Bokeh: mit Tiefenschärfe und Licht zaubern

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild - und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh zaubert reizvolle Reflexe ins Bild – und braucht keine teuere Ausrüstung.

Bokeh ist für viele Fotografen die Krönung. Wenn durch geringe Tiefenschärfe und vielleicht noch ein paar Lichtreflexe stimmungsvolle Bilder entstehen, bekommt man echte Hingucker. Und wann könnte man diesen Effekt besser brauchen, als in der Vorweihnachtszeit? Dunkle Tage, viele Lichter, besondere Stimmung. Die Profis, die es wirklich auf diesen Bokeh-Effekt anlegen, haben meistens spezielles Werkzeug in ihrer Foto-Tasche. Dazu gehören teure, lichtstarke Objektive für Vollformat-Kameras und / oder lange Brennweiten.

Der Unschärfebereich, wie er vor allem bei Aufnahmen mit offener Blende entsteht, funktioniert aber auch mit weniger finanziellem und technischem Aufwand. Wer noch mehr rausholen möchte, als partielle Unschärfe und Lichtflecken, der achtet besonders auf die Gestaltung der Lichtreflexe. Hier gibt es große Unterschiede.

Auch ohne teure Objektive und Kameras

Um zu zeigen, dass auch mit relativ wenig Aufwand und sogar mit einer älteren Ausrüstung der Bokeh-Effekt ganz gut funktionieren kann, habe ich hier einmal verglichen. Zum Einsatz kamen die Canon 550D (ein Uralt-Modell), sowie die Canon EOS M mit weitestgehender gleicher Technik, aber anderen Objektiven. Beide haben einen vergleichsweise großen APS-C-Sensor, das ist sozusagen die nächst kleinere Sensorgröße nach einem Vollformat. Außerdem kamen zum Einsatz die etwas neuere Lumix LX100 (eine Micro-Four-Thirds-Kamera mit kleineren Sensor) und einem Smartphone (iPhone 6s, mit noch kleinerem Sensor).

Alle Bilder entstanden ohne zusätzliches Licht, außer bei der Weitwinkel-Aufnahme der Lumix LX100. Da wars zu dunkel für das Bäumchen im Vordergrund und ich habe hier mit einem LED-Licht für den Vordergrund nachgeholfen. Alle Aufnahmen entstanden mit offener Blende, das bedeutet immerhin eine Spannbreite von 1,5 bis 6,3.

Bokeh mit der DSLR: Canon 550D

Hier gibt es aufgrund der Sensorgröße gute Ergebnisse. Angenehm ist, dass man hier am besten (auch manuell) scharf stellen kann. Generell ist zu sagen, dass der Bokeh-Effekt am besten gelingt, wenn der Sensor relativ groß ist. Anders ausgedrückt sind kleine Kameras mit kleinem Sensor eher auf Schnappschüsse ausgelegt, bei denen möglichst alles scharf abgebildet werden soll. Bedeutet mehr Tiefenschärfe, weniger Effekt.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Zoom-Objektiv

Die Aufnahme mit dem Standardzoom 17 bis 85 mm von Canon ist zwar noch nicht berauschend, aber ganz brauchbar. „Offene Blende” bedeutet bei diesem Objektiv in Tele-Einstellung von vorne herein mindestens Blende 5,6, das ist nicht besonders lichtstark. Die Effekte sind so naja.

Bokeh mit einer Canon 550D mit Wallimex-Video-Objektiv

Besser wird es mit einem lichtstarken Objektiv wie dem Wallimex 1,5 / 35 mm (nach meinem Wissen baugleich mit Rokinon, Samyang und einigen anderen). Diese Brennweite entspricht an einer APS-C-Kamera übrigens auch dem vielgeliebten, lichtstarken und preiswerten „Normal”-Objektiv. Das hat an einer Kleinbild- oder Vollformat-Kamera eine Brennweite 50 mm. Und die Ausführung mit größter Blende 1,8 gibts meistens schon für 100 € oder weniger. Bei APS-C-Sensor dagegen verlängert sich die Brennweite um den Faktor 1,6.

Das sind schon eher die Effekte, wie ich sie mir wünsche. Etwas schwierig zu handhaben, weil das Objektiv vollständig manuell funktioniert. Hilfreich, wenn mit Magic Lantern auch eine Fokussierhilfe zur Verfügung steht (Fokus-Peaking, Ausschnittvergrößerung). Das Bokeh ist sehr schön, die Naheinstellgrenze erlaubt auch Detailaufnahmen.

