Produktfotos innen und ohne Blitz

Gute Produktfotos brauchen nicht immer die große Ausrüstung.

Gute Produktfotos brauchen nicht immer die große Ausrüstung.

Produktfotos braucht fast jeder irgendwann, der eine Webseite hat oder Social Media-Accounts. und erst recht natürlich all diejenigen, die im Internet etwas zum Verkauf anbieten. Viele nähern sich dem Thema nach Motto Versuch und Irrtum. Etliche scheitern und sind selbst unzufrieden, weil die Ergebnisse so gar nicht professionell wirken.

Wer jetzt seine Ausrüstung dafür verantwortlich macht, der hat nur teilweise recht. Natürlich kann man mit mehr und besserer Ausrüstung oft auch bessere Ergebnisse erzielen. (Und wer will nicht seine Ausrüstung verbessern?) Aber es gibt zwei Aufnahmesituationen, in denen man auch mit der Normalkamera und einen Kit- oder Standard-Objektiv gute Ergebnisse erzielen kann.

Das Video dazu gibt es hier:

Gleich vorneweg: Wer nach einer Anleitung für sogenannte Freisteller-Aufnahmen sucht, der wird hier nicht fündig. Ich mache das zwar selbst auch oft. Aber einerseits ist das keine sehr befriedigende oder kreative Arbeit, zumindest nach meinem Empfinden. Und zweitens geschieht der Hauptteil der Arbeit in der Bildbearbeitung am Computer. Hier gehts jetzt in erster Linie ums selber fotografieren, in Innenräumen und ohne Blitz.

Eine Mini-Hohlkehle verhilft zu softem Licht, die Umgebung ist ”störungsfrei”.

Eine Mini-Hohlkehle verhilft zu softem Licht, die Umgebung ist ”störungsfrei”.

Produktfotografie Variante 1: Wie im Studio

Profis fotografieren Objekte so ziemlich jeder Art und Größe am liebten vor einer sogenannten Hohlkehle. Dieser geschwungene weiße Hintergrund, der von der waagrechten Unterlage in weichem Bogen in den senkrechten Hintergrund übergeht, zeigt keine harten Schatten, wenn man weiches Licht verwendet. Und er zeigt auch nicht die typischen Kante zwischen weißer Unterlage und weißem Hintergrund.

Solche Hohlkehlen gibt es zwar relativ preiswert von diversen Anbietern auch für den Amateur. Die meisten werden aber für einen Shop oder Ebay kleinere Produkte anbieten, und hier kann man sich gut behelfen mit einem weißen Karton oder – wie im Video gezeigt – sogar mit einem DIN A 3 Blatt.

Weich ausgeleuchtet wird das am besten durch eine diffuse Lichtquelle. Das kann eine Lampe mit einem großen weißen Schirm sein, ein Nordfenster oder ein Dachfenster. Auch ein Strahler oder eine LED, die man gegen die Decke richtet, tut gute Dienste. Selbst wer in dieser Variante automatisch belichtet und den Weißlichtabgleich vornimmt, erhält meistens gute Bilder. Denn beu Aufnahmen in Innenräumen ist die Blende meist weit geöffnet und auch mit einem Kit-Objektiv wird eine geringe Schärfentiefe erzeugt.

Wer mit der Lichtführung unzufrieden ist, sucht mach einer weitere Lichtquelle. Auch wenn man Lichtfarben mischt, entstehen für die meisten Produkte brauchbare Ergebnisse durch den automatischen Weißabgleich. Wer zum Beispiel Glühlampenlicht und Neon-Licht mischt und schon mit bloßem Auge feststellt, dass sich der Grün- und der Rotstich beißen, der sollte versuchen, zwei gleichartige Leuchte einzusetzen. Da heute in den meisten Fälle LED-Leuchtmittel verwendet werden, sollte aber eine Lösung in fast jedem Haushalt verfügbar sein.

Wichtig ist es, viele Variationen zu fotografieren, damit man später mehrere Ansichten präsentieren kann. Der Freistellungs-Effekt kommt hier wenig zum Tragen, ist aber wegen des störungsfreien weißen Hintergrundes auch nicht zwingend. Etwas auf die Sprünge helfen kann man der Schärfentiefe, wenn man offene Blenden benutzt und sein Standardzoom eher im Telebereich benutzt. Reicht das Licht nicht für verwacklungsfreie Aufnahmen, muss man auf eine Stativ zurückgreifen. Oder auf einen Stapel (Bücher zB), auf dem man seine Kamera platziert.

