Weihnachtsbilder: mehr Flair mit Bokeh

Der Begriff Bokeh ist wahrscheinlich nicht allen Fotografen bekannt. Gemeint ist der Unschärfebereich, wie man ihn von Bildern einer Spiegelreflex-Kamera kennt, wenn mit offener Blende fotografiert wurde. Am schönsten kommt das zur Geltung, …

– wenn es Nachtaufnahmen sind oder Fotos die bei wenig Licht aufgenommen wurden
– wenn ein Motiv im Nahbereich fotografiert wird, damit der Unschärfebereich groß ist
– wenn es im Hintergrund Lichter gibt, die verschwommen / unscharf abgebildet werden

Jeder hat solche Bilder schon gesehen, viele haben sich an Ihnen versucht. Aber es braucht auch ein paar technische Voraussetzungen dafür.

Ich habe das jetzt gemacht mit einer DSLR (Canon 550D), zwei spiegellosen Kameras Canon EOS M und Lumix LX100) und einem Smartphone (iPhone 6s), um die Effekte zu verdeutlichen. Alle Bilder entstanden ohne zusätzliches Licht (außer Lumix LX100 Weitwinkel, da wars schon zu dunkel), mit offener Blende (sofern man das bei einem Smartphone sagen kann), und einem Objekt an der Nah-Einstellgrenze, die bei jeder Kombination eine andere ist.

Die DSLR: Canon 550D

Hier gibt es aufgrund der Sensorgröße unzweifelhaft die besten Ergebnisse. Jeder kennt den Effekt, dass Kameras mit einem kleineren Sensor fast alles scharf abbilden. Oder umgekehrt: Das eine sehr enge Schärfezone eben fast nur mit einer DSLR mit einem größeren Sensor und einem lichtstarken Objektiv bei offener Blende möglich ist.

[Die 550 D ist ein ‚Oldtimer‘. Nachfolger ist am ehesten das Modell Canon EOS 700D mit Touchscreen ]

Canon 550D mit Zoom-Objektiv

Die erste Aufnahme wurde mit einem Standardzoom 17 bis 85 mm von Canon gemacht. Offene Blende bedeutet in diesem Fall schon mal 5,6, das ist also nicht besonders lichtstark. Die Effekte sind so naja, aus meiner Sicht ganz brauchbar.

Canon 550D mit Wallimex-Video-Objektiv

[Dieses Foto ist mein persönlicher Favorit]

Die nächste Aufnahme entstand mit einem Objektiv, das eigentlich für Video-Aufnahmen gedacht ist: Einem Wallimex 1,5 / 35 mm (nach meinem Wissen baugleich mit Rokinon, Samyang und einigen anderen). Das sind die Effekte, wie ich sie mir wünsche. Etwas schwierig zu handhaben, weil das Video-Objektiv vollständig manuell funktioniert. Das Bokeh ist sehr schön, die Naheinstellgrenze erlaubt auch Detailaufnahmen.

[Walimex Pro 35 mm 1:1,5 VCSC Foto- und Videoobjektiv (Filtergewinde 77 mm) für Canon Objektivbajonett schwarz]

Canon 550D mit einem lichtstarken Zeiss-Objektiv

Nächster Kandidat: Ein Zeiss 1,7 / 50 mm, ein Festbrennweiten-Klassiker mit Contax-Anschluss. Sollte wegen der leichten Telewirkung und der ersten Qualität der Linsen eigentlich top abschneiden, hat mich aber eher etwas enttäuscht. Verantwortlich dafür ist die relativ große Naheinstellgrenze: Mit einer zu großen Entfernung vom Objekt kann man kleine Motive nicht formatfüllend fotografieren. Der Abstand zum unscharf abgebildeten Hintergrund müsste dann noch größer sein – was bei Innenaufnahmen eher unpraktisch ist.

Geplant war dann, als nächstes Objektiv für die DSLR wäre das Porträt-Objektiv 1,8 / 85 mm Nikkor zu nehmen. Aber nach diesen Bilder stand schon fest, dass das nicht mehr besser wird: Da müssten die Abstände noch größer werden. das 50 mm und das 85 mm sind also sicher güt für Fotos und Videos im Freien, zum Beispiel Porträts. Aber die Abstände müssen stimmen, alles muss sehr großräumig arrangiert werden.

Die spiegellose: Canon EOS M

Canon EOS M mit dem Kit-Objektiv 18-55 mm

Die EOS M hat den gleichen Sensor wie die DSLR (das ist ja der Reiz an der Sache). Man könnte deswegen mit einem Adapter auch die gleichen Objektive verwenden, aber das wäre ja langweilig. Also wird zuerst das Standardobjektiv für die EOS M montiert, das 18-55 mm. Das Bokeh fällt deutlich gegenüber der DSLR ab.

