Landschaftsfotografie – Ausrüstung für den Start

Kompakte Kamera, wenige Objektive und Zubehör: Sie macht Landschaftsfotografie Spass.

Kompakte Kamera, wenige Objektive und Zubehör: Sie macht Landschaftsfotografie Spass.

Landschaftsfotografie erscheint den meisten Fotografen als der einfachste, selbstverständlichste Themenbereich. Jeder hat aus dem Urlaub schon gute Fotos mitgebracht. Und jeder ist überzeugt, dass er mit etwas mehr Zeit und Gelegenheit noch bessere Ergebnisse vorweisen könnte. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, ein zumindest geübter Blick fürs Motiv, et voilà: tolle Ergebnisse in der Landschaftsfotografie scheinen sicher.

Richtig daran ist, dass man ohne große Ausrüstung gute Ergebnisse bekommen kann. Und neben Porträts ist die Landschaftsfotografie, vor allem von Reisen, am ehesten mit emotionalen und guten Erinnerungen verknüpft. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigt, wer gute Aufnahmen unbedingt haben will oder dringend braucht, der sollte aber ein bißchen planen – und üben. Weiterlesen…

Unschärfe und Bokeh auch mit einfachen Kameras

Gezielte Unschärfe bekommt man auch mit MFT-Kameras, einem lichtstarkem Objektiv und Tele-Einstellung

MFT-Kameras mit einem lichtstarkem Objektiv und Tele-Einstellung ergibt auch einen schönen Unschärfe-Bereich.

Unschärfe im Bild (oder Bokeh) hebt das Hauptmotiv, den bildwichtigen Teil, auf die wohl ansprechendeste Art hervor. Erwünscht ist diese Hervorhebung bei vielen Aufnahmen. Bei Porträts ebenso wie bei Produktfotos, in der Food-Fotografie oder wann immer es um stimmungsvolle Aufnahmen geht. Dann machen sich ein paar Lichter im unscharfen Hintergrund besonders gut.

Meistens hört man zu diesem Thema, dass dafür vor allem Kameras mit großen Sensoren geeignet seien. Also bei Digitalkameras vor allem Vollformat-Kameras, wie die Canon 5D III oder die Sony A7 III. Rechnet man zu den sowieso schon teuren Kameramodellen noch ein Lichtstarkes Objektiv, ist der Traum vom schönen Bokeh fast schon geplatzt. Tatsache ist aber, dass man auch mit Kameras mit kleineren Sensoren diese Unschärfe erzeugen kann. Vielleicht nicht so perfekt, aber der Effekt lässt sich durchaus erreichen, auch mit weniger Aufwand.

Smartphones haben die wohl kleinsten Sensoren im Vergleich

Smartphones haben die wohl kleinsten Sensoren im Vergleich

Unschärfe und Sensorgröße

Rein physikalisch betrachtet ist der Unschärfebereich umso geringer, je kleiner der Sensor ist. Wer also ein Smartphone benutzt, der hat erst einmal kein oder nur einen sehr schwachen Unschärfe-Bereich: Das Bokeh ist hier nicht sehr ausgeprägt. Ich benutze ein iPhone 6s, da ist der Sensor mal 4,6 mal 6,2 Millimeter groß. Eine Vollformatkamera bringt es auf etwa 24 x 36 Milimeter.

Hier eine Übersicht der verbreiteten Kameratypen:

  • iPhone: 6,2 mal 4,6 Millimeter
  • Kompaktkamera mit 1-Zoll-Sensor: 13,2 x 8,8 Milimeter
  • Micro-Four-Thirds (MFT) Kameras: 17,3 x 13,0 Milimeter
  • APS-C-Kameras: 22,2 x 14,8 Milimeter
  • Vollformat Kleinbild: 36 x 24 Milimeter

Die kleinen Sensoren sollte man aber nicht als unzureichend abtun. In den letzten Jahren hat sich die Qualität gerade bei Smartphone Kameras enorm verbessert. Und sie haben einige Vorteile. Der größere Schärfebereich ist für viele Schnappschüsse praktisch. Und Smartphone und kleine Kameras werden eben bevorzugt auch von nicht so versierten Fotografen genutzt. Der Stromverbrauch ist geringer, auch das ist eine sehr positive Eigenschaft. Nicht jeder will sich mit der Kamera erst einmal drei weitere Akkus anschaffen. Oder nach einem halben Tag ohne Saft aufgeben müssen.

