Selfie-Tipps – die technische Seite

Selfie-Tipp: Fernsteuerung benutzen oder eine App.

Selfie-Tipp: Fernsteuerung benutzen oder eine App.

Selfies – und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das einmal behaupte – brauchen die meisten von uns irgendwann. Und diejenigen, die nicht zwingend ein Selfie brauchen, die wünschen sich zumindest eines. Ein gutes natürlich. Und weil das Netz (gefühlt) überquillt von Tipps für das perfekte Selfie, gibts von mir an dieser Stelle die eher technischen Selfie-Tipps, die Dich möglichst gut aussehen lassen sollen.

Für viele sind Selfies kein Problem, sie werden am laufenden Band produziert und ebenso inflationär auch veröffentlicht. Es sind die Bilder für Freunde (und „Freunde” in den Sozialen Netzwerken), die mit dem ausgestreckten Arm entstehen. Gerne vor einem berühmten Hintergrund, oder zusammen mit anderen schönen Menschen oder zumindest mit einem Produkt, das man seinen Followern nahe bringen möchte. Weiterlesen…

Unschärfe und Bokeh auch mit einfachen Kameras

Gezielte Unschärfe bekommt man auch mit MFT-Kameras, einem lichtstarkem Objektiv und Tele-Einstellung

MFT-Kameras mit einem lichtstarkem Objektiv und Tele-Einstellung ergibt auch einen schönen Unschärfe-Bereich.

Unschärfe im Bild (oder Bokeh) hebt das Hauptmotiv, den bildwichtigen Teil, auf die wohl ansprechendeste Art hervor. Erwünscht ist diese Hervorhebung bei vielen Aufnahmen. Bei Porträts ebenso wie bei Produktfotos, in der Food-Fotografie oder wann immer es um stimmungsvolle Aufnahmen geht. Dann machen sich ein paar Lichter im unscharfen Hintergrund besonders gut.

Meistens hört man zu diesem Thema, dass dafür vor allem Kameras mit großen Sensoren geeignet seien. Also bei Digitalkameras vor allem Vollformat-Kameras, wie die Canon 5D III oder die Sony A7 III. Rechnet man zu den sowieso schon teuren Kameramodellen noch ein Lichtstarkes Objektiv, ist der Traum vom schönen Bokeh fast schon geplatzt. Tatsache ist aber, dass man auch mit Kameras mit kleineren Sensoren diese Unschärfe erzeugen kann. Vielleicht nicht so perfekt, aber der Effekt lässt sich durchaus erreichen, auch mit weniger Aufwand.

Smartphones haben die wohl kleinsten Sensoren im Vergleich

Smartphones haben die wohl kleinsten Sensoren im Vergleich

Unschärfe und Sensorgröße

Rein physikalisch betrachtet ist der Unschärfebereich umso geringer, je kleiner der Sensor ist. Wer also ein Smartphone benutzt, der hat erst einmal kein oder nur einen sehr schwachen Unschärfe-Bereich: Das Bokeh ist hier nicht sehr ausgeprägt. Ich benutze ein iPhone 6s, da ist der Sensor mal 4,6 mal 6,2 Millimeter groß. Eine Vollformatkamera bringt es auf etwa 24 x 36 Milimeter.

Hier eine Übersicht der verbreiteten Kameratypen:

  • iPhone: 6,2 mal 4,6 Millimeter
  • Kompaktkamera mit 1-Zoll-Sensor: 13,2 x 8,8 Milimeter
  • Micro-Four-Thirds (MFT) Kameras: 17,3 x 13,0 Milimeter
  • APS-C-Kameras: 22,2 x 14,8 Milimeter
  • Vollformat Kleinbild: 36 x 24 Milimeter

Die kleinen Sensoren sollte man aber nicht als unzureichend abtun. In den letzten Jahren hat sich die Qualität gerade bei Smartphone Kameras enorm verbessert. Und sie haben einige Vorteile. Der größere Schärfebereich ist für viele Schnappschüsse praktisch. Und Smartphone und kleine Kameras werden eben bevorzugt auch von nicht so versierten Fotografen genutzt. Der Stromverbrauch ist geringer, auch das ist eine sehr positive Eigenschaft. Nicht jeder will sich mit der Kamera erst einmal drei weitere Akkus anschaffen. Oder nach einem halben Tag ohne Saft aufgeben müssen.

