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Bill Bryson: „Mein Amerika“

Bill Bryson: Mein AmerikaMan soll ja nicht neidisch sein, heißt es immer. Von wegen Neidgesellschaft etc. Aber gerade lese ich das neue Buch von Bill Bryson Mein Amerika . Und ich ertappe mich immer öfter bei dem Gedanken: So wollte ich auch schreiben können.

Ich glaube, ich habe bislang alle auf deutsch erschienen Bücher von Bryson gelesen. Oft genug habe ich mich schlapp gelacht. Aber fast immer hatte ich auch das Gefühl, ich lese etwas Substanzielles, ich weiß nach der Lektüre mehr als vorher – also nicht nur Komik alleine des Witzes halber. Und nie wurde mir ein Buch langweilig, habe ich abgekürzt oder gar abgebrochen.

Dabei sind die Themen auf den ersten Blick nicht gerade Favoriten in meinem Themenspektrum. Dieses hier handelt von der Kinderheit Bill Brysons in Amerika. Seinen Erlebnissen, seiner Phantasie, von Werbung in den 50ern in den USA, vom Lebensstil und Poitik. Und jede Zeile ist lesenswert.

Skeptischer Mensch der ich bin habe ich mir sogar schon überlegt, ob wegen der Feinheiten der deutschen Sprache und des Wortwitzes vielleicht eher der Übersetzer für den Erfolg der Brysonbücher verantwortlich ist. Ein Blick auf den Verkaufsrang seiner Bücher in anderen Ländern zeigt gleich, wie absurd dieser Gedanke ist.

Immerhin erfahren treue Leser in diesem Buch, dass Brysons Talent wohl nicht vom Himmel gefallen ist. Seine Eltern waren erfolgreiche (und gute) Journalisten, auch andere Familienmitglieder haben diesen Weg eingeschlagen. Natürlich weiß man nie genau, was Dokumentation ist und was Fiktion, aber zumindest heftigste Übertreibungen erkennt man leicht.

Wie auch in seinen anderen Büchern überrascht Bryson mit distanziertem Blick auf einst Selbstverständliches. Zum Beispiel in der Werbung oder in Filmen aus der Frühzeit des Fernsehens, aber auch
bei der fast ungebremsten Begeisterung für die Neuerungen der Atomenergie.

Und wer meint, mit den amerikanischen Kindheitserinnerungen nichts anfangen zu können sei versichert: Er wird so viele Parallelen zu seinen eigenen Erinnerungen entdecken, dass alleine dies schon das Lesen lohnt.

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Joachim Ott

Journalist & Fotograf

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