Smartphone

Beim Smartphone bietet sich eine Lösung an, die man eher als Notlösung bezeichnen könnte: die Nachbearbeitung. Es muss kein teures Bildbearbeitungsprogramm sein. Auch das kostenlose Snapseed kann schon als App auf dem Handy Unschärfe ins Bild zaubern: Einmal als Zone, also in einem Streifen, ein anderes Mal im Kreis. Die Übergänge lassen sich einstellen, ebenso der Grad der Unschärfe. Mit etwas Übung gelingen realitätsnahe Bilder, die für Social Media Kanäle sicher ausreichen.

Eine weitere Hilfestellung bieten Makro-Adapter. Die Lupen-Linsen sorgen dafür, dass der Schärfebereich ebenfalls zusammenschmilzt. Allerdings ist hier keine so gute Feinjustierung möglich wie bei der App und es werden manchmal nur sehr kleine Bereiche scharf abgebildet.

Mit Snapseed und der Funktion Tilt Shift kann man Unschärfebereiche gezielt festlegen.

Mit Snapseed und der Funktion Tilt Shift kann man Unschärfebereiche gezielt festlegen.

Kompaktkameras

Hierzu rechne ich mal die wirklich sehr kompakten Kameras mit einem 1-Zoll-Sensor und die Micro-Four-Third Kameras. Hier gibt es zwei gute Möglichkeiten. Zum einen schmilzt der Schärfebereich, wenn wir eine Tele-Einstellung verwenden. Je extremer, je länger die Brennweite, desto geringer der Schärfebereich. Wer also die Zoomfunktion nutzen kann, kann auf diese Art auch ein Motiv freistellen.

Die andere Methode nutzt die Tatsache, die selbst bei Vollformat-Kameras für ein gutes Bokeh ausschlaggebend ist. Ausschlaggebend für ein schönes Bokeh ist nämlich vor allem auch eine große Blendenöffnung oder Lichtstärke. Auch Profi-Kameras und Linsen bilden bevorzugt dann kleinere Schärfebereiche ab, wenn die Lichtstärke bei 1,4 oder 1,7 liegt und die Blende ganz geöffnet ist. Zumindest bei den MFT-Kameras gibt es einige lichtstarke fest verbaute Objektive (Lumix LX 100 mit 1,7 Summilux), mit denen man das machen kann. Und es gibt auch etliche Kameras mit Wechselobjektiven. Selbst wenn das Objektivprogramm des Herstellers nicht passendes aufweist, kann man oft noch seine alten analogen lichtstarken Linsen mit einem Adapter verwenden. Diese Lösung ist freilich wegen der Anschaffungskosten eines Objektivs die teuerste der hier genannten.

Offene Blende und lange Brennweite, das ergibt bei APS-C-Kameras schon einen akteptablen Unschärfebereich - auch bei Standardzooms ohne große Blendenöffnung.

Offene Blende und lange Brennweite, das ergibt bei APS-C-Kameras schon einen akteptablen Unschärfebereich – auch bei Standardzooms ohne große Blendenöffnung.

APS-C Kameras

Jetzt sind wir schon ziemlich nahe dran an den Vollformatkameras und haben immerhin beim Sensor die halbe Vollformat-Größe. Die meisten Modelle der großen Hersteller (Canon, Nikon) erlauben von Hause aus auch die Verwendung aller Vollformat-Linsen. Wer also alte oder neue lichtstarke Objektive hat, kann die nutzen. Und mit Adaptern kann man natürlich so ziemlich jedes ältere lichtstarke Objektiv oder Tele-Objektiv verwenden. Beispielsweise kann man ein altes Olympus Objektiv mit Blendenöffnung 1,4 mit einem preiswerten Adapter an Nikon, Canon oder anderes APS-C-Kameras anschließen.

Alte analoge Objektive lassen sich mit Adapter an APS-C- und MFT-Kameras nutzen. Und zaubern oft ein schönes Bokeh.