Smartphone

Beim Smartphone bietet sich eine Lösung an, die man eher als Notlösung bezeichnen könnte: die Nachbearbeitung. Es muss kein teures Bildbearbeitungsprogramm sein. Auch das kostenlose Snapseed kann schon als App auf dem Handy Unschärfe ins Bild zaubern: Einmal als Zone, also in einem Streifen, ein anderes Mal im Kreis. Die Übergänge lassen sich einstellen, ebenso der Grad der Unschärfe. Mit etwas Übung gelingen realitätsnahe Bilder, die für Social Media Kanäle sicher ausreichen.

Eine weitere Hilfestellung bieten Makro-Adapter. Die Lupen-Linsen sorgen dafür, dass der Schärfebereich ebenfalls zusammenschmilzt. Allerdings ist hier keine so gute Feinjustierung möglich wie bei der App und es werden manchmal nur sehr kleine Bereiche scharf abgebildet.

Mit Snapseed und der Funktion Tilt Shift kann man Unschärfebereiche gezielt festlegen.

Mit Snapseed und der Funktion Tilt Shift kann man Unschärfebereiche gezielt festlegen.

Kompaktkameras

Hierzu rechne ich mal die wirklich sehr kompakten Kameras mit einem 1-Zoll-Sensor und die Micro-Four-Third Kameras. Hier gibt es zwei gute Möglichkeiten. Zum einen schmilzt der Schärfebereich, wenn wir eine Tele-Einstellung verwenden. Je extremer, je länger die Brennweite, desto geringer der Schärfebereich. Wer also die Zoomfunktion nutzen kann, kann auf diese Art auch ein Motiv freistellen.

Die andere Methode nutzt die Tatsache, die selbst bei Vollformat-Kameras für ein gutes Bokeh ausschlaggebend ist. Ausschlaggebend für ein schönes Bokeh ist nämlich vor allem auch eine große Blendenöffnung oder Lichtstärke. Auch Profi-Kameras und Linsen bilden bevorzugt dann kleinere Schärfebereiche ab, wenn die Lichtstärke bei 1,4 oder 1,7 liegt und die Blende ganz geöffnet ist. Zumindest bei den MFT-Kameras gibt es einige lichtstarke fest verbaute Objektive (Lumix LX 100 mit 1,7 Summilux), mit denen man das machen kann. Und es gibt auch etliche Kameras mit Wechselobjektiven. Selbst wenn das Objektivprogramm des Herstellers nicht passendes aufweist, kann man oft noch seine alten analogen lichtstarken Linsen mit einem Adapter verwenden. Diese Lösung ist freilich wegen der Anschaffungskosten eines Objektivs die teuerste der hier genannten.

Offene Blende und lange Brennweite, das ergibt bei APS-C-Kameras schon einen akteptablen Unschärfebereich - auch bei Standardzooms ohne große Blendenöffnung.

Offene Blende und lange Brennweite, das ergibt bei APS-C-Kameras schon einen akteptablen Unschärfebereich – auch bei Standardzooms ohne große Blendenöffnung.

APS-C Kameras

Jetzt sind wir schon ziemlich nahe dran an den Vollformatkameras und haben immerhin beim Sensor die halbe Vollformat-Größe. Die meisten Modelle der großen Hersteller (Canon, Nikon) erlauben von Hause aus auch die Verwendung aller Vollformat-Linsen. Wer also alte oder neue lichtstarke Objektive hat, kann die nutzen. Und mit Adaptern kann man natürlich so ziemlich jedes ältere lichtstarke Objektiv oder Tele-Objektiv verwenden. Beispielsweise kann man ein altes Olympus Objektiv mit Blendenöffnung 1,4 mit einem preiswerten Adapter an Nikon, Canon oder anderes APS-C-Kameras anschließen.

Alte analoge Objektive lassen sich mit Adapter an APS-C- und MFT-Kameras nutzen. Und zaubern oft ein schönes Bokeh.

Alte analoge Objektive lassen sich mit Adapter an APS-C- und MFT-Kameras nutzen. Und zaubern oft ein schönes Bokeh.

Wer zum Beispiel das preisgünstige, früher als Standardobjektiv gehandelte 1,8/50mm von Canon oder Nikon günstig ersteht, der hat schon eine gute Lösung. Am APS-C-Sensor verlängert sich zwar die Brennweite um den Faktor 1,6, aber damit ist es mit einer Brennweite von nun 80 Milimetern immer noch gut im Food-Bereich einsetzbar.

Daneben gibt es auch analoge Objektive mit hoher Lichtstärke und Angebote von Fremdherstellern. Mit einem Meike 35mm f/1.7 APS-C hat man für wenig Geld sogar beides. Man kann die hohe Lichtstärke nutzen und erhält die Standard-Brennweite von umgerechnet 50 mm auch bei APS-C-Kameras (35 Milimeter x 1,6 ergibt etwa 56 Milimeter Brennweite).

