
Ich gebe es zu: Im Grunde meines Herzens bin ich ein sehr vorsichtiger Mensch. Bei Ebay-Verkäufern achte ich zuerst mal auf die Bewertungen, bei Preisvergleichen kann es sein, ich bestelle erst beim fünft-billigsten Anbieter, weil ich mit dem schon mal gute Erfahrungen gemacht habe. Aber manchmal muss man auch einfach mal was riskieren.
Noch vor meiner kleinen Studioblitz-Anlage habe ich viel mit einfachen Computerblitzgeräten fotografiert. Ältere und neuere Modelle, mit und ohne Stativ, ausgelöst mit Kabel oder den optischen Slave-Auslösern.
Heute wird das wieder interessant für mich, denn dank digitaler Kameras brauche ich die große Blitzanlage samt Blitzbelichtungsmesser nicht mehr unbedingt: Digitalkameras gleichen die Kontraste viel besser aus, anstatt zu messen kann man beliebig viele Probeaufnahmen machen und ohne Netzkabel macht das alles viel mehr Spaß.
Andererseits sind die optischen Auslöser für die Slave-Blitze (ist nicht diskriminierend gemeint, die heißen wirklich so) nicht wirklich zuverlässig. Alternative sind IR-Auslöser, aber die funktionieren nur mit Sichtverbindung, oder Funk-Auslöser – und die sind sehr teuer.
Beim Strobist habe ich vor kurzem einen Hinweis auf die Diskussion der dort angeschlossenen Flickr-Gruppe entdeckt (beide Adressen sind übrigens sehr empfehlenswert), wo ein alternatives Billig-Produkt aus China gelobt wurde. Sicher nicht ganz so zuverlässig, wie die teure Profiware, aber allemal einen Versuch wert.
Also habe ich getan, was ich sonst nie mache: Über die deutsche Ebay-Seite direkt in Hongkong bestellt bei Gadget Infinity. Das unglaubliche Risiko belief sich auf gerade mal 30 Euro für einen Auslöser und zwei Empfänger. Bei 30.000 positiven Beurteilungen schien mir das vertretbar. Noch die Zollgebühren im Geiste eingerechnet – und bestellt.
Die Flash Trigger, so die ursprüngliche Bezeichnung, kam nach rund drei Wochen (das ging auch aus Hongkong schon schneller) und sind seit einigen Wochen schon im Testeinsatz. Sie funktionieren bei mir ziemlich zuverlässig. Wer bei den optischen Auslösern immer mit einem Auge an der Kamera vorbeischielte, ob die Blitze auch wirklich auslösen, der wird sich freuen, wenn er einen Funk-Empfänger auch in einem anderen Zimmer deponieren kann und durch das Fenster sieht, dass das Teil dort immer noch auslöst.
Es gibt im Netz offensichtlich auch eine Anleitung dazu, wie man das Teilchen relativ einfach „aufbohren“ kann, sprich: Die Reichweite unerlaubt erhöhen durch einen kleinen Eingriff. In den Kommentaren wird ein erschütterndes Unrechts-Bewußtsein der Foto-Bastler offenbar: Die Tatsache, dass er für eine 500stel Sekunde gegen entsprechende Bestimmungen verstoße, so schrieb dort einer, ließe ihn dennoch ruhig schlafen.
Aber auch ohne Reichweitenverlängerung ist der Billig-Auslöser zumindest für Nichtprofis eine gute Wahl, finde ich. Und wer schon immer echten Nervenkitzel verspüren wollte, der kann auf diesem Wege auch mal die Handelsbeziehungen mit Hongkong testen.