Alte analoge Objektive lassen sich mit Adapter an APS-C- und MFT-Kameras nutzen. Und zaubern oft ein schönes Bokeh.

Wer zum Beispiel das preisgünstige, früher als Standardobjektiv gehandelte 1,8/50mm von Canon oder Nikon günstig ersteht, der hat schon eine gute Lösung. Am APS-C-Sensor verlängert sich zwar die Brennweite um den Faktor 1,6, aber damit ist es mit einer Brennweite von nun 80 Milimetern immer noch gut im Food-Bereich einsetzbar.

Daneben gibt es auch analoge Objektive mit hoher Lichtstärke und Angebote von Fremdherstellern. Mit einem Meike 35mm f/1.7 APS-C hat man für wenig Geld sogar beides. Man kann die hohe Lichtstärke nutzen und erhält die Standard-Brennweite von umgerechnet 50 mm auch bei APS-C-Kameras (35 Milimeter x 1,6 ergibt etwa 56 Milimeter Brennweite).

Und natürlich greift hier bei APS-C-Kameras auch die Makro-Lösung. Möglich sind ein Vorsatz an einem fest verbauten Objektiv. Oder Zwischenringe, die es mit oder ohne Automatik für fast alle Kameras gibt. Ich benutze diese Lösung an meinen Canon EOS M Kameras und habe hier darüber berichtet.

Makro-Linsen ergeben generell einen geringeren Schärfebereich.

Makro-Linsen ergeben generell einen geringeren Schärfebereich.

Warum Smartphone-Fotos für Blog und Website genügen

Smartphone-Fotos: Besser als man denkt

Smartphone-Fotos: Besser als man denkt

Smartphone-Fotos werden von den meisten Menschen noch immer nicht richtig für voll genommen. Dabei liefern die Immer-Dabei-Kameras hervorragende Qualitäten. Wenn man ein paar Punkte beachtet, bekommt man sprichwörtlich druckreife Ergebnisse.

„Ich habe nur ein Smartphone als Kamera.” Das höre ich öfters, wenn es darum geht, dass jemand mal eben auf die Schnelle ein paar Bilder machen sollte. Ganz abgesehen davon, dass niemand, der ernsthaft fotografiert gerne mal eben auf die Schnelle ein paar Fotos macht: Das Smartphone genügt für die meisten Zwecke durchaus. ich fotografiere mit einem iPhone und bin selbst immer wieder überrascht von den Ergebnissen, die selbst auf meinem großen Bildschirm ausnehmend gut aussehen. Und mit etwas Nachbearbeitung von den Ergebnisse anderer Kameras kaum zu unterscheiden sind.

Einschränkungen gibt es natürlich, und die seien auch gleich vorneweg genannt. Wer ein episches Landschaftsfoto schießen will, auf dem letzte Details auch in der Ferne gut zu erkennen sind, der stößt rasch an die Grenzen des kleinen Sensors. Aber das ändert sich acuh noch nicht bei Kompaktkameras und Micro-Four-Thirds-Kameras. Erst ab APS-C kommen hier nach meiner Einschätzung sehr gute Ergebnisse zustande.

Zweite Einschränkung ist die Lichtempfindlichkeit: Bei schlechtem Licht werden die Smartphone Bilder eher körnig und verlieren an Details und Zeichnung.

Wenn man sich jetzt ansieht, womit die meisten Blogs und Unternehmens-Webseiten „gefüttert” werden, dann kann man diese Einschränkungen getrost hinnehmen.

Das Gitter ist hilfreich, ebenso das indiviiduelle Wählen der Messpunkte und der AE/AF-Lock (Screenshot)

Das Gitter ist hilfreich, ebenso das indiviiduelle Wählen der Messpunkte und der AE/AF-Lock (Screenshot)

Drei wesentliche Tipps für gute Smartphone-Fotos

Ran an ans Motiv!

Niemand will von Bildern mit vielen ablenkenden Details in der Umgebung später Ausschnitte herauspfrimeln. Auch wenn es schwer fällt: Greife ins Geschehen ein, arrangiere Objekte und auch Personen so lange, bis auf dem (vergleichsweise riesigen) Display alles so ist, wie Du es haben möchtest. Im Nahbereich sind die kleinen Kameras ausgesprochen gut und scharf.