Und natürlich greift hier bei APS-C-Kameras auch die Makro-Lösung. Möglich sind ein Vorsatz an einem fest verbauten Objektiv. Oder Zwischenringe, die es mit oder ohne Automatik für fast alle Kameras gibt. Ich benutze diese Lösung an meinen Canon EOS M Kameras und habe hier darüber berichtet.

Makro-Linsen ergeben generell einen geringeren Schärfebereich.

Makro-Linsen ergeben generell einen geringeren Schärfebereich.

Analoge Objektive an modernen Kameras

Analoges Objektiv mit einem preiswerten Adapter.

Analoges Objektiv mit einem preiswerten Adapter.

Analoge Objektive liegen bei vielen Fotografen noch aus früheren Jahren herum. Kannst Du sie noch nutzen? Und warum solltest Du sie an einer modernen digitalen Kamera überhaupt verwenden? Wer Lust auf neue Erfahrungen hat und sich aus seiner Komfortzone heraus traut, für den haben die alten Schätze viele positive Überraschungen parat.

Analoge Objektive: nicht ausmustern

Der erste Gedanke bei dieser Kombination analoges Objektiv an moderner Kamera ist: Das passt doch gar nicht. Aber in den allermeisten Fällen kann man es passend machen. Es gibt unzählige Adapter für die Verwendung alter Linsen an neuen Kameras. Alte Objektive von Zeiss, Nikon, Canon, Minolta etc. fühlen sich im Vergleich zu vielen Plastik-Standard-Zooms nicht nur hochwertiger an. Sie sind meistens auch mit guten Gläsern versehen und – zumindest als Fest-Brennweiten – auch lichtstark. Das Standard-Objektiv mit 50 mm für Kleinbild kam oft mit Blendenöffnung 1,8, auch die 85-mm-Porträt-Brennweite. Und Weitwinkel mit Blende 2,0 sind ebenfalls mehr als brauchbar.

Manuelle Objektive können vergessene Schätze sein für Fotografen und Videofilmer.

Manuelle Objektive können vergessene Schätze sein für Fotografen und Videofilmer.

Was kostet der Spass?

Oft ist man mit 20 bis 30 Euro für einen Adapter dabei. Der Betrag richtet sich danach, ob man eine der häufigeren Kombinationen von Marke Kamera / Marke Objektiv nutzen möchte und wieviel Komfort der Adapter bieten soll. Die einfachsten Adapter sind rein manuell, aber wen kümmerts? Die alten Linsen sind ja auch manuell. Wer heute alle Vorteile modernster Adapter für moderne Objektive nutzen will, der kann für einen Metabones Speedbooster auch schon mal 800 Euro hinlegen. Das gilt aber dann zum Beispiel für die Verwendung hochwertiger moderner, digitaler Objektive an der neuen digitalen Kamera. Das mag sinnvoll sein, wenn man einige hochwertige Objektive anderer Hersteller erst seit kurzer Zeit hat und das Angebot für die neue Kamera eben nicht die gewünschte Linse umfasst.

Ein ganz anderes Kaliber sind moderne manuelle Objektive. Einige von ihnen wurden speziell für Videoaufnahmen konzipiert. Sie haben einen nicht klickenden Blenden-Einstellring und der Fokussier-Ring ist bereits mit einem Zahnkranz für Follow-Focus versehen. Sie sind lichtstark, haben eine erstklassige optische Qualität und kosten im Vergleich zu den vollelektronisch gesteuerten Objektiven manchmal deutlich weniger – manchmal auch nicht. Ich verwende zum Beispiel das Walimex 1.5 35 mm.

Ein Fokussierring und Follow-Focus machen die lichtstarken Linsen gerade für Video-Aufnahmen sehr interessant.

Ein Fokussierring und Follow-Focus machen die lichtstarken Linsen gerade für Video-Aufnahmen sehr interessant.

Wann ist die Verwendung alter analoger Objektive sinnvoll?

Sinnvoll ist das immer dann, wenn die alte Linse etwas hat, was die neuen nicht haben. Idealerweise haben die älteren Objektive gutes Glas, keine Beschädigungen, Kratzer oder Pilzflecken. Und wenn sie lichtstark sind, zaubern sie ein Bokeh in meine Aufnahmen, das ich mit vielen anderen Linsen nicht hinbekomme.

