Nachtaufnahmen mit Langzeitbelichtungen

Nachtaufnahmen mit Langzeitbelichtungen malen Leuchtspuren ins Bild.

Nachtaufnahmen mit Langzeitbelichtungen malen Leuchtspuren ins Bild.

Über Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen hatte ich hier schon mal geschrieben und gezeigt, wie einfach das mit dem iPhone geht. Und dass die Ergebnisse überraschend gut sind. Die Einschränkungen, so hatte ich damals geschrieben, liegen einzig und allein in dem kleinen Sensor. Der hat beim Smartphone nun einmal bei schlechtem Licht ein gewisses Bildrauschen. Und zwangsläufig aufgrund der Größe des Sensors eine geringere Auflösung.

Aber wer von seiner ersten Foto-Pirsch für Nachtaufnahmen mit guten Ergebnissen nach Hause gekommen ist, der will vielleicht nun doch auch die großen Abzüge haben von seinen guten Bildern. Und schielt deswegen auf Kameras mit größeren Sensoren wie MicroFour Thirds, APS-C oder gar Vollformat.

Das Vorgehen ist auch hier nicht besonders knifflig. Um aber nicht gleich die ersten Stunden in dunkler Nacht komplett zu verschwenden, hier ein paar Tipps.

Was sind Nachtaufnahmen?

Nachtaufnahmen sind zumindest nach meiner Definition alle Aufnahmen, die ich nicht mehr verwacklungsfrei aus der Hand machen kann. Und dabei ist diese Grenze in den vergangenen jahren beständig ausgeweitet worden. Die Sensoren haben einen größeren Dynamikumfang, die Objektive und Kameras habe (manchmal beide) eine Bildstabilisation, die ein paar Blendenstufen ausmachen kann.

Andererseits wird es richtig spannend ja nicht an der Grenze von Freihand- zu Stativ-Aufnahmen (die vielleicht bei maximal einer Sekunde liegen kann). Eindrucksvollere Ergebnisse gibt es in einer Spannweite von etwa 5 bis 30 Sekunden. Das ist der Bereich (ab 5 Sekunden), wo Bewegungen im Bild richtig gut sichtbar werden. Andererseits liegt die maximale automatische Belichtungszeit bei vielen Kameras bei 30 Sekunden. Wer länger belichten will, der muss auf Fernsteuerungen zurückgreifen oder mit der Stoppuhr in der Hand in der Einstellung ‚Bulb‘ herunterzählen.

Mittlere Blendenwerte

Manchmal ist es einfach nicht dunkel genug, um vor allem in Städten auf lange Belichtungszeiten von 30 Sekunden oder mehr zu kommen. Und die brauchst Du zum Beispiel für Nachtaufnahmen mit schönen Leuchtspuren. Mit zwei Sekunden gibts nicht viele Spuren. Einfach zu lösen, sollte man meinen: Du blendest einfach ab. Aber bei sehr hohen Blendenwerten werden Deine Bilder nicht schärfer, sondern unschärfer. Abblenden für mehr Schärfe funktioniert, wenn Du von offener Blende wie 1,7 um zwei Stufen abblendest. Bei ganz hohen Werten dagegen sorgt die Lichtbeugung für unscharfe Kanten (Beugungsunschärfe). Also doch besser Graufilter nehmen.

Bildrauschen

Es ist wie früher bei den hochempfindlichen Filmen: Je höher die Empfindlichkeit des Films war, desto mehr Korn hast Du gesehen. Bei digitalen Kameras ist das ganz genau so – und noch schlimmer. Bei langen Belichtungszeiten kommt auch bei ISO 100 immer Bildrauschen dazu. Das kannst Du hinterher zum Beispiel in Lightroom mildern.

Mir gefallen die Ergebnisse besser, die meine Kamera (Canon EOS M6) mit ihren Einstellungen hin bekommt. Dort kann ich eine Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen einschalten. Und / oder High ISO Rauschreduzierung. Kleiner Nachteil ist, dass die Bilder in der Kamera gleich nach der Kamera nachbearbeitet werden. Du musst also ein paar Sekunden abwarten, bis das Bildverarbeitet ist. Da Nachtaufnahmen meistens keine Serienaufnahmen sind und auch sonst keine Eile haben, kann ich damit leben.

Mein Favorit ist Mischlicht: Das letzte Tageslicht plus Beleuchtung.

Mein Favorit ist Mischlicht: Das letzte Tageslicht plus Beleuchtung.

Das brauchst Du für Nachtaufnahmen

1. Stativ

Eine Selbstverständlichkeit. Dabei ist es in den meisten Fällen und gerade zu Beginn egal, ob es ein Mini-Stativ ist, ein kompaktes Reisestativ oder ein Profi-Gerät. Die Zeiten haben sich allerdings dahingehend geändert, dass heute auch Profis kaum mehr gewillt sind, zusätzlich zu Kamera-Ausrüstung auch noch 5 Kilo Stativ mitzuschleppen.

2. Kugelkopf oder Video-Neiger

Viele empfinden den Video-Neiger als komfortabler. Er lässt sich in jeder Ebene getrennt verstellen. Ein Kugelkopf schwenkt nach Lösen der Arretierung in alle Richtungen. Ich plädiere schon aus Gewichtsgründen für einen qualitativ guten kleinen Kugelkopf, wie er in guten Reisestativen verbaut ist.