Tableaus zeigen alles scharf und ein Arrangement, das Appetit machen soll.

Tableaus zeigen alles scharf und ein Arrangement, das Appetit machen soll.

Produktfotografie Variante 2: Tableau

Diese Variante macht etwas mehr Spass, finde ich. Hier macht man sich die Schwächen einer einfachen, preiswerten Ausrüstung mit wenig Licht und einem Standardobjektiv zu nutze. Generell sind Kit-Objektive ja eher so berechnet, dass auch Amateure durchgehend scharfe Aufnahmen erzielen. Sprich: Es gibt keine ausgesprochene Schärfentiefe, die meisten Bilder sind in einem Bereich von nah bis fern scharf.

Wir machen uns da zunutze, indem wir senkrecht von oben fotografieren und beispielsweise ein paar passende Objekte rings um unser Produkt arrangieren. Bei dieser Aufnahmetechnik sind alle Objekte in einer Ebene arrangiert, also gleichweit vom Objektiv entfernt. Und dass alle scharf abgebildet sind, ist hier ebenfalls nicht hinderlich. Der Reiz liegt vielmehr darin, wie wir unser Produkt arrangieren.

Die beste Wirkung auf den Betrachter hat man, wenn sich eine schlüssige „Will-Haben”-Reaktion ergibt. Wir kennen das aus viele Instagram-Posts von digitalen Nomaden, Travellern.  Da liegen dann schicke Accessoire wir das Macbook, ein Smartphone zusammen mit anderen passenden Artikeln dekorativ verstreut, auf dem Boden, auf einem Kaffeehaus-Tisch etc. Der Effekt ist, dass der Betrachter sein „Wunsch-Objekt”, für das er sich interessiert, auch gleich in der Umgebung sieht, wie er es auch gerne nutzen möchte.

Man kann sich also kreativ etwas mehr austoben und in diesem Fall auch mit Licht von einem Nordfenster oder einer Balkontür an der Seite experimentieren. Wem das zu einseitig, zu krass ist, der platziert auf der lichtabgewandten Seite einen Reflektor. Es gibt preiswerte im Versand mit Oberflächen in weiß, silber, gold, schwarz. Oder man nimmt eine Styropor-Platte aus dem Baumarkt. Oder einen großen weißern Karton.

 

Lichtzelt: Retter in der (Zeit)-Not

Lichtzelt und Beleuchtung im Set - eine preisgünstige Lösung

Lichtzelt und Beleuchtung im Set – eine preisgünstige Lösung

Lichtzelte sind für Amateure und Profis oft ein schneller Weg, um Fotos mit akzeptabeler Beleuchtung zu machen. Und das ist dringend notwendig, denn an Produktfotos werden heute hohe Anforderungen gestellt. Wo vor einigen Jahre noch als Foto der Schnellschuss mit dem Handy reichte, um ein Produkt im privaten Verkauf zu illustrieren, so sind die Verbraucher heute verwöhnt. Auf Instagram und Facebook, bei Ebay und in Kleinanzeigen sind gut ausgeleuchtete Fotos und Freisteller eher die Regel als die Ausnahme. Ein guter Verkäufer ist hier meist auch ein guter Fotograf. Ein Fotostudio muss es dennoch nicht sein, schon ein Lichtzelt kann hier gute Dienste leisten.

Eigentlich habe ich mir mein kleines Lichtzelt nur spasseshalber und zum Experimentieren zugelegt. Und, na gut, auch weil es bei einem Elektronik-Versender unverschämt billig zu haben war. Seitdem ist es ab und zu mal in Gebrauch. Und weil ich es relativ selten benutze brauche ich fast mehr Zeit zum Zusammenlegen als zum Fotografieren.

Nein, stimmt nicht, ein Scherz. Die Dinger lassen sich ähnlich wie die runden Reflektoren auf ein Mini-Maß zusammenlegen. Nur das die Zelte etwas kniffliger zu falten sind. Aber wenn man sich dann mal gemerkt hat, wo zu Beginn die Hände angesetzt werden müssen, ergibt sich die Drehbewegung fast von selbst.

Lichtzelt, Leuchten oder Blitz

Mein Favorit bei Produktfotos ist eine Multiblitz-Anlage sowie zwei transparente / nicht-transparente Hohlkehlen von Novoflex. Das ist praktisch, wenn man zum Beispiel hintereinander zwei Dutzend Weinflaschen fotografiert (was schon mal vorkommt).