Gutes Licht suchen

Suche gutes Licht. Das gibt es auch in dunkleren Räumen, an Fenstern zum Beispiel oder an Lampen. Im Gegensatz zu Kompaktkameras erkennt man bei den meisten Smartphone-Kameras die verwendeten Belichtungszeiten, die Blende und die ISO-Zahl nicht. Und unser Auge erkennt auch keinen so riesigen Unterschied zwischen der Mitte eines Raumes und einem Platz am Fenster. Der Sensor schon.

Am iPhone tippt man auf den bildwichtigen Teil, der richtig belichtet sein soll. Dann erscheint neben dem Fokus-Kästchen ein Schiebe-Regler, mit dem man die Belichtung verändern kann. Das Ergebnis sieht man gleich auf dem Display.

Faustregel: Im Zweifelsfall bei großen Kontrasten darauf achten, dass die Lichter nicht „ausfressen”, also keine Zeichnung mehr aufweisen. Damit wird der dunklere Teil zwar noch dunkler, aber den kann man ggf. später noch aufhellen. Was im Bild einmal weiß ist wird auch später keine Details mehr enthüllen.

Die Kamera stabilisieren

Das klingt jetzt leichter gesagt als getan. Es wird doch niemand ein Smartphone auf ein Stativ setzen wollen? Doch, genau das. Ich verstehen die Hemmungen, damit womöglich vor Publikum zu hantieren. es sieht einfach ein bißchen lächerlich aus, ein Stativ auszupacken und dann das Handy daruf zu montieren. Aber wenn man weiß, dass die Situation eintritt und man bei schlechtem Licht fotografieren muss, sollte man das probieren. Es muss ja nicht gerade das große Dreibein-Stativ sein. Youtube-Vlogger haben die kleinen Gorillapod-Stative populär gemacht, so dass man damit statt Kopfschütteln durchaus anerkennden Blicke erntet.

Bilder gestalten

Am iPhone kann man den Punkt für Fokus und Belichtung „feststellen”: Diese Funktion erreicht man durch längeres Drücken auf einem Punkt im Display und sie heißt AE/AF-Lock. Die Schärfe wird nicht mehr an einem anderen Bildteil festgemacht, wenn wir den Ausschnitt ändern oder wenn jemand durchs Bild läuft. Mit einer App kann man auch den Punkt für Fokus und Belichtung in zwei Zonen trennen, was aber nicht zwingend ist: Denn auch bei dem AE/AF-Lock kann man noch immer mit dem Schieberegler die Bleichtung verstellen. Und man kann in den Voreinstellungen im iPhone ein Raster einblenden, das einem hilft, das Bild zu gestalten.

Das unbearbeitete Bild.

Das unbearbeitete Bild.

Fazit

Mit dem iPhone (und vielen anderen Smartphones) kann man viel mehr machen als die meisten denken. Auch die meisten Fotografen unterschätzen Smartphone-Kameras noch immer. Das Gute an diesem Thema: Im Netz gibt es sprichwörtlich tonnenweise Infos dazu, wie man mit dem iPhone gute Bilder macht. Fast alle sind kostenlos. Ein guter Einstieg ist der Youtube-Kanal iPhone photography course (in englisch).

Foto-Know-How fürs eigene Blog: die Grundausrüstung

Foto-Know-How kostet auch – aber eben nur Zeit. Wer anfängt zu bloggen, der macht sich viele Gedanken um die ideale Foto-Ausrüstung. Wie machen es die anderen, was benutzen die Blog-Profis? Und gibts auch eine Lösung fürs kleine Budget? Die gute Nachricht: Es gibt immer eine preiswerte Lösung. Und die für wenig Geld muss nicht merkbar schlechter sein.

Foto-Know-How – besser als High Tech

Das Netz ist voll mit netten kleinen Geschichten, bei denen man den „Profis” eine „Gurke” untergejubelt hat. Glamour-Fotografen, die mit einer Barbie-Spielzeugkamera knipsen mussten. Video-Blogger, die mit der Auflösung auskommen mussten, die vor Generationen verwendet wurde. Und man ahnt es bereits. Diese Leute haben sich nicht bis auf die Knochen blamiert. Jemandem seine Canon 5D wegzunehmen und sie gegen eine sprichwörtliche „Schrott-Kamera” einzutauschen mag zu Beginn ziemlich hart erscheinen.

