Lange Videos: die wichtigsten Tipps

Lange Videos haben ein paar Eigenheiten, auf die man sich möglichst frühzeitig einstellen sollte.

Lange Videos haben ein paar Eigenheiten, auf die man sich möglichst frühzeitig einstellen sollte.

Lange Videos (ab 30 Minuten) haben gerade Hochkonjunktur. In Zeiten von Corona versuchen sich immer mehr an Tutorials und Anleitungen im Internet. Und die beste und am besten angenommene Form dafür ist immer noch ein Video. Doch was man sich an Studio-Videos der größeren Youtube-Kanäle abgeguckt hat, lässt sich zuhause, im Büro oder in der Praxis oft nicht so leicht umsetzen. Mit diesen Tipps ersparst Du Dir und Deinen Zuschauern ein paar Enttäuschungen.

Lange Videos sind gerade für Tutorials meist unverzichtbar. Das Bemühen, Youtube-Filme in mundgerechte Stücke von maximal zehn Minuten zu schneiden ist in diesem speziellen Fall nicht hilfreich. Die Aufteilung in mehrere kurze Videos unterbricht längere Ausführungen vielleicht an den falschen Stellen. Oder die Fortsetzung des Videos zu einem späteren Zeitpunkt lässt die Zuschauer den Anschluss verpassen. Es kann auch sein, dass Du selbst den Überblick verlierst (wenn Du nicht mit einem Script arbeitest) und dann in Deinem ‚Mehrteiler‘ Dinge doppelt anführst oder etwas vergisst. Das Gefühl für einen guten ‚Erzählfluss‘ wird meines Erachtens auch besser, wenn man an einem Stück produzierst (was nicht bedeutet, dass Du alles in einem Rutsch filmst, ohne abzusetzen).

An der Stelle vielleicht ein Hinweis, weil in meinem Youtube-Kanal als Journalist und Fotograf offiziell keine langen Videos zu finden sind. Seit Beginn der Corona-Krise habe ich für meine Frau etwa zehn solche langen Videos aufgenommen. Sie bietet in ihrer Physioptherapie-Praxis in Teningen einige Kurse an, die natürlich nicht mehr stattfinden konnten. Die langen Videos sind nicht-öffentlich, weil sie sich nur an bisherige Kurs-Teilnehmer richten.

Tutorials oder Anleitungen, Do-it-yourself-Videos und Gymnastik sind Einsatzbereiche, bei denen man gerne über eine Dauer von 30 Minuten kommt.

Tutorials oder Anleitungen, Do-it-yourself-Videos und Gymnastik sind Einsatzbereiche, bei denen man gerne über eine Dauer von 30 Minuten kommt.

Aufnahmequalität: so gut wie möglich

Angesichts der Dauer von in meinem Beispiel rund 30 Minuten für ein langes Video ist man vielleicht geneigt, die Qualität etwas herunter zu schrauben. Denn es kommen da ja doch eine Menge Daten zusammen. An Rohmaterial aus zwei bis drei Kameras sind das bei mir 24 bis 50 GB, gemischt in HD- und 4K-Qualität. Die Mediathek in Final Cut Pro X bringt es schon mal auf mehr als 200 GB. Und das fertige 30-Minuten-Video zum Upload dann in HD-Qualität liegt meistens noch bei 8 bis 10 GB.

Mehrere Akkus oder eine externe Stromversorgung sind für längere Aufnahmen hilfreich.

Mehrere Akkus oder eine externe Stromversorgung sind für längere Aufnahmen hilfreich.

Von vorneherein an der Datenmenge zu sparen halte ich für falsch, selbst wenn das Ziel nachher „nur“ ein langes Video in HD-Qualität ist. Wichtig sind also zunächst gute und schnelle Speicherkarten, die vor jedem Aufnahmetermin möglichst komplett gelöscht werden. Und ausreichend geladene Akkus oder eine externe Stromversorgung (zum Beispiel dieser Stromadapter für rund 30 €, den ich aber im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten Artikeln nicht besitze und getestet habe).

Von Ausnahmen abgesehen sollte man  jede Kamera nur mit Stativ verwenden. Bei wenig Bewegung vor der Kamera oder für die zweite Kamera (und sei es nur das Smartphone) genügen auch kleinere Stative ohne Videokopf. Wer ein Gimbal mit Smartphone einsetzen kann (vorzugsweise als Zweit-Kamera), der macht sicher auch nichts verkehrt und bringt mehr Dynaimik ins Video. Ich rate davon ab, 30 Minuten aus der Hand aufzunehmen. Das ist meistens schon eine ziemliche Herausforderung für die Zuschauer.

Mehrere Blickwinkel

Einige Dinge kann man frontal von vorne aufnehmen, über die ganze Dauer des langen Videos hinweg (zum Beispiel einen Gymnastik-Kurs, weil da sowieso Bewegung drin ist). Bei anderen ist es sinnvoll, optisch etwas Abwechslung reinzubringen.