Ein Lichtzelt mittlerer Größe. Sicher für die meisten Haushalts-Gegenstände ausreichend. Im Zweifelsfall lieber eine Nummer größer kaufen.Fast genauso oft kommt es dann vor, dass eine Weinflasche hinterher-tröpfelt, mit ein paar Tagen Verspätung kommt. Also alles noch einmal aufbauen, eine Flasche fotografieren, Dateien bearbeiten. Fertig. Dauert nur insgesamt nicht ein Vierundzwanzigstel der Zeit, die man für die ersten 24 Flaschen gebraucht hat. Sondern gefühlt die Hälfte.

Dann kommt das Lichtzelt zum Einsatz. Weil es inzwischen ja neben der Blitzanlage auch eine Beleuchtungsanlage mit zwei relativ billigen Standleuchten gibt. Zelt auf, Leuchten daneben, Flasche ins Zelt, fertig.

Blitz oder Dauerlicht?

Besonders schön ist, dass bei diesen Fotos die Lichter und Reflexe sehr weich sind, ohne dass man besonders herumkniffelt. Und die Schatten recht gut aufgehellt.

Warum sich dieses Verfahren bei mir dann nicht als Standard durchsetzen wird?

Das Zelt ist klasse für das schnelle Foto. Kann ich mir auch gut vorstellen, wenn man viele Dinge in unregelmäßigen Abständen bei Ebay verkauft oder auf anderem Wege. Aber es ist natürlich hier nicht alles besser.

Nachteile meiner Lichtzelt-Lösung

– Beim Vordergrund stört mich zum Beispiel, dass das Fenster – also die nach vorne zeigende Seite des Würfels – nicht total offen ist. Den Rand muss man irgendwie herunterdrücken.

– Der Innenraum ist nicht so glatt und glänzend wie meine Hohlkehle. Die aber bekomme ich nicht ins Zelt. Das bedeutet etwas mehr Aufwand bei der Nachbearbeitung.

– Und ein Nachteil geht auf meine eigene Dummheit zurück: Mein erstes Lichtzelt war zu klein. Also genauso groß, dass zum Beispiel eine Weinflasche gut darin Platz hat. Das macht auch die Fensteröffnung nach vorne kleiner und behindert das Hantieren im Innenraum. Im Zweifelsfall also lieber ein paar 10-Zentimeter zugeben.

Set aus Lichtzelt und BeleuchtungInzwischen gibts die Lichtzelte auch in sinnvollen Kombinationen günstig, wie hier mit zwei (nicht sehr schönen) Leuchten. Da man die Leuchte nicht sieht, zählt hier vor allem der Vorteil, dass sie recht kompakt sind.

Bei diesem Preis lohnt es sich meiner Ansicht nach auch nicht mehr, ein Lichtzelt oder einen anderen Kubus für diesen Zweck selbst zu basteln. Wer sparen möchte, der kann ja bei den Leuchten auf das zurückgreifen, was der Haushalt so bietet. Über den Weißabgleich der Kamera sollte sich ein Farbstich vermeiden lassen.

Wann lohnt sich die Mini-Lösung?

Lohnend ist die Investition aus meiner Sicht schon dann, wenn man auch für begrenzte Zeit ein paar Dinge fotografieren muss, die möglichst gut zur Geltung kommen sollen. Wer also einen Ebay-Handel hat oder über seine Website ab und zu Dinge verkauft (oder wer ein Weingut hat), ist damit gut beraten. Im Gegensatz zur Blitzlösung muss man sich auch über Synchronisation keine Gedanken machen. Und die Beurteilung der Lichtsituation ist ebenfalls einfacher, als beim Blitzen. Ein Stativ ist praktisch, aber nicht zwingend: Über die ISO-Einstellung kann man die Empfindlichkeit hochsetzen. Das sollte reichen, wenn man die Leuchten nahe am Lichtzelt platziert (und ich meine: sehr nahe).

Verzichtbar ist dagegen nach meiner Auffassung der Hintergrundstoff: Wer so fotografiert, der will in der Regel einen Freisteller haben. Da kann man den buntenStoff eher weniger gut nutzen. Eine manuelle Einstellung an der Kamera ist auf jeden Fall hilfreich und – wie so oft- auch ein bißchen Grundwissen über die Zusammenhänge von Lichtstärke und Entfernung, Blende und Verschlusszeit.