Wer Videos macht und eine geringe Tiefenschärfe nutzen will, der freut sich über die langen Einstellwege beim Fokus. An einem modernen Objektiv steuern die Motoren den Fokussierring oft nur über eine Viertel Umdrehung. Manche alten analogen Objektive nutzen dagegen größere Verstellwege, da macht das Fokussieren wieder mehr Spass. Erst recht, wenn man eine recht preiswerte Follow-Focus-Lösung nutzen kann.

Alte Objektive sind preiswert, um nicht zu sagen billig. Das gilt nicht nur für die, die ich bereits zuhause habe, sondern auch für viele, die ich mir gebraucht kaufen kann.

Auf was muss ich achten?

Zunächst sollte der Zustand gut, die Verstellungen leichtgängig sein. Als nächstes sollte man beachten, dass beispielsweise bei einer modernen digitalen Kamera mit APS-C Sensor sich die Brennweite um 1,5 oder 1,6 verlängert und bei Micro Four Thirds Kameras sogar um den Faktor 2.

Das bedeutet in der Praxis, dass vor allem lichtstarke weitwinklige analoge Objektive gut einsetzbar sind. Wer noch eine Porträt-Brennweite mit 85 mm 1,8 im Schrank hat, der ist nun bei einer Brennweite von etwa 130 mm oder gar 170 mm. Dafür wird der Einsatzbereich eher kleiner. Wer sich dagegen früher ein 1,7 35 mm Objektiv angeschafft hat, der hat nun für APS-C-Sensoren eine Standard-Brennweite, die den damaligen 50 mm am Kleinbild-Format entsprach. Und umgekehrt ist die alte lichtstarke 50-mm-Brennweite, die heute noch gerne als Standard empfohlen wird, für die meisten Kameras eher ein Tele, also wesentlich weniger universell nutzbar.

Die Nachteile

Mit dem Einsatz der alten analogen Objektive ist meistens eine Umstellung verbunden: Man muss tatsächlich wieder von Hand fokussieren. Wer eine moderne Kamera mit Fokussierhilfe besitzt, kann sich glücklich schätzen. Diese optische Markierung der scharf gestellten Kanten macht das Arbeiten viel flotter. Die Belichtung lässt sich oftmals auch weiter automatisch einstellen. Im Idealfall sucht die Kamera in einem Automatikprogramm die passende Verschlusszeit und den passenden ISO-Wert. Wenn man das so möchte.

Wenn ich volle Kontrolle über alle drei Faktoren haben will, muss ich alles von Hand einstellen und das Ergebnis im Sucher und mit Testaufnahmen kontrollieren. Meine Erfahrungen damit sind gut. Meine Canons (55oD mit Magic Lantern, EOS M und EOS M6) erlauben diese halbautomatischen Möglichkeiten. Gelegentlich muss man der Kamera noch über das Menü sagen, dass sie auch ohne automatische Blendensteuerung und Datenübertragung auslösen soll.

Mein Fazit

Die alten, guten Objektive für wenig Geld zu verkaufen, habe ich noch nie übers Herz gebracht. Außerdem kann an diesen manuellen Linsen ja fast nicht kaputt gehen. Die Adapter erschließen für wenig Geld neue Möglichkeiten, die ich sonst vielleicht nur mit ziemlich teuren Objektiven hätte. Für Point-and-shoot-Fotografie sind die Oldies zu langsam und umständlich. Aber wer sich Zeit nimmt für seine Bilder oder gar mit Stativ unterwegs ist, dem machen die manuellen Linsen bestimmt viel Freude.

Bokeh: mit Tiefenschärfe und Licht zaubern

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild - und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild – und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh ist für viele Fotografen die Krönung. Wenn durch geringe Tiefenschärfe und vielleicht noch ein paar Lichtreflexe stimmungsvolle Bilder entstehen, bekommt man echte Hingucker. Und wann könnte man diesen Effekt besser brauchen, als in der Vorweihnachtszeit? Dunkle Tage, viele Lichter, besondere Stimmung. Die Profis, die es wirklich auf diesen Bokeh-Effekt anlegen, haben meistens spezielles Werkzeug in ihrer Foto-Tasche. Dazu gehören teure, lichtstarke Objektive für Vollformat-Kameras und / oder lange Brennweiten.

Der Unschärfebereich, wie er vor allem bei Aufnahmen mit offener Blende entsteht, funktioniert aber auch mit weniger finanziellem und technischem Aufwand. Wer noch mehr rausholen möchte, als partielle Unschärfe und Lichtflecken, der achtet besonders auf die Gestaltung der Lichtreflexe. Hier gibt es große Unterschiede.