Das Bokeh - lässt sich leicht austesten.

Das Bokeh – lässt sich leicht austesten.

Der Profi, so lernen wir bei solchen Videos, reduziert die Schmach auf ein paar harte Fakten: Die Auflösung ist schlecht, also fotografieren formatfüllend, ohne dass Details eine zu große Rolle spielen. Die Belichtung ist so schlecht wie die Empfindlichkeit, also sorgen wir gutes Licht. Und die Tiefenschärfe geht gegen Unendlich, also sorgen wir selbst durch den Bildausschnitt dafür, das unser Hauptmotiv gut rauskommt.

Natürlich wünschen wir uns alle das beste Werkzeug für jede Aufgabe. Und auch wer „nur” für sein eigenes Blog arbeitet und (noch) kein Geld damit verdient, sollte sich vernünftiges Werkzeug zulegen. Wie bei jedem anderen Handwerk aber entscheidet letztlich nicht das Werkzeug, sondern der Mensch, der damit arbeitet über die Qualität.

Licht für Foto und Video - viele Ratgeber helfen bei der Auswahl.

Licht für Foto und Video – viele Ratgeber helfen bei der Auswahl.

Lernen ist die beste Investition

Eine Knipse für den Anfang zu kaufen ist ok. Damit jede Menge Schrott zu fabrizieren und nur wenige gute Bilder ist ebenfalls akzeptabel. Wer daraus allerdings nichts anderes lernt, als dass er eine teure Kamera will, hat eine Chance verpasst. Nie war es einfacher, sich das nötige Foto-Know-How anzueignen:

  • Anleitung: Neben ungezählten beinahe sinnfreien Unboxing-Videos gibt es etliche Einführungen ins Thema. Wie hängen Blende, Belichtung und Empfindlichkeit zusammen. Welche Rolle spielen Sensorgröße und Auflösung? Welcher Kamera entlocke ich wie die besten Ergebnisse? Wer sich von einem Suchbegriff zum anderen durchhangelt, der hat sich nach spätestens einer Woche das Basis-Wissen draufgeschafft.
  • Kosten: Bilder kosten nix mehr. Die ersten Gehversuche für fotobegeisterte Jugendliche führten vor einigen Jahre über teure Diafilme mit Entwicklung und Rahmung, oder ebenso teure Abzüge von Negativfilmen. Und immer, wenn man glaubte zu wissen, wie es geht, wechselte man den Film, machte neue Erfahrungen, neue Fehler, zahlte sprichwörtlich Lehrgeld. Heute kann ich in meinem Wohnzimmer dasselbe Motive in hundert Variationen ablichten. Und nachher mit einem kostenlosen Programm die Bilder betrachten, auswerten und meine Schlüsse ziehen. Wann ist die Schärfentiefe ideal? Wann beginnt die Aufnahme körnig zu erscheinen? Welche und wieviel Lichtquellen sind nützlich und praktikabel?
  • Langsamer Aufbau: Ich muss nicht von der Kompaktkamera zur Profi-Knipse umsteigen. Von 100 Euro zu 3.000 Euro. Vielleicht mache ich Food-Fotografie. Dann wird die Anschaffung, die meine Bilder schlagartig besser macht, der Kauf eines Stativs sein. Vielleicht will ich Menschen fotografieren, schnell, umstandslos, mit einem Porträt-Effekt. Dann hilft mir eine „schnelle” Linse als Wechselobjektiv weiter. Und wenn ich mir das Canon 1,4 /35 mm nicht leisten kann, dann ersteigere ich eine ältere 1,7er-Linse für 50 Euro, nötigenfalls mit einem Objektivadapter für 20 Euro. Oder ich brauche gutes Licht und einen schönen Hintergrund. Beides bekomme ich für kleines Geld im Baumarkt.

Klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Hier ein paar Beispiele, wie man aus wenig mehr macht:

Die kleinste Canon gegen die Größte. Und bei den Ergebnissen gibts kaum Unterschiede.

