nach meiner Erfahrung kehrt heute kaum jemand für immer zu analoger Technik zurück. Andererseits verkauft oder verschenkt auch kaum jemand, was er sich für Film-Fotografie entweder angeschafft hat oder noch von früher besitzt.

Für mich ist diese Technik ein bißchen wie ein Meilenstein, zu dem man auch nach dem wiederholten Kauf iPhones oder Digitalkameras gerne wieder zurückkehrt.

 

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