Ich nutze für die Gymnastik-Videos mehrere Kameras, von denen eine (Lumix g81) als Basis alles in 4K aufnimmt. Eine zweite wird ggf. in einem anderen Blickwinkel eingesetzt, eine dritte ggf. für Schnipsel. Als Basis 4K-Aufnahmen für die ganze Dauer zu haben halte ich deswegen für sinnvoll, weil man damit die Perspektive bzw. den Ausschnitt durch hineinzoomen verändern kann. Dann hat man auch optisch Bewegung drin, wenn man nur eine Kamera zur Verfügung hat.

Reserve-Ton: Ein externer Audio-Rekorder sichert guten Ton.

Reserve-Ton: Ein externer Audio-Rekorder sichert guten Ton.

Beste Tonqualität

Für genauso wichtig halte ich bei einem Video die Tonqualität. Auf meiner Hauptkamera sitzt ein Videomikrofon. Das Ganze ist etwa drei Meter entfernt. Damit ist die Tonqualität gut. Dennoch läuft außerhalb des Kamera-Blickwinkels ein Recorder (Tascam DR 05) mit, der recht nahe an der Hauptperson platziert ist.

Eigentlich ist mein Favorit ein am Körper (unter der Kleidung) angebrachtes Lavalier-Mikrofon. Das ist bei Gymnastik aber nicht ideal. Auf jeden Fall sollte man so nahe wie möglich an die Tonquelle kommen. Weniger elegant aber sehr brauchbar ist zum Beispiel auch ein Mikrofon-Stativ als Galgen, wenn damit das Mikro außerhalb des Bildes liegt.

Teleprompter für iPads erleichtern das Ablesen.

Teleprompter für iPads erleichtern das Ablesen.

Besser mit Script

Übliche Youtube-Praxis ist ja, einfach mal loszureden. Die geübteren Sprecher schneiden dann später ein paar Sachen raus und bieten immer noch gute und ansprechende Infos. Andere bekennen sich ganz offen zu ‚Laber-Videos‘ und sprechen so lange, bis sie denken, jetzt ist es gut. Da bleiben dann auch mal Sprech- und Denkpausen drin. Für den Zuschauer ist das nicht ganz so pricklend.

Die ideale Lösung ist der Einsatz eines Teleprompters, auch wenn das vielen auf den ersten Blick übertrieben scheint. Aber das souveräne Sprechen ohne Fehler, Aussetzer und Wiederholungen macht solche Darstellungen einfach besser.  Wenn das nicht in Frage kommt, rate ich dennoch dazu ein Script zu schreiben.

Das unauffällige und durchgehende Ablesen des Textes kommt ohne Teleprompter zwar nicht in Frage. Ich kopiere mir den Text in einem solchen Fall in die Notizen App aufs iPhone. Das mehrmalige Absetzen und die kurze Pausen lassen sich in der Nachbearbeitung relativ leicht entfernen. Dafür ist der Text dann in sich schlüssig und in der Regel wesentlich kompakter als bei einer völligen Improvisation.

Extra Festplatten für Projekte mit längeren Videos lohnen sich.

Extra Festplatten für Projekte mit längeren Videos lohnen sich.

Nachbearbeitung

Der Schnitt oder die Nachbearbeitung ist wahrscheinlich das, wovon es vielen am meisten graut. Vor allem die Datenmengen sind dabei hinderlich. Ich kann nur für mein Schnittprogramm FCPX sprechen, bei anderen ist das sicher ähnlich. Ich wähle beim Import, dass Daten am Speicherort belassen werden, und dass optimierte Medien und Proxy-Medien erstellt werden. Das dauert ziemlich, also macht man das am besten vor einer längere Pause oder lässt seinen Rechner im Hintergrund weiter daran arbeiten.

Dafür erfolgt die Bearbeitung nachher völlig ruckelfrei, auch bei Multicam-Aufnahmen und zusätzlichen Tonspuren. In der Ansicht muss man dazu allerdings auf Proxy umschalten. Mehr Zeit braucht man dann erst wieder bei der Verarbeitung des fertigen Videos in Compressor und beim Hochladen auf Youtube.

Angesichts der Datenmengen empfiehlt es sich, das Volumen auf seinen Festplatten später zu reduzieren. Mit einer App wie dem Final Cut Library Manager lassen sich aus umfangreichen Mediatheken später optimierte Medien entfernen. Das ist nicht weiter schädlich, weil diese ja jederzeit neu generiert werden können, wenn man doch nochmal damit arbeiten will. Und manche meiner Mediatheken dieser halbstündigen Gymnastik-Videos schrumpfte damit von mehreren hundert GB auf 10 GB zusammen. Neben dem Rohmaterial hebe ich dann nur noch die kompakte Rest-Mediathek und das fertige Video auf. Das sind zusammen rund 50 GB, das finde ich überschaubar.

Zusätzlich oder auch alternativ kann man sich für einzelne Projekte genügend Speichervolumen anschaffen. Ich benutze in anderen Projekten die kleinen mobilen WD-Festplatten. Für eine ganze Reihe von längeren Videos ist man sicher mit der 5-TB-Version der WD MyPassport für 130 € gut bedient. Für Einzelprojekte eignen sich die Versionen mit 1 TB ganz gut (rund 60 €).

 

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