Canon 550D mit einem lichtstarken Zeiss-Objektiv

Lichtstarkes Vintage-Objektiv

Der nächster Kandidat ist ein sogenanntes Vintage Objektiv, also ein altes Objektiv aus analogen Zeiten. Dem Zeiss 1,7 / 50 mm, einem Festbrennweiten-Klassiker mit Contax-Anschluss, werden beste optische Qualitäten nachgesagt. Und die Brennweite von 50 mm bedeutet bei APS-C Sensor gleichzeitig einen leichten Tele-Effekt.

Kurzum, ich hatte mehr erwartet. Die relativ große Naheinstellgrenze sorgt für einigen Abstand zum Objekt, was den Effekt schmälert. Mit einer zu großen Entfernung vom Objekt kann man kleine Motive nicht formatfüllend fotografieren. Der Abstand zum unscharf abgebildeten Hintergrund müsste dann noch größer sein – was bei Innenaufnahmen eher unpraktisch ist.

Demzufolge habe ich auf einen Test mit dem 1,8 / 85 mm Nikkor verzichtet. Da müssten die Abstände noch größer werden. Das 50 mm und das 85 mm sind also sicher praktikabel für Fotos und Videos im Freien, vor allem Beispiel Porträts. Bei Nahaufnahmen wie dieser zeigen sie ihre Stärke nicht.

Die spiegellose: Canon EOS M

Canon EOS M mit dem Kit-Objektiv 18-55 mm

Die EOS M hat den gleichen Sensor wie die DSLR. Man könnte deswegen mit einem Adapter auch die gleichen Objektive verwenden. Das Standardobjektiv für die EOS M, das 18-55 mm aufweist bei Lichtstärke 3,5 bis 5,6 fällt gegenüber der DSLR ab.

Canon EOS M mit Festbrennweite 2.0/22mm

Aber da gibts ja noch ein lichtstarkes Objektiv für die EOS-M, das  Weitwinkel-Objektiv 2,0/22mm. Aber auch hier trüben Weitwinkelcharakter und die Naheinstellgrenze das Ergebnis. Im Freien und für Porträts aber nach meiner Erfahrung sehr brauchbar.

Die spiegellose Lumix LX 100 mit MFT-Sensor

Lumix LX100 mit Teleeinstellung

Nun dachte ich mir, dass der kleinerer Sensor der Lumix einen noch geringeren Unschärfebereich bringt, spricht eine geringere Unschärfe und damit weniger Bokeh. Ein Hilfsmittel kann dann die höhere Brennweite im Telebereich des Zooms sein. Aber da habe ich mich wohl vertan. Im Telebereich sind die Ergebnisse wegen des Abstands weniger überzeugend.

Lumix LX100 mit Weitwinkel-Eeinstellung

Überraschend gut, wenn nicht sogar der Vergleichs-Sieger, ist der Bokeh-Effekt im Weitwinkelbereich. Mit Lichtstärke 1,7 und der Makro-Einstellung (die kein echtes Makro ist, aber eine gute Naheinstellung) stimmt wirklich alles. Das Bokeh zaubert kreisrunde Lichteffekte im Hintergrund, die hohe Lichtstärke von 1,7 bei Weitwinkel erlaubt auch Frei-Hand-Aufnahmen im Halbdunkeln.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum die Lumix von mir nicht nur als 4K-Video-Kamera sehr geschätzt wird. Sie hat mittlerweile einen festen Platz als „Küchenkamera”. Da ich häufiger Food-Fotos für meine Webseite testschmecker.de mache, greife ich wegen der Lichtstärke und der geringen Tiefenschärfe meistens auf diese kompakte Kamera zurück.

Das Smartphone: iPhone 6s

iPhone 6s

Hier ist nix mit Blendensteuerung, auch wenn manche Foto-App etwas anderes versprechen will. Manuell lässt sich auch mit Fremdmitteln allerhöchstens die Verschlusszeit steuern. In diesem Fall ist das kaum weiter tragisch, denn die offene Blende von 2.2 reicht für ein bißchen Unschärfe. Und das ist für ein Smartphone ohne solche Dinge wie den Porträtmodus der neueren Kameras ganz ordentlich, aber nicht überzeugend. Bei anderen Abständen im Freien kann das besser werden.