Auch ohne teure Objektive und Kameras

Um zu zeigen, dass auch mit relativ wenig Aufwand und sogar mit einer älteren Ausrüstung der Bokeh-Effekt ganz gut funktionieren kann, habe ich hier einmal verglichen. Zum Einsatz kamen die Canon 550D (ein Uralt-Modell), sowie die Canon EOS M mit weitestgehender gleicher Technik, aber anderen Objektiven. Beide haben einen vergleichsweise großen APS-C-Sensor, das ist sozusagen die nächst kleinere Sensorgröße nach einem Vollformat. Außerdem kamen zum Einsatz die etwas neuere Lumix LX100 (eine Micro-Four-Thirds-Kamera mit kleineren Sensor) und einem Smartphone (iPhone 6s, mit noch kleinerem Sensor).

Alle Bilder entstanden ohne zusätzliches Licht, außer bei der Weitwinkel-Aufnahme der Lumix LX100. Da wars zu dunkel für das Bäumchen im Vordergrund und ich habe hier mit einem LED-Licht für den Vordergrund nachgeholfen. Alle Aufnahmen entstanden mit offener Blende, das bedeutet immerhin eine Spannbreite von 1,5 bis 6,3.

Bokeh mit der DSLR: Canon 550D

Hier gibt es aufgrund der Sensorgröße gute Ergebnisse. Angenehm ist, dass man hier am besten (auch manuell) scharf stellen kann. Generell ist zu sagen, dass der Bokeh-Effekt am besten gelingt, wenn der Sensor relativ groß ist. Anders ausgedrückt sind kleine Kameras mit kleinem Sensor eher auf Schnappschüsse ausgelegt, bei denen möglichst alles scharf abgebildet werden soll. Bedeutet mehr Tiefenschärfe, weniger Effekt.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Zoom-Objektiv

Die Aufnahme mit dem Standardzoom 17 bis 85 mm von Canon ist zwar noch nicht berauschend, aber ganz brauchbar. „Offene Blende” bedeutet bei diesem Objektiv in Tele-Einstellung von vorne herein mindestens Blende 5,6, das ist nicht besonders lichtstark. Die Effekte sind so naja.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Wallimex-Video-Objektiv

Besser wird es mit einem lichtstarken Objektiv wie dem Wallimex 1,5 / 35 mm (nach meinem Wissen baugleich mit Rokinon, Samyang und einigen anderen). Diese Brennweite entspricht an einer APS-C-Kamera übrigens auch dem vielgeliebten, lichtstarken und preiswerten „Normal”-Objektiv. Das hat an einer Kleinbild- oder Vollformat-Kamera eine Brennweite 50 mm. Und die Ausführung mit größter Blende 1,8 gibts meistens schon für 100 € oder weniger. Bei APS-C-Sensor dagegen verlängert sich die Brennweite um den Faktor 1,6.

Das sind schon eher die Effekte, wie ich sie mir wünsche. Etwas schwierig zu handhaben, weil das Objektiv vollständig manuell funktioniert. Hilfreich, wenn mit Magic Lantern auch eine Fokussierhilfe zur Verfügung steht (Fokus-Peaking, Ausschnittvergrößerung). Das Bokeh ist sehr schön, die Naheinstellgrenze erlaubt auch Detailaufnahmen.

Canon 550D mit einem lichtstarken Zeiss-Objektiv

Lichtstarkes Vintage-Objektiv

Der nächster Kandidat ist ein sogenanntes Vintage Objektiv, also ein altes Objektiv aus analogen Zeiten. Dem Zeiss 1,7 / 50 mm, einem Festbrennweiten-Klassiker mit Contax-Anschluss, werden beste optische Qualitäten nachgesagt. Und die Brennweite von 50 mm bedeutet bei APS-C Sensor gleichzeitig einen leichten Tele-Effekt.

Kurzum, ich hatte mehr erwartet. Die relativ große Naheinstellgrenze sorgt für einigen Abstand zum Objekt, was den Effekt schmälert. Mit einer zu großen Entfernung vom Objekt kann man kleine Motive nicht formatfüllend fotografieren. Der Abstand zum unscharf abgebildeten Hintergrund müsste dann noch größer sein – was bei Innenaufnahmen eher unpraktisch ist.

