Canon EOS M: Aus der kleinen Kamera eine große machen

Aus der Canon EOS M kann man für Foto und Video ziemlich viel rausholen.

Aus der Canon EOS M kann man für Foto und Video ziemlich viel rausholen.

Die Reihe der Canon EOS M Kameras erlebt so etwas wie eine Hassliebe unter den Fotografen. Zumindest diejenigen, die schon vorher mit Canon Modellen fotografiert haben, finden das Konzept der kompakten APS-C-Kameras gut. Andererseits ärgern sich viele über fehlende Features und eine vergleichsweise kleine Zubehörpalette der Canon EOS M Kameras. Das schränkt auch den Einsatzbereich der kleinen und doch ziemlich preiswerten Kameras ein. Hier meine Tipps, wie Du aus der kleinen Canon EOS M Kamera (bei mir ist es aktuell eine Canon EOS M6), die ich wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses auch für 2020 empfehlen kann) eine ‚große‘ machen kannst. (Anmerkung: Ich berichte von meine Erfahrungen, werden von niemandem bezahlt oder bekomme Sachen ‚zur Verfügung gestellt‘. Ich habe alle meine Ausrüstungsteile selbst gekauft.)

Die Canon EOS M6 hat in meinen Augen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Canon EOS M6 hat in meinen Augen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Canon EOS M: Konzept mit vielen Stärken …

Die kleinen Canon EOS M Kameras haben viele Vorteile, sonst würden sie auch nicht so viele Anhänger finden. Da sind zum einen die Dinge, die man anderen Canon Modellen kennt. Zum Beispiel die Farben stimmen fast immer auf Anhieb. Jede Kamera hat eine eigene Charakteristik. Den meisten – und auch mir – gefällt das Farbprofil und speziell die Hauttöne, so wie sie ohne Nachbearbeitung auf den Bildern zu sehen sind.

Die Handhabung ist – soweit das bei diesem Stand der Technik noch geht – ziemlich intuitiv. Und die Menüführung ist so, dass man nach kurzer Eingewöhnung  – zum Beispiel auch bei anderen Canon-Modellen – schnell damit zurecht kommt. Generell stimmt die Qualität der Technik, Gehäuse und Objektive fühlen sich gut und zuverlässig an, wie das bei fast allen großen Herstellern der Fall ist. Und die Ausstattung zum Beispiel mit Mikrofonanschlüssen ist ebenfalls gut.

Die Mankos der Canon EOS M Kameras seien auch gleich genannt. Canon behielt 4K-Videoaufnahmen lange Zeit den teuren Modellen vor. Dabei ist diese Technik schon längst massentauglich. Bei der EOS M6 II und der EOS M50 machte man 4K mit Einschränkungen beim Autofokus verfügbar – mit einem Cropfaktor, der den ’normalen‘ Cropfaktor am APS-C Sensor für Fotos noch einmal überstieg. Beispiel: Wer mit der M50 in 4K filmen will, der kommt schon mit dem 11-22 mm Objektiv auf einen Brennweitenbereich von 31 bis 62 mm.

Bei den Objektiven hat man für die Canon EOS M Modelle – wie jetzt auch bei der R-Reihe – neue Anschlüsse eingeführt und bietet dafür preiswerte Adapter an. Wer Spiegelreflexkameras hatte, der konnte zumindest Vollformat-Objektive (zB Canon 5D) auch an den APS-C-Modellen (D80, D77 etc.) nutzen. Die Adapter lösen das Objektivprogramm nur unzureichend, finde ich.

Canon EOS M50: Moderne 4K - mit einigen Einschränkungen

Canon EOS M50: Moderne 4K-Auflösung – mit einigen Einschränkungen

Die Canon EOS M6 Mark II - mit rund 1000 € alleine für das gehäuse eine nicht ganz preiswerte Lösung.

Die Canon EOS M6 Mark II – mit rund 1000 € alleine für das gehäuse eine nicht ganz preiswerte Lösung.

Andere Hersteller haben diese Lücke, wie auch bei anderem Zubehör, nur unzureichend gefüllt. Wahrscheinlich erschienen ihnen Marge und Marktanteil zu gering. Dabei haben die aktuellen Modelle wie die EOS M6 (mit Kit-Objektiv unter 600 €), die EOS M6 Mk  II (Gehäuse alleine derzeit rund 1.000 €) und die EOS M50 (mit Kit-Objektiv rund 600 €) durchaus viel Potential. Auch weil sie teilweise über ein fast identisches Innenleben der größeres Schwester-Modelle im Spiegelreflexbereich verfügen.

Die Schwächen ausgleichen

Die Objektive der EOS M Reihe umfassen heute acht Modelle (in den Anfangszeiten drei), alle ziemlich kompakt und etwas hochpreisig. Aber es gibt gleich einige Wege, die Modellplatte zu erweitern.

Lichtstarke Festbennweiten gibt es nach längerer Wartezeit jetzt von Sigma auch für die EOS M Modelle: Lichtstärke 1.4, 16, 30 und 56 mm.

Lichtstarke Festbennweiten gibt es nach längerer Wartezeit jetzt von Sigma auch für die EOS M Modelle: Lichtstärke 1.4, 16, 30 und 56 mm.

Objektive von Fremdherstellern mit Funktionen wie AF

Die jüngste und in meinen Augen beste Entwicklung betrifft die hochwertigen Festbrennweiten von Sigma. Die hoch gelobten lichtstarken Linsen für 16 mm 1.4, 30 mm 1.4 und 56 mm 1.4 entsprechen an einem APS-C Sensor der Kleinbild-Brennweite von etwa 26 mm, 48 mm und 90 mm. Und sie füllen damit eine Lücke, die man bislang nur schwer schließen konnte. Denn mit der Verwendung der gebräuchlichsten Brennweiten zwischen 35 und 100 mm erschloss man sich wegen der Brennweiten-Verlängerung stets nur den Bereich zwischen Normal- und Tele-Brennweite. Die Lisen kosten allesamt zwischen 300 und 400 Euro und erweitern das Spektrum deutlich.