[Für diese ‚alte‘ EOS M gibts jetzt eine Canon EOS M3 mit immerhin 24 Megapixel und WiFi, NFC, in Kürze soll eine preiswertere EOS M10 erscheinen.]

Canon EOS M mit Festbrennweite 2.0/22mm

Und mit dem lichtstarken Weitwinkel-Objektiv 2,0/22mm wirds eher schlechter: Der Weitwinkelcharakter und die Naheinstellgrnze sorgen dafür, das eher eine Übersichtsaufnahme daraus wird, Unschärfe kann man hier nur schwer erzeugen, Bokeh noch weniger.

[Das Canon EF-M 22mm 1:2 STM ist ein sogenanntes Pancake-Objektiv ]

Die spiegellose Lumix LX 100

Lumix LX100 mit Teleeinstellung

Meine Vermutung war: Kleinerer Sensor bei der Lumix, geringerer Unschärfebereich, weniger Bokeh. Also wollte ich die hohe Lichtstärke im Tele-Bereich ausnutzen, immerhin noch 2,8, und den geringeren Schärfentiefebereich hier. Das Ergebnis ist nicht so toll.

[Panasonic DMC-LX100 Lumix]

Lumix LX100 mit Weitwinkel-Eeinstellung

[Das ist für mich der Überraschungs-Kandidat, 2. Platz]

Absolut schön dagegen finde ich den Effekt im Weiwinkelbereich: Man kommt wirklich ganz nah dran, das Bokeh zaubert kreisrunde Lichteffekte im Hintergrund und die hohe Lichtstärke von 1,7 bei Weitwinkel erlaubt Frei-Hand-Aufnahmen im Halbdunkeln.

Das Smartphone: iPhone 6s

iPhone 6s

Dazu muss man wissen, dass beim  iPhone 6s wohl generell keine Blendensteuerung möglich ist. Mann kann sich also nur drauf verlassen, dass es dunkel genug ist, damit automatisch eine offene Blende gewählt wird. Aber eben nicht so dunkel, dass sich das Bildrauschen, das hier recht früh einsetzt, sich schon störend bemerkbar macht. Es gibt einige Foto-Apps mit denen man die Verschlusszeiten steuern kann, aber wohl nie die Blende. Als Schnappschuss ist das Ergebnis ok, aber weder Naheinstellgrenze noch Blende (immerhin 2,2) erlauben eine Freistellung des Objekts oder gar ein schönes Bokeh der Lichter.

Fazit

Eine alte DSLR (Canon 550D) und ein gutes, lichtstarkes Objektiv (Wallimex 1,5/35mm) mit geringer Brennweite und Naheinstellgrenze sind für mich eindeutig Sieger in diesem Vergleich. Die Lumix LX100 mit ihrem kleinen Four-Thirds-Sensor schlägt sich sehr gut gegen diesen Veteranen, vor allem in der Weitwinkel-Einstellung. Und: Das Bokeh hat hier eine schöne kreisrunde Form, während man beim DSLR-Objektiv noch die Ecken der Blende erkennt.

Die Verwendung von älteren Prime-Linsen an einer DSLR für den Nahbereich bringen leider nicht ganz das gewünschte Ergebnis, weil man nicht nah genug ans Objekt kommt. Die anderen Kandidaten (Canon EOS M und iPhone 6s) lassen sich für größere Objekte und Porträts sicher auch gut einsetzen, stoßen aber im Innenbereich und bei kleinen Motiven schnell an ihre Grenzen.

Wer jetzt stimmungsvolle Weihnachtsbilder zaubern will, sollte Stativ und Lichter / Lichterketten für den Hintergrund parat haben, was im Innenbereich ja kein Problem ist.

PS: Die Videoaufnahmen unter den gleichen Bedingungen zeigten zwar veränderte Bildausschnitte, aber im Prinzip das gleiche Ergebnis. Und die gleiche Rangfolge bei den Testkandidaten.

Nacht-Videos mit der Canon 550D

Nachtvideos mit der Canon 550D

[Auf das kleine Bild klicken für eine größere Ansicht]

Nachdem ich das Thema Nachtaufnahmen in der Fotografie hier schon zweimal kurz angetippt hatte (hier und hier), habe ich nun auch meine Neugier bezüglich nächtlichen Video-Aufnahmen befriedigt: Mit Stativ und Kamera sowie einem 1,7/50 mm Zeiss-Objektiv im abendlichen Emmendingen.

In erster Linie wars ein Beitrag zur Verkehrsberuhigung, denn in der Tempo-30-Zone verlangsamten schlagartig alle vorbeifahrenden Fahrzeuge bei Ansicht meines Stativs mit Kamera. Also schon mal eine gute Tat getan.