Demzufolge habe ich auf einen Test mit dem 1,8 / 85 mm Nikkor verzichtet. Da müssten die Abstände noch größer werden. Das 50 mm und das 85 mm sind also sicher praktikabel für Fotos und Videos im Freien, vor allem Beispiel Porträts. Bei Nahaufnahmen wie dieser zeigen sie ihre Stärke nicht.

Die spiegellose: Canon EOS M

Canon EOS M mit dem Kit-Objektiv 18-55 mm

Die EOS M hat den gleichen Sensor wie die DSLR. Man könnte deswegen mit einem Adapter auch die gleichen Objektive verwenden. Das Standardobjektiv für die EOS M, das 18-55 mm aufweist bei Lichtstärke 3,5 bis 5,6 fällt gegenüber der DSLR ab.

Canon EOS M mit Festbrennweite 2.0/22mm

Aber da gibts ja noch ein lichtstarkes Objektiv für die EOS-M, das  Weitwinkel-Objektiv 2,0/22mm. Aber auch hier trüben Weitwinkelcharakter und die Naheinstellgrenze das Ergebnis. Im Freien und für Porträts aber nach meiner Erfahrung sehr brauchbar.

Die spiegellose Lumix LX 100 mit MFT-Sensor

Lumix LX100 mit Teleeinstellung

Nun dachte ich mir, dass der kleinerer Sensor der Lumix einen noch geringeren Unschärfebereich bringt, spricht eine geringere Unschärfe und damit weniger Bokeh. Ein Hilfsmittel kann dann die höhere Brennweite im Telebereich des Zooms sein. Aber da habe ich mich wohl vertan. Im Telebereich sind die Ergebnisse wegen des Abstands weniger überzeugend.

Lumix LX100 mit Weitwinkel-Eeinstellung

Überraschend gut, wenn nicht sogar der Vergleichs-Sieger, ist der Bokeh-Effekt im Weitwinkelbereich. Mit Lichtstärke 1,7 und der Makro-Einstellung (die kein echtes Makro ist, aber eine gute Naheinstellung) stimmt wirklich alles. Das Bokeh zaubert kreisrunde Lichteffekte im Hintergrund, die hohe Lichtstärke von 1,7 bei Weitwinkel erlaubt auch Frei-Hand-Aufnahmen im Halbdunkeln.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum die Lumix von mir nicht nur als 4K-Video-Kamera sehr geschätzt wird. Sie hat mittlerweile einen festen Platz als „Küchenkamera”. Da ich häufiger Food-Fotos für meine Webseite testschmecker.de mache, greife ich wegen der Lichtstärke und der geringen Tiefenschärfe meistens auf diese kompakte Kamera zurück.

Das Smartphone: iPhone 6s

iPhone 6s

Hier ist nix mit Blendensteuerung, auch wenn manche Foto-App etwas anderes versprechen will. Manuell lässt sich auch mit Fremdmitteln allerhöchstens die Verschlusszeit steuern. In diesem Fall ist das kaum weiter tragisch, denn die offene Blende von 2.2 reicht für ein bißchen Unschärfe. Und das ist für ein Smartphone ohne solche Dinge wie den Porträtmodus der neueren Kameras ganz ordentlich, aber nicht überzeugend. Bei anderen Abständen im Freien kann das besser werden.

Als Schnappschuss ist das Ergebnis ok, aber eine richtige Freistellung des Objekts oder gar ein schönes Bokeh der Lichter erreicht man hier nur schwer.

Fazit

Eine alte DSLR (Canon 550D) und ein gutes, lichtstarkes Objektiv (Wallimex 1,5/35mm) mit geringer Brennweite und Naheinstellgrenze sind für für einen guten Bokeh-Effekt schon sehr brauchbar. Damit ist man sozusagen schon in der Einsteigerklasse gut bedient. Und wers noch preiswerter will, der besorgt sich in einer Auktion billig ältere Teile. Die Lumix LX100 mit ihrem kleinen Four-Thirds-Sensor schlägt sich sehr gut gegen diesen Veteranen, vor allem in der Weitwinkel-Einstellung.

Und weil das Bokeh hier eine besonders schöne kreisrunde Form hat und die kompakte Kamera überall eingesetzt werden kann, ist sie mein heimlicher Vergleichs-Sieger.

Die Verwendung von älteren Prime-Linsen an einer DSLR für den Nahbereich brachten bei mir nicht das gewünschte Ergebnis, weil ich nicht nah genug ans Objekt kam. Die anderen Kandidaten (Canon EOS M und iPhone 6s) lassen sich für größere Objekte und Porträts oder auch im Freien gut einsetzen. Sie stoßen aber im Innenbereich und bei kleinen Motiven schnell an ihre Grenzen.