Daneben fehlen zwar die großen Fremdhersteller weitgehend. Aber kleinere Firmen wie Samyang, Meike, Rokinon bieten vereinzelte, manchmal auch exotische Lösungen. Wie zum Beispiel ein Fisheye-Zoom von 6 bis 11 mm.

Andere Hilfsmittel für Objektive

Der Viltrox Speed Booster macht die Verwendung von lichtstarken Festbrennweiten attraktiv.

Der Viltrox Speed Booster macht die Verwendung von lichtstarken Festbrennweiten attraktiv.

Ein bißchen schließt diese Lücke bei den lichtstarken kleineren Brennweiten auch ein weiterer Adapter. Der Viltrox EF-EOS M2 funktioniert als sogenannter Speed-Booster, macht Objektive ’schneller‘ Das bedeutet, kann mit dem Faktor von 0,71 für die Brennweite den Cropfaktor von 1,6 fast ausgleichen. Das heißt Brennweite und Lichtstärke der verwendeten Objektive bleibt in diesem Fall ausnahmsweise annähernd gleich. Das macht auch die Anschaffung älterer lichtstarker Festbrennweiten im Weitwinkelbereich sehr attraktiv, die man gebraucht preiswert bekommen kann.

Eine sehr vielpreiswertere Lösung um das Brennweiten-Spektrum zu erweitern sind ältere manuelle Objektive, die man mit einem sehr einfachen Objektivadapter anschließen kann – ohne Übertragung von irgendwelchen Funktionen. Dafür ist man schon für rund 50 € für ein lichtstarkes Normalobjektiv dabei plus 20 € für einen einfachen Adapter.

Aufrüstung zum Handwerkszeug

Fotografieren und Filmen macht aber oft mehr Spass und bietet mehr Möglichkeiten, wenn man noch anderes Zubehör zum Einsatz bringen kann, das spezielle an die Kamera angepasst ist. Bis ein erster Hersteller ein L-Bracket für die EOS M6 auf den Markt brachte, dauerte es gefühlt ewig. Jetzt gibt es preiswertere Teile bei Ebay schon für unter 20 €. Und Hersteller Smallrig hat für mehr als das Doppelte nicht nur ein L-Bracket, sondern auch gleich einen Camera Cage für die EOS M6 im Angebot.

Das Smallrig Cage erlaubt zahlreiche Erweiterungen.

Das Smallrig Cage erlaubt zahlreiche Erweiterungen.

Für Video unentbehrliche: Das Mikrofon, das an der M6 mit dem Klappdisplay hadert.

Für Video unentbehrlich: Das Mikrofon, das an der M6 mit dem Klappdisplay hadert.

Wer braucht noch einen Cage, wenn er ein L-Bracket hat? (zumal beide annähernd gleich viel kosten?) Die L-förmige Schiene erlaubt die schnelle Montage der Kamera auf einem Stativ mit Arca Swiss Schnellkupplung. Und das – wegen der L-Form – im Hoch- und im Querformat. Der Kamera Cage löst ein ganz anderes Problem der EOS M6. Das Klappdisplay kann nur nach oben geschwenkt werden. Wer für Videoaufnahmen ein Mikrofon auf dem Blitzschuh oben auf der Kamera montiert, der kann vor der Kamera nicht mehr das Bild dieses Monitors erkennen.

Der Cage hat dagegen einen zweiten Blitzschuh (Cold Shoe) zur Aufnahme eines Video-Mikrofons an der Seite der Kamera. Damit kommen sich Display und Mikrofon nicht mehr in die Quere. Darüberhinaus bietet ein Cage bekanntermaßen diverses anderes Zubehör anzubringen, vorzuhgsweise zum Filmen. Das reicht von einem größeren Monitor über eine externe Batterie bis hin zu Rails, einer Mattebox oder einem Top-Handgriff.

Bringt Monitor, Mikro und ein Top-Handle an die M6.

Bringt Monitor, Mikro und ein Top-Handle an die M6.

Reizvoll vor allem für Video: Ein kleines kompaktes RIG für die EOS M6 Modelle.

Reizvoll vor allem für Video: Ein kleines kompaktes RIG für die EOS M6 Modelle.

Kommt noch mehr?

Ein paar Dinge wären noch schön. Die Akkus der EOS M6 sind mit fast 80 Euro vergleichsweise teuer (LP E17). Wer gerne drei Akkus für jede seiner Kameras haben möchte, der zahlt rund weitere 160 € alleine für Akkus. Fremdhersteller verlangen nur einen Bruchteil, können aber wegen Canons Chip-Lösung keine Laufzeitanzeige für die Akkuleistung bieten. Der Akku kennt also nur ‚voll‘ oder ‚leer‘ und kann etliche Videoaufnahmen sehr unschön beenden. Außerdem benötigt man für Fremdakkus ein anderes Ladegerät, das aber oft schon im Bundle dabei ist.

Akkus von Fremdherstellern funktionieren mit Einschränkungen an der EOS M6.

Akkus von Fremdherstellern funktionieren mit Einschränkungen an der EOS M6.

Bei allem Verständnis dafür, dass Canon am Akkugeschäft mitverdienen möchte: Akkus sind keine Raketentechnik und 80 € sind in meinen Augen ein Affront gegenüber den Kunden.

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