Arne Dahl: Tiefer Schmerz

26. April 2005
Arne Dahl: Tiefer Schmerz

Nach Misterioso, Böses Blut und Falsche Opfer erreicht Arne Dahls “Tiefer Schmerz” das Stadium, in dem sich viele Leser bereits auf das eingespielte Team freuen und einige Dinge Kultstatuts bei den Fans erreichen. Auch wer kein ausgesprochener Liebhaber skandinavischer Krimis ist, die manchmal etwas schwer und düster daherkommen, wird von Dahls Büchern gefesselt sein.

Auch “Tiefer Schmerz” ist wieder an der grenze zwischen Krimi und Thriller, spannungsgeladen, eine Portion Action ist auch dabei. Das Tempo ist flotter als bei vielen seiner Kollegen aus dem Norden (Mankell: “Draußen regnete es. Es war 14.37 Uhr….). Die Männer und Frauen der Spezialeinheit haben ihre teils skurilen Eigenarten, ohne die moderne Krimis nicht mehr auskommen – vorbei die Zeit der reinen Helden. Aber Dahl bleibt halbwegs glaubwürdig.

Zur Handlung: Die Stockholmer Polizisten Paul Hjelm und Kerstin Holm ermitteln in einer Serie von brutalen, zunächst unzusammenhanglosen Morden. Zwar wird die Reizschwelle für solche Grausamkeiten immer höher, bei Dahl finde ich aber die Schilderungen erträglich und sie bleiben kompakt.

Ein Zuhälter wird im Stockholmer Zoo in den Tod getrieben und Vielfraßen vorgeworfen. Ein neunzigjähriger Gehirnforscher wird auf einem Friedhof erhängt. Und schließlich gibt es noch einen Kleinkriminellen, der von einer jungen Frau zusammengeschlagen und vor einen Zug geworfen wird. Allmählich verknüpfen sich die losen Enden,die Vergangenheit wird lebendig. Einmal mehr wird die deutsche Geschichte bemüht, aber auch hier gilt: Es bleibt halbwegs realistisch – wie zumindest ich mir das auch für fiktive Geschichten wünsche.

Dahls vierter Krimi ist – wie die ersten drei – eine Kaufempfehlung.

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Eine Seite von Joachim Ott