Wer jetzt stimmungsvolle Weihnachtsbilder zaubern will, braucht also nicht unbedingt die größte DSLR und die teuere, lichtstarke Linse. Sehr hilfreich dagegen sind ein Stativ und viele Lichter. Ideal sind vor allem Lichterketten für den Hintergrund.

Übrigens lassen sich die Ergebnisse dieses Vergleichs ganz gut auf Video-Aufnahmen übertragen. Ich halte aber das Bildrauschen bei schwachem Licht im Videobereich weitaus eher für ein Problem. Auf der anderen Seite bieten Aufnahmen im 4K-Modus mehr Reserven bei der Bildschärfe und für Ausschnitte.

Auflösung und Sensorgröße: Wie gut ist meine Kamera?

Reichen Auflösung und Bildqualität für einen großen Abzug? Oder gar für ein Panoramabild?

Reichen Auflösung und Bildqualität für einen großen Abzug? Oder gar für ein Panoramabild?

Bei den technischen Daten der digitalen Bilderwelten kommen manche ins Straucheln. Brauche ich eine Kamera mit Vollformatsensor? Und hilft mir Vollformat bei 4K-Video? Brauche ich überhaupt 4K-Video? Und auf was soll ich nun beim Kauf achten? Sensorgröße und / oder Auflösung? Die einzige korrekte Antwort dazu gibts nicht. Nicht einmal die lange Jahre gültige Empfehlung „So gut wie möglich und so teuer, wie erschwinglich” scheint mehr Gültigkeit zu haben. Aber es gibt dennoch eine Nachricht: In fast allen Klassen gibts Angebote, die gute Ergebnisse liefern.

Auflösung als Stolperstein für Vergrößerungen

Bei vielen ist die althergebrachte Vergrößerung von Bildern der Anlass, an dem sie ins Grübeln kommen. Reicht die Auflösung meiner Kamera, um zum Beispiel nach dem Urlaub einen DIN A 4 großen Abzug machen zu lassen? Oder reicht die Auflösung sogar für ein schickes Panoramaformat über dem Wohnzimmer-Sofa?

Bis hierhin ist das leicht zu beantworten. DIN A 4 ist 21 x 30 Zentimeter groß. Das ergibt bei einer idealen Druck-Auflösung von 300 dpi insgesamt 3503 x 2480 Pixel. Das kann man leicht in seiner Kamerabeschreibung nachschlagen. Zur Information die Bilddaten meiner Kameras:

  • Mein iPhone 6s erzeugt mit einer Auflösung von 12 Megapixel Bilder mit 4032 x 3024  Pixel
  • Die Uralt-Canon 550D mit einem APS-C-Sensor und 18 Megapixel Auflösung erzeugt Bilder mit 5184 x 3456  Pixel
  • Die Lumix LX100 mit einem MFT-Sensor und 16 Megapixel Auflösung erzeugt Bilder mit 4272 x 2856 Pixel
Die Sensorgröße ist wichtig, die Auflösung auch - für gute Qualität braucht es dennoch mehr.

Die Sensorgröße ist wichtig, die Auflösung auch – für gute Qualität braucht es dennoch mehr.

Auflösung und Sensorgröße

Soweit wäre die Welt der Fotografen beim Einkauf einer neuen Kamera ziemlich einfach: Auflösung nachschlagen, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis ermitteln – fertig. Aber Auflösung ist eben nicht alles. Die Größe des Sensors ist – wie einiges andere – ebenfalls ein Faktor für Qualität von Fotos und Videos.

Das iPhone 6s hat einen Sensor, der 6,2 x 4,6 Milimeter groß ist.

Der Bildsensor der Panasonic Lumix DMC-LX100 17,3 x 13,0 Milimeter groß. Das ist der Standard des Micro-Four-Thirds Sensors (MFT), den viele Systemkameras benutzen (also meistens nicht DSLRs).

Meine alte Canon 550D verwendet wie heute noch viele preiswerte DSLRs einen APS-C-Sensor, und der ist 22,2 x 14,8 Milimeter groß und löst 18 Megapixel auf.

Und wer sich noch an das gute alte Kleinbild-Format 36 x 24 Milimeter erinnert: Auch das gibt es noch. Es ist der Königsklasse der Vollformat-Kameras vorbehalten und erbringt zum Beispiel bei der Canon 6D ganze 20,6 Megapixel.

Ist nur die Größe entscheidend?