Als Schnappschuss ist das Ergebnis ok, aber eine richtige Freistellung des Objekts oder gar ein schönes Bokeh der Lichter erreicht man hier nur schwer.

Fazit

Eine alte DSLR (Canon 550D) und ein gutes, lichtstarkes Objektiv (Wallimex 1,5/35mm) mit geringer Brennweite und Naheinstellgrenze sind für für einen guten Bokeh-Effekt schon sehr brauchbar. Damit ist man sozusagen schon in der Einsteigerklasse gut bedient. Und wers noch preiswerter will, der besorgt sich in einer Auktion billig ältere Teile. Die Lumix LX100 mit ihrem kleinen Four-Thirds-Sensor schlägt sich sehr gut gegen diesen Veteranen, vor allem in der Weitwinkel-Einstellung.

Und weil das Bokeh hier eine besonders schöne kreisrunde Form hat und die kompakte Kamera überall eingesetzt werden kann, ist sie mein heimlicher Vergleichs-Sieger.

Die Verwendung von älteren Prime-Linsen an einer DSLR für den Nahbereich brachten bei mir nicht das gewünschte Ergebnis, weil ich nicht nah genug ans Objekt kam. Die anderen Kandidaten (Canon EOS M und iPhone 6s) lassen sich für größere Objekte und Porträts oder auch im Freien gut einsetzen. Sie stoßen aber im Innenbereich und bei kleinen Motiven schnell an ihre Grenzen.

Wer jetzt stimmungsvolle Weihnachtsbilder zaubern will, braucht also nicht unbedingt die größte DSLR und die teuere, lichtstarke Linse. Sehr hilfreich dagegen sind ein Stativ und viele Lichter. Ideal sind vor allem Lichterketten für den Hintergrund.

Übrigens lassen sich die Ergebnisse dieses Vergleichs ganz gut auf Video-Aufnahmen übertragen. Ich halte aber das Bildrauschen bei schwachem Licht im Videobereich weitaus eher für ein Problem. Auf der anderen Seite bieten Aufnahmen im 4K-Modus mehr Reserven bei der Bildschärfe und für Ausschnitte.

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Weitwinkel-Empfehlung: Tokina 11-16mm / 2,8

Weitwinkel-Zoom Tokina 11-16mm, 2,8

Weitwinkel-Zoom Tokina 11-16mm, 2,8

Nachdem ich mich eine Weile lang eingehend mit dem Thema Weitwinkel-Zooms beschäftigt habe, habe ich mich nun doch den positiven Test- und Erfahrungsberichten gebeugt. Meine Neuanschaffung ist das Tokina AF 11-16mm/2.8. Das klingt zunächst nicht so überschwänglich freudig, aber das liegt einzig und alleine am Preis. Wenn die Linsen fast genauso teuer wie die Kamera sind (Canon EOS 550D SLR-Digitalkamera (18 Megapixel, LiveView) Gehäuse), muss ich mir das schon zweimal überlegen.

Aber das ist auch schon der einzige Wermutstropfen. Die ersten Fotos und Videos haben – ganz ohne wissenschaftliche Tests und Auswertungen – dem Augenschein nach gute Ergebnisse gebracht (betrachtet und vergrößert auf einem 27-Zoll-Monitor). Und das vorwiegend bei offener Blende. Die durchgehende Lichtstärke von 2,8 war schon auch ein Kaufargument.

Die Linste kommt komplett mit einer Sonnenblende, was Canon beim EF-S 10-22mm/1:3,5-4,5 USM Objektiv wohl nicht fertig bringt.

Ungewohnt ist die Umstellung auf manuellen Fokus, die nicht wie bei Canon-Objektiven durch einen kleinen Schiebeschalter erfolgt. Vielmehr wird der Fokusring nach vorne bewegt und rastet dort ein. Keine schlechte Lösung, den Fokusring hat man dann ja sowieso in der Hand, wenn man auf manuell umschalten will und man muss die Kamera nicht absetzen. Durchdacht ist selbst der Objektivdeckel, den man normalerweise ganz schlecht abnehmen kann, wenn die Sonnenblende aufgesetzt ist. Dieser muss nicht am Rand angefasst werden, sondern hat zwei kleine Griffschalen in der Mitte, an die man gut herankommt.

