Tagesarchiv für 30. November 2009

Medien: Kein Geld mehr für Fotos?

Montag, den 30. November 2009

Tja, so knapp lassen sich die neuesten Entwicklungen im Journalismus (kann man das in diesem Fall noch so nennen?) zusammenfassen. Freelens berichtet auf seiner Website: Gruner + Jahr ohne Bildredakteure – und das ist erschreckenderweise genauso gemeint. Für Titel wie SCHÖNER WOHNEN, HÄUSER, LIVING AT HOME, ESSEN & TRINKEN, ESSEN & TRINKEN FÜR JEDEN TAG, BEEF!, FLORA GARTEN, DOGS und den Verlag NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND und einige andere Bereiche sollen die Redaktionen reduziert werden. Die Bildredaktionen sollen ausgelagert werden, heißt es dort. Wer je in einer Redaktion gearbeitet hat tut sich schwer mit dem Gedanken, dass eine Bildredaktion “ausgelagert” wird…

Nach meiner Einschätzung setzt sich damit ein Trend um so radikaler fort, den es schon lange gibt. Grundton der Argumentation bei vielen Verlagen: Gute Bilder gibt es zuhauf und kostenlos. Zeitungen bedienen sich ebenso ungeniert bei Wikipedia, Flickr und Co. wie Buchverlage. Ganze Bildbände entstehen unter der Voraussetzung, dass es ausdrücklich kein Geld für Bilder gibt: Die könne sich der zuständige Autor / Redakteur kostenlos bei denen holen, die im Buch vertreten sein sollen.

Dass auch renommierte Verlage von dieser Entwicklung nicht verschont bleiben zeigt eine andere Meldung von Freelens: Demnach hat die New York Times einer Fotografin ganze 750 Dollar Fotohonorar angeboten für eine vierwöchige Reportage auf See. Geschätzter Kostenpunkt: 10.000 Dollar.

Die Fotografin Lindsey Hoshaw ließ sich dann “sponsern” von Spot.Us. Die NYT nannte weder den Sponsor in der Reportage, noch verlinkte sie auf die Homepage der Fotografin. Dafür beanspruchte sie das Copyright an den Fotos…


Eine Seite von Joachim Ott