3. Kamera

Die Kamera sollte Belichtungszeiten automatisch bis zu 30 Sekunden nutzen können. Das ist gerade bei kompakten Kameras nicht immer der Fall. Dort geht die Maximal-Einstellung bis zu einer Sekunden, danach kommt mit T eine ‚Bulb‘-Einstellung, bei der man selbst und manuell Anfang und Ende der Verschlusszeit festlegt. Ggf. findet man je nach Modell einen Fernauslöser und Intervall-Auslöser, der sich auch gut für Timelapse-Aufnahmen einsetzen lässt.

Während bei Leuchtspuren gilt ‚je länger desto besser‘ sollte man bei Aufnahmen des Sternehimmels vorsichtiger zu Werke gehen. Nach meiner Erfahrung sind 20 Sekunden ein gutes Limit, damit die Sterne durch die Bewegung am Himmel nicht unscharf werden. Außer natürlich, man will genau diese Bewegung zeigen.

Außerdem sollte die Kamera einen Selbstauslöser haben. Sie sind ein Garant dafür, dass die Berührung der Kamera beim Auslösen keine Verwacklungen verursacht. Praktisch sind Einstellungen nicht nur für längere Zeiten (10 Sekunden) sondern kurze (ab etwa 2 Sekunden). Je nach Situation und Zahl der Aufnahmen kann es elend sein, jedes Mal noch lange auf die Auslösung zu warten.

4. Funk-Fernauslöser

Davon gibt es heute eine Vielzahl von Modellen, auch ganz preiswerte. Sie sind der komfortable Ersatz für den Selbstauslöser an der Kamera, denn sie erlauben berührungsfreies Auslösen.

5. Objektiv

Am sichersten haben sich bei mir lichtstarke Weitwinkel-Objektive erwiesen. Sie lassen mit Blenden ab 2,8 Raum bei den Belichtungszeiten und ISO-Werte. Und Weitwinkel-Aufnahmen sind relativ unempfindlich gegen Verwacklungen. Normal- und Tele-Brennweiten dagegen reagieren oft schon empfindlich auf stärkeren Wind.

6. ND-Filter

Egal wie man zu Filtern steht. Ein Graufilter oder ND-Fader (der sich stufenlos verstellen lässt) hilft ungeheuer. Vor allem, wenn man seine Langzeitbelichtungen nicht bei Dunkelheit sondern schon in der Dämmerung machen möchte. Leuchtspuren durch die Lichter von Autos beispielsweise wirken meiner Meinung anch besonders gut, wenn man die Landschaft noch im Dämmerlicht erkennen kann.

Geisterzug: Bewegte Dinge wie Fußgänger, Autos, Züge kann man auf diese Art gespenstisch ausblenden.

Geisterzug: Bewegte Dinge wie Fußgänger, Autos, Züge kann man auf diese Art gespenstisch ausblenden.

7. Extras

– Zusätzliche Akkus. In kalten Nächten saugen die Langzeitbelichtungen besonders am Akku. Wer schon einen oder zwei Standorte für Aufnahmen hinter sich hat, der sollte darauf gefasst sein, dass je nach Kameramodell der Akku in die Knie gehen kann. Übrigens: Bei Kameras mit kleinen Sensoren halten die Akkus meist länger, als bei großen Sensoren.

Sucherabdeckung. Die spielt bei klassischen Spiegelreflexkameras eine Rolle. Denn hier kann auch durch den Sucher Licht einfallen. Die Kleinteile gehen besonders gerne verloren, erst recht bei Nachtaufnahmen. Billigen Ersatz findet man bei Fremdherstellern, so dass man sich schmerzfrei auch eine Abdeckung in Reserve kaufen kann.

– Brille / Lupe. Zumindest bei mir als Brillenträger verschlechtert sich die Sehfähigkeit vor allem bei Dunkelheit. Aber auch bei Tageslicht habe sich Displaylupen als hilfreich erwiesen. Meist werden sie über die Stativhalterung oder einen Magnetrahmen am Display befestigt.

Taschenlampe / App. Zuerst brauchst Du die ganz banal, weil Du in manchen Situationen in der Dunkelheit einfach nichts mehr an Deiner Kamera erkennst. Gut, das Display leuchtet und führt Dich durch das Menü. Aber die Knöpfe und Rädchen haben sich ergonomisch ins Gehäuse eingefügt, sind schwer zu ertasten. Und wer sein Kameragehäuse noch nicht in- und auswändig kennt, tut sich schwer (Geht mir auch so, obwohl ich dachte, ich kenne meine Kameras.)

– Noch mehr Licht. Wer hat sich das noch nicht gewünscht, dass in einer dunklen Umgebung eben doch ein Detail herausgehoben werden sollte. Zum Beispiel einen Gegenstand anstrahlen, eine Person aufhellen, Bäume oder Häuser ausleuchten. In der Nachbearbeitung sind die Möglichkeiten beschränkt. Wer eine Taschenlampe oder eine Stirnlampe dezent einsetzt, der kann Personen oder Gegenstände damit sprichwörtlich ins rechte Licht setzen. Um allerdings das richtige Maß zu finden und eine Überbelichtung zu vermeiden, muss man einige Testaufnahmen einplanen – und üben.

Hinweis: Bei den gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate Links. Durch einen Kauf über den Link werde ich am Umsatz beteiligt. Dies hat für Dich keine Auswirkungen auf den Preis.