Das Gewicht des Objektives ist in der Regel kein Problem, obwohl es mit einem starken Pfund schon ein ziemlicher Brocken ist.

Ich hatte mir das Objektiv nicht zuletzt für Aufnahmen mit einem Schwebestativ gekauft. Je kürzer dort die Brennweite, destow machen sich eventuelle Wackler bemerkbar. Wenn man zum Austarieren auf seiner Flycam noch mal ein paar Gewichte drauflegen muss, dann summiert sich das schon. Aber auch das ließ sich gut bewältigen, ohne dass ich jetzt mit Krafttraining beginnen muss. Und die Aufnahmen mit 11 mm Brennweite in Bewegung, beispielsweise in engen Räumen oder Durchgängen, wirken halt schon noch mal deutlich besser, als mit dem Standardobjektiv, das bei 18 mm Brennweite anfängt.

Kurzum: Ich sehe mein Geld gut angelegt und sehe einmal mehr meine Auffassung bestätigt, dass man sich nicht nur auf die Testergebnisse verlassen kann sondern auch die Bewertungen, die es bei den großen Versendern gibt (sofern eine ausreichende Zahl vorhanden ist). Einsatzzweck bei mir ist vor allem Foto und Video im Bereich Architektur, Panoramafotos (es muss nicht immer die Noblex sein) und es wird auf Reisen wohl den Platz des Zweitobjektives einnehmen, Zusammen mit dem Canon EF-S 17-85mm/ 4,0-5,6/ IS USM Objektiv (67 mm Filtergewinde, bildstabilisiert, Original Handelsverpackung) kann ich zumindest auf Reisen dann auf ein Tele verzichten (wird in meinen Augen sowieso stark überschätzt).

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Canon 550D und 18-55mm IS

Canon 550D mit Kit-ObjektivCanon EOS 550D Kit inkl. EF-S 18-55mm ISVor kurzem angekommen, zu einem richtigen Test hat es noch nicht gereicht, aber zum ersten Ausprobieren.

Die erste Ernüchterung kam freilich gleich nach dem Auspacken: Im Vergleich zu meinen Nikon-Kameras ist die Canon 550D ein etwas zierliches Plastik-Gehäuse, ein Leichtgewicht. Und das Objektiv in einer Hinsicht eine Enttäuschung: Der Fokusring befindet sich ganz vorne am Objektiv und bewegt sich – bei Fokuseinstellungen und beim Zoomen – vor und zurück.

Das bedeutet für mich: Für den geplanten Einsatz für HD-Video mit einem Follow Focus ist es schlicht unbrauchbar. Der greift nämlich an einer bestimmten Stelle an, was ja nun nicht mehr geht. Dabei hatte ich mir solange überlegt, ob ich mir anstelle des Kit-Objektives 18-55mm IS nicht gleich das lichtstarke Tamron SP AF 17-50mm 2,8 Di II VC (Bildstabilisator) kaufen soll. Die Preisdifferenz betrug rund 320 Euro und ich dachte mir, angesichts der auf mich zukommenden Zubehörteile für HD-Video spar ich mir das erst mal. Im Endeffekt wäre allerdings das Tamron dann billiger gewesen…

Tamron 2,8 17-55 mm VC

Tamron 2,8 17-55 mm VC

Egal, zum Probieren muss jetzt erst einmal dieses Objektiv reichen. Überhaupt versuche ich wohl als nächstes, meine Nikon Prime Linsen einzusetzen, was mit einem Bajonett-Adapter möglich sein soll. Auch die Sonnenblende für das Kit-Objektiv wurde eingespart und muss nachgekauft werden.

Auch in einer anderen Hinsicht war ich überrascht: Seit dem Kauf meines letzten Nikon-Gehäuses sind doch schon zwei Jährchen ins Land gegangen. Und das ist offensichtlich für die Entwicklung bei digitalen Kameras eine lange Zeit. Auch bei den Foto-Fuktionen der neuen Canon hat sich sehr viel getan und sie ist dank vieler manueller Einstellungen und technischer Helferlein viel mehr als eine Knipse. In dieser Hinsicht also eine positive Überraschung.

Das gedruckte Handbuch wurde erfreulicherweise nicht eingespart, und so kann man ganz entspannt im Sessel mit Handbuch und Kamera herumprobieren, bis man einen Überblick über die Funktionen hat.

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