Pro Photographer, cheap camera challenge – der Name der Reihe sagt schon alles

Simon Cade vom DSLR Guide wird nicht müde, in diversen Videos darauf hinzuweisen, dass er gerne mit seiner uralten Canon DSLR arbeitet, und dass das keinen Unterschied macht.

Mein Fazit

Wichtigste Ressource beim Fotografieren sind das Basis-Wissen und die Erfahrung. Wer mit einer kleinen Kamera beginnt und um die Einschränkungen weiß, der kann trotzdem tolle Ergebnisse bekommen. Wer nicht mit der von der Oma geschenkten Kompaktkamera beginnen will, der kauft sich in der Bucht eine simple DSLR mit Wechselobjeltiv. Das darf zu Beginn gerne das Kit-Objektiv sein, ein billiges Allerwelts-Zoom. Und wer Videos macht, die Zeichen an der Wand sieht (und sie richtig deutet), der kauft – gerne ebenfalls gebraucht – eine 4K-Kamera für später. Auch normale HD-Videos werden schärfer, wenn sie von 4K heruntergerechnet werden. Und die höhere Auflösung ermöglicht mit Hineinzoomen und Schwenks fast so viel, wie eine zweite Kamera am Set.

ND-Filter für Videoaufnahmen: hilfreich aber qualvoll

Einen einzelnen ND-Fader sollte man immer nach dem Objektiv mit dem größten Durchmesser kaufen. Step-Filter zur Anpassung sind billiger als weitere ND-Filter.

Einen einzelnen ND-Fader sollte man immer nach dem Objektiv mit dem größten Durchmesser kaufen. Step-Filter zur Anpassung sind billiger als weitere ND-Filter.

Filter für Foto-Kameras – damit können die meisten Fotografen heute nicht mehr viel anfangen. Wozu auch? Wer ein Bildbearbeitungsprogramm besitzt wie Photoshop oder Lightroom, der nimmt alle Anpassungen sowieso später am Rechner vor. Richtig interessant dagegen ist das Thema Filter für all diejenigen, die ernsthaft mit ihrer Kamera Videos machen wollen: Der Vorteil der sogenannten Prime-Lenses, also lichtstarker Festbrenntweiten, schmilzt dahin, wenn bei normalen Lichtbedingungen hohe Blendenwerte / geringe Blenden-Öffnungen notwendig werden. Sie greifen immer öfter auf ND-Filter zurück: Graufilter, die die Aufnahme erst einmal dunkler machen. (Walimex Pro ND-Fader vergütet 67 mm ND2 – ND400 37 €)

Die meisten, die übers Fotografieren zum Thema Video kamen, hatten ihre Filter längst entsorgt oder griffen nur noch auf UV- oder Skylight-Filter als Schutz für die Linse zurück. Doch gerade bei Video-Aufnahmen spielt das sogenannte Bookeh eine große Rolle: Die Schärfentiefe stellt einen Gegenstand vor dem Hintergrund frei. Das geht bevorzugt bei offener Blende (oder bei starker Telewirkung). Und die offene Blende kann man bei halbwegs normalen Lichtbedingungen noch durch eine geringere Verschlusszeit ausgleichen, selbst beim Video, obwohl eine Faustregel davon abrät.

Das bedeutet, dass im strahlenden Sonnenschein eine offene Blende auch bei ISO 100 einfach nicht mehr drin ist. Und das Abblenden auf 5,6 oder 8 macht das Bokeh zunichte, die Schärfentiefe wächst erheblich.

In guter Qualität teuer: ND-Fader. Aber lieber einen billigen als gar keinen.

In guter Qualität teuer: ND-Fader. Aber lieber einen billigen als gar keinen.

Hier kommt der ND-Filter ins Spiel: Ein Graufilter, der das Bild abdunkelt. Um das auszugleichen, öffnet man die Blende und voila: Der Bokeh-Effekt ist wieder nutzbar. Die ND-Filter gibt es als Fader. Man muss also nicht verschiedene Filter kaufen, die 2x-, 4x- oder 8x die Belichtungszeit verlängern. Durch Drehen am Filterring wird ähnlich wie beim Polfilter der Wert verändert, in diesem Fall wird das Bild einfach heller oder dunkler.

Step-up Ring Filter Set ermöglicht die Anpassung eines großen ND-Filters an kleinere Durchmesser.