Die Videoaufnahmen sind noch nicht bearbeitet und sie sind für das Auge eines Fotografen natürlich etwas körnig. Für ein Video finde ich sie allerdings erstaunlich gut, ziemlich scharf und farblich angesichts der nicht zu beeinflussenden Beleuchtung ganz ok. Nächtliche Szenerien mit Lichtquellen sind wohl einer der wenigen Anlässe, wo sich zum Beispiel auch der Einsatz eines Picture Style Flat wirklich lohnt, den ich allerdings bislang nicht ausprobiert habe.

Zwei Tipps kann ich an dieser Stelle jetzt schon geben. Der für Fotografen allzeit empfohlene UV-Filter als ständiger Schutz vor dem Objektiv ist des Teufels: Er verursacht wirklich störende Reflexe. Und ich rede hier nicht von netten Nebenerscheinungen oder dem angenehmen Bookeh des Objektivs. Allerdings hätte ich schon ganz gerne einen Schutz auf der Frontlinse meines Zeiss, ich weiß noch nicht, wie ich das löse.

Und die manuelle Einstellung, die bei Verwendung eines Fremdobjektivs mittels Adapter eh zwingend notwendig ist, sollte man auch im Wortsinne betreiben: Die von mir aus Faulheit gewählte Einstellung der automatischen ISO-Einstellung sorgt zwar für Aufnahmen ohne viel Aufwand: auch diese manuelle Einstellung wird somit zur Automatik, weil zur feststehenden Zeit und der ganz offenen Blende eben die ISO-Zahl angepasst wird. Vorbeifahrende Autos allerdings bringen die Belichtung zum Einsturz.

Die vorgewählte Begrenzung auf maximal 3200 ASA genügt übrigens in der Stadt vollkommen. Man kann von Hand auch bis auf 6400 ASA gehen, was die Sache aber nicht wirklich besser macht.

Canon 550D: „This Should Be Your First DSLR“

Ergänzend zu den eigenen Erfahrungen ein kurzer Hinweis auf diesen Artikel: Canon Rebel T2i Review: This Should Be Your First DSLR – Canon rebel t2i review – Gizmodo. Es ist keine richtige, technische Review, aber eine gute Zusammenfassung der Erfahrung von Leuten, die da ganz ernsthaft drangehen. Deswegen ist das durchaus lesenswert, was die schreiben. Zum Beispiel:

The T2i is the ideal first DSLR. The simple controls shouldn’t intimidate you for long, plus it can hold your hand a decent bit of the way, thanks to clever innovations like the Creative Auto Mode.

But the T2i may also be the ideal last DSLR, as it offers most of the performance of a camera that’s twice the price, albeit in a slightly more pedestrian body. If I were a filmmaker choosing between a single 7D or dual T2is for multi-angle shoots? The choice would be pretty obvious. And if I were a random guy just looking for my first DSLR to dabble in photography and video? The choice would be pretty obvious there, too.

Dazu sei noch angemerkt, dass meine ersten Zubehörteile eine Sonnenblende für das Kit-Objektiv waren (nein, die wird nicht mitgeliefert) und ein Bajonett-Adapter, um meine Nikon-Linsen an das Canon-Gehäuse anschließen zu können.

Der oben erwähnte Artikel wurde gefunden bei http://blog.planet5d.com/

Canon 550D: Der Video-Foto

Canon 550D

Canon 550D

Wer – wie ich – sich gedanklich damit beschäftigt, demnächst einen größeren Betrag für eine Canon 7D auszugeben, der hat hier etwas, mit dem er sich ebenfalls noch beschäftigen kann: Canon bringt Anfang April die Canon EOS 550D mit vielen Video-Features, die auch die Canon 7D hat.

Die Videofilmer sind schon ganz aufgeregt, auch Profi Philip Bloom hat das Ding aus dem Stand gelobt, alleine schon anhand der Daten. Preislich und technisch liegt das neue Teil irgendwo zwischen der Canon 500 D und der Canon 7D. Aber weil der technische Fortschritt neue Features auch billiger macht, scheint die neue Kamera ein guter Deal zu werden: Unter 800 Euro für das Gehäuse (die 7D liegt bestenfalls bei 1.250 zur Zeit), günstige Sets mit dem 18-55mm und dem 18-135 sind ebenfalls geplant. [Update: Jetzt schon in den Preis-Suchmaschinen aufgetaucht für unter 700 Euro]

Technische Daten finden sich auf der Canon-Website und inzwischen auf vielen anderen Websites. Nur soviel: Sie kann Full-HD, verschiedene Frame-Rates und hat einen Mikrofoneingang und ein großes 3-Zoll-Display sowie 18 MP.

Hier kann man ganz gut vergleichen, was die einzelnen Canon-Modelle zu bieten haben.

Canon 550D

Canon 550D