Man ahnt es schon. Die Auflösung hängt zwar mit der Sensorgröße zusammen. Aber es gibt auch kleinere Sensoren, die eine höhere Auflösung haben. Das es hier ”Spielraum” gibt, belegt schon die Tatsache, dass die Einsteigermodelle von Canon bei gleicher Sensorgröße die Auflösung von 18 auf 24 Megapixel gesteigert haben.

Warum? Wegen der Bildqualität? Nun zuallererst wohl deswegen, weil viele Kamerakunden die Auflösung als einziges Kriterium für Bildqualität kennen. Und zweitens wohl einfach deswegen, weil es geht.

Bildqualität mit geringerer Auflösung

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es gute Bildqualität sowohl mit kleineren Sensoren, als auch mit geringerer Auflösung gibt. Plattformen wie dpreview.com testen jedes neue Kamera-Modell und machen meist klare Aussagen zur Bildqualität. Dazu gibts Testbilder und Messungen.

Trotzdem bleibt oft auch der persönliche, rein subjektive Eindruck, dass die teureren Kameras die besseren Bilder machen. Gibts also noch eine geheime Zutat?

Zum einen wird die Schärfe der Bilder auch durch die Qualität und Arbeitsweise der Sensoren beeinflusst. Wer aus einem kleinen Sensor 20 Megapixel Bilddaten erzeugen will, der muss zwangsläufig mehr Kniffe anwenden, als bei einem großen Sensor.

Bildqualität ist kein fester Begriff

Was oft vergessen wird: Das Objektiv ist mindestens ebenso entscheidend für die Bildqualität wie die Kamera. Mit dem Kauf besserer Wechselobjektive ist später ein Nachbessern möglich. Ob das Argument noch gilt, Geld für teure Objektive sei gut angelegt, weil man diese Jahrzehnte lang nutzt, weiß ich nicht. Die Zeiten, in denen man sich für den Rest seines Lebens auf eine große Marke festlegt, scheinen vorbei zu sein.

Bildqualität umfasst eben auch Schärfe, Kontrast, den Kontrastumfang. Und Rechenspiele mit der 300-dpi-Druckauflösung helfen nur bedingt: Ein 100 Zentimeter breites Bild braucht keine 300 dpi, um scharf zu wirken. Und es wird sich beim Betrachten auch niemand direkt vor die Nase halten.

Die Lumix LX 100: kompakt, hohe Lichtstärke, gutes Bokeh - aber eben kein Wechselobjektiv.

Die Lumix LX 100: kompakt, hohe Lichtstärke, gutes Bokeh – aber eben kein Wechselobjektiv.

Bokeh als Entscheidungshilfe

Das hier schon erläuterte Bokeh eines Bildes hängt ebenfalls an der Sensorgröße . Und viele Menschen empfinden die meist mit DSLR aufgenommenen Bilder mit ausgeprägtem Bokeh und einer geringen Schärfentiefe als qualitativ besser – sowohl bei Fotos als auch bei Videos. Wer selbst schon mit kleinen Kompaktkameras fotografiert hat, der weiß, dass die meisten Bilder dieser Kameras von vorne bis hinten scharf sind.

Das ist für Foto-Anfänger gut und bringt ein befriedigendes Ergebnis. Fortgeschrittene wollen dagegen oft ein Motiv freistellen, von einem unscharf abgebildeten Hintergrund trennen. Aus physikalischen Gründen geht das mit einem großen Sensor besser. Ein Stück weit kann man auch kleinere Sensoren zu dieser „Freistellung” bringen: Wenn man zum Beispiel sehr lichtstarke Objektiv hat und mit offener Blende fotografiert und / oder den Tele-Effekt nutzen kann.

Mein Fazit

Gute Bildqualität gibt es bei allen Sensorgrößen und Preisklassen. Ob rein rechnerisch die Auflösung für gewünschte Vorhaben wie große Abzüge oder Panoramabilder reicht, lässt sich leicht errechnen. Ob die Bildqualität auch unabhängig von den Zahlen den eigenen Ansprüchen gerecht wird, lässt sich nur mit guten Tests und Vergleichen herausbekommen. Rezensionen oder Gefälligkeitsberichte in Blogs bringen hier wenig.

Bei DSLRs und Systemkameras ist die Auswahl groß und die für die Qualität fast ebenso entscheidende des Objektivs lässt sich durch Wechselobjektive beeinflussen. Bei Kompaktkameras ohne Wechselobjektiv wird man am ehesten fündig bei den Modellen, die gute Objektive mit hoher Lichtstärke haben. Die kosten freilich fast ebenso viel wie die „Großen”.