Step-up Ring Filter Set ermöglicht die Anpassung eines großen ND-Filters an kleinere Durchmesser.

Diese ND-Fader haben Fotografen und Videofilmern das Leben also schonmal erheblich einfacher gemacht: Statt jedes Mal einen anderen Filter aufzuschrauben, genügt der Dreh am Filterring. Komplizierter wird es dann wieder, wenn man mehrere Objektive mit mehreren Festbrennweiten hat. Und das ist druchaus öfters der Fall: Fängt man zunächst mit einem alten Normalobjektiv seiner früheren SLR an, einem 1,8 50 mm, dann kommt man schnell auf den Geschmack und möchte weitere Festbrennweiten nutzen um den gleichen Funktionsumfang zu haben, wie man ihn mit Zoomobjektiven hat. Dann heißt es wieder, bei jedem Objektivwechsel auch den Filzer umzusetzen. Und: Da die meisten Objektive verschiedene Durchmesser haben, muss man jedes Mal mit einem oder mehreren Adapterringen den ND-Filter anpassen. (7 teiliges Step Up Metall Ring Filter Set 14,90 €)

Sinnvoll: Objektiv-Adapter mit eingebautem ND-Fader.

Sinnvoll: Objektiv-Adapter mit eingebautem ND-Fader.

Einfacher geht es nun, wenn man bei Verwendung der Prime-Linsen schon früher eingreift. Denn zum Ansetzen der meist älteren manuellen Objektiven der Spiegelreflex-Kameras braucht es meistens einen Adapter. Und diese Adapter gibt es seit einiger Zeit auch mit eingebautem ND-Filter. Die Folge ist, dass das lästige Ummontieren der ND-Filer ausbleiben kann – solange man die Fremdobjektive des gleichen herstellers verwendet. Wer also früher beispielsweise mit Canon fotografiert und aus dieser Zeit noch einige Festbrennweiten hat, der kann für seine neue Kamera, beispielsweise eine Sony, einmal einen Adapter kaufen von Canon EF auf Sony E-Mount und danach alle alten Canon Objektive nutzen, und automatisch auch bei jedem Objektiv den ND-Fader. (Vizelex ND Throttle Lens Mount Adapter from Fotodiox Pro – Canon EOS (EF, EF-s) Lens to Sony E-Mount Camera 113 €)

Die Kosten halten sich zumindest bei dem oben beschriebenen Modell in Grenzen. Denn die Kosten für gute ND-Filter sind relativ hoch, dazu brauchts normalerweise noch die Adapterringe (wenn man nicht verschiedene Filter in verschiedenen Größen kauft, was aber noch teurer ist). Zwar gibt es einfache Adapter schon für deutlich weniger Geld. Aber angesichts der Tatsache, dass man hier einen Artikel mit Zusatznutzen kauft, erscheint die Ausgabe sicher vielen Filmern vertretbar. Erst recht, wenn sie bei Filmaufnahmen schon entsprechende Erfahrungen mit den ND-Filtern gemacht haben.

Bleiben eigentlich nur noch zwei Fragen offen: Warum gibt es normale Objektive nicht schon mit einem eingebauten ND-Filter. Und warum besitzen moderne Kameras, die ganz offensichtlich für Video-Aufnahmen bestens ausgestattet sind, nicht dieses Feature, das bislang nur Profi-Kameras aufweisen, nämlich einen interne Regelung des Grauwert-Filters?

Auch für kompakte Kameras mit „kleinem” Objektiv gibt es oft passende ND-Filter.

Auch für kompakte Kameras mit „kleinem” Objektiv gibt es oft passende ND-Filter.

Übrigens gibt es auch bei vielen Kompaktkameras die Möglichkeit einen ND-Filter aufzusetzen. Für meine Lumix LX 100 mit 43 mm gibt es zum Beispiel einen preiswerten ND-Fader von Fotga für gerade mal 12 €. Dafür, dass das nicht meine Haupt-Videokamera ist würde ich diese preiswerte Lösung akzeptieren, zumal der Filter bei Amazon überwiegend gute Beurteilungen erhält. (Fotga Einstellbare 43mm Fader ND